Bad Dürkheim „Bitte jetzt nicht einschlafen“

Für Bewohner und Gäste des Bürgerspitals Wachenheim veranstaltete der Verein „Live Music Now“ am Dienstagnachmittag ein kostenloses Klassik-Konzert mit einem eigens für sie zusammengestellten Programm, interpretiert von zwei außerordentlich talentierten jungen Künstlern.
„Wir sind zweimal im Jahr im Bürgerspital in Wachenheim“, erklärte Organisatorin Henriette von Salmuth und ergänzte: „Unsere Stipendiaten spielen vor Menschen, die keine öffentlichen Konzerte besuchen können“. Die Idee dazu hatte Yehudi Menhuin, einer der größten Violinvirtuosen des 20. Jahrhunderts. Ihm war die Unterstützung Bedürftiger genauso eine Herzensangelegenheit wie die Förderung von Nachwuchsmusikern. Daher gründete er 1977 die gemeinnützige Organisation „Live Music Now“. In Deutschland besteht der Verein seit 21 Jahren, seit 2007 ist er regional mit der Geschäftsstelle Rhein-Neckar in Heidelberg vertreten. Der Verein hat die angehenden Berufsmusiker, den bulgarischen Cellisten Zherar Yuzengidzhyan und die südkoreanische Pianistin Seoung-eun Cha, in sein Förderprogramm aufgenommen. Der musikalische Bogen spannte sich von der Wiener Klassik über die Spätromantik bis zum 21. Jahrhundert. Den Auftakt machte der 3. Satz der Cellosonate g-Moll von Sergei Rachmaninow. Sie begeistert jedes Publikum durch ihren harmonischen Reichtum und ihre melodische Wärme, zumal wenn sie so meisterlich auf einem Cello von Lorenzo Ventapane aus dem Jahr 1815 gespielt wird. Der Cellist erhielt es als Leihgabe der „Landessammlung Streichinstrumente Baden-Württemberg“ aufgrund seiner hervorragenden musikalischen Leistung. Mit sichtlicher Spielfreude widmete sich das Duo danach den sieben Variationen von Beethoven über das Thema „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ Es-Dur aus Mozarts Oper „Die Zauberflöte“, als lebhaftes Duett bis zum brillanten Finale hervorragend umgesetzt. Mit dem „Clair de Lune“ aus der Suite bergamasque von Claude Debussy verführte die Pianistin mit gefühlvollem Anschlag zum Träumen. Deshalb leitete der Cellist charmant mit „Bitte jetzt nicht einschlafen“ zu seinem Vortrag von „Expromt“ über. Der armenische Komponist Alexander Arutjunjan schrieb eine sehr eigenständige Musik, die auch die Folklore seiner Heimat erkennen lässt. Hier konnte Zherar Yuzengidzhyan sein ganzes Temperament einsetzen und den Bogen über die Saiten tanzen lassen. Danach kam das Duo noch einmal zurück zu Rachmaninoff, dieses Mal mit der Vocalise op. 34. Den furiosen Abschluss bildete „Le Grand Tango für Violoncello und Klavier“ von Astor Piazzolla, den der argentinische Komponist 1982 auf dem Höhepunkt seines Schaffens für den bedeutenden russischen Cellisten Mstislaw Rostropowitsch komponierte. Hierbei reizte auch der junge Künstler virtuos die Möglichkeiten seines Instruments aus, immer perfekt begleitet von seiner Partnerin am Klavier. Laute Bravo-Rufe bewiesen, dass dem Duo eine meisterhafte Umsetzung gelang. Als Zugabe spielten sie für das dankbare Publikum „Der Schwan“ aus der musikalischen Suite „Karneval der Tiere“ des französischen Komponisten Camille Saint-Saëns. (dox)