Bad Dürkheim Café del Mundo überzeugt aufs Neue

Zum 18. Gitarrenfestival in der Alten Synagoge zu Weisenheim am Berg hat Kurator Martin Müller wieder hochkarätige Gäste eingeladen. Klaus Jäckle eröffnete das Festival am Freitag, das Duo Café del Mundo spielte am Samstag das zweite Konzert dieses Tages. Es war der besondere Wunsch des Weisenheimer Publikums, das Gitarrenduo Café del Mundo noch einmal zu hören.
Im vergangenen Jahr waren Jan Pascal und Alexander Kilian kurzfristig für einen erkrankten Künstler eingesprungen. In der Alten Synagoge hinterließen sie einen so nachhaltigen Eindruck, dass sie in diesem Jahr gleich wieder kommen mussten. Natürlich war das Konzert schon lange ausverkauft. Und auch in diesem Jahr begeisterte das Duo die Zuhörer. Pascal und Kilian haben ihren eigenen Stil gefunden. Sie spielen spanisch inspirierte Gitarrenmusik, die man am ehesten zum Flamenco Nuevo zählen kann. Beide haben sich mit dem klassischen Flamenco intensiv beschäftigt. Von seiner Tradition kommen das Feuer und die Virtuosität, die für das Duo charakteristisch sind. In Weisenheim haben sie ein Programm mit überwiegend eigenen Stücken gespielt. Da gibt es zwar Anleihen von klassischen Flamenco-Formen, aber die Beiden entwickeln aus der Tradition etwas Neues. Stimmungsvolle Stücke erzählen von Landschaften und spanischen Orten, deren Atmosphäre die Künstler musikalisch eingefangen haben. Da gibt es ein kleines Dorf in Katalonien, dessen buntes Treiben in der Musik deutlich wird. Ein Berg, der von weitem wirkt wie ein schlafender Löwe, hat die Beiden ebenfalls inspiriert. Der Jazzpianist Chick Corea ist ein großer Fan der spanischen Musik. Da lag es nahe, seine Stücke „Spain“ und „La Fiesta“ vom Klavier wieder auf die Gitarre zu übertragen. Kilian und Pascal haben das ganz hervorragend gemacht und die Klavierstücke in ganz typische Gitarrenmusik verwandelt. Jan Pascal, Jahrgang 1975, bekam von seinem Großvater, der in Spanien lebte, seine erste Gitarre als er sechs Jahre alt war. Pascal lernte Gitarre, Klavier und Gesang bei verschiedenen Lehrern, darunter auch Flamenco-Meister Rafael Cortes. Alexander Kilian, geboren 1987, besuchte einen Flamenco-Workshop bei Pascal. Der Mann mit den roten Schuhen hatte schon als 15-Jähriger den Wettbewerb bei Peter Fingers Open Strings Festivals und damit einen Plattenvertrag bei dessen Label gewonnen. Seit 2007 spielen die Beiden nun zusammen und haben als Café del Mundo auch verschiedene Mitmusiker an ihrer Seite. Das Zusammenspiel der beiden Gitarristen ist exzellent. Das merkt man nicht nur an präzisen parallelen Läufen, sondern gerade auch bei freieren Passagen an der dynamischen Flexibilität mit der sie aufeinander reagieren. Ihre Virtuosität macht natürlich Eindruck. Aber Kilian und Pascal sind bei weitem mehr als bloße „Gitarren-Sportler“ – sie spielen auch mit Emotionen und Tiefe. Es gibt auch ruhigere Passagen und da wird besonders deutlich, dass musikalischer Ausdruck für das Duo im Mittelpunkt steht. Bei den Zugaben haben die Beiden noch mal Spaß am „fetzen“: Erst gibt es den Mediterranean Sundance mit viel Improvisation, dann den Libertango von Astor Piazzolla, der sehr schnell in ein buntes Medley mündet. Das ganze Konzert war mitreißend und ein ganz besonderes Vergnügen. Das erste Konzert des diesjährigen Festivals spielte Klaus Jäckle mit einem Soloprogramm. Jäckle ist ein exzellenter Gitarrist und Arrangeur. Er arbeitet mit vielen großen Künstlern zusammen. Nach Weisenheim brachte er ein sehr interessantes Programm mit eigenen Arrangements für Gitarre Solo. Anfang und Schluss bildeten Stücke von Isaac Albéniz. Das ist der Lieblingspianist aller Gitarristen, denn er hat eine Suite geschrieben, die zum Pflichtprogramm klassischer Gitarristen gehört. „Asturias“ wurde gleich von einem Zeitgenossen Albéniz arrangiert, „Sevilla“ hat Jäckle selbst übertragen. Etwas ganz Besonderes waren zwei Stücke des zeitgenössischen Estländischen Komponisten René Eespere. „Motus“ ist eigens für Jäckle geschrieben. Das Stück ist sehr kontrastreich. Es springt von den tiefen bis in die höchsten Lagen, spielt mit Klangfarben und nutzt die vielen Ausdrucksmöglichkeiten der Gitarre. Jäckle spielt das auf beeindruckende Weise. „Evocatio“ ist ebenfalls ein gitarristischer Leckerbissen. Es arbeitet mit einem melodischen Thema und entwickelt es durch verschiedene Variationen in kontinuierlicher Steigerung. Faszinierend waren zwei Chopin-Bearbeitungen von Jäckle: Das berühmte „Regentropfen“-Prelude klingt auch auf der Gitarre. Aber leider gibt es für Jäckle hier Punktabzug: Da wirkte sich besonders deutlich aus, dass Jäckle starke Probleme mit der Intonation seiner Gitarre hatte. In den hohen Lagen wurde einige Regentropfen ziemlich ätzend. Als Entschuldigung erklärte er, er habe eine neue Gitarre, die er das erste Mal spiele und er probiere gerade neue Saiten. Damit hat er sich die denkbar ungünstigsten Voraussetzungen selber eingebrockt. Die Gitarre hat einen sehr schlanken Klang und offenbar einen nur kleinen Spielraum an Dynamik. Die Stärke des Instruments liegt in der Transparenz bei mehrstimmigen Stücken, ohne allzu viel Dynamik. Geht es um Volumen und vollen Klang, lässt diese Gitarre den Spieler zappeln. Das ging auch an Jäckle nicht spurlos vorbei. Das ist schade, denn die hervorragend gelungenen Arrangements und Jäckles vorhandene große Spielkunst litten darunter. Trotzdem gab es auch viele beeindruckende Momente. (ghx)