Blickpunkt Wirtschaft
Biometzger schließt die Ladentüren
Die ersten Wochen im Winter 2021/2022 hatten für die Metzgerei im Erdgeschoss des Anwesens in der Römerstraße/Ecke Gaustraße noch vielversprechend begonnen. Etwa 50.000 bis 60.000 Euro habe er in den Monaten nach der Eröffnung in Bad Dürkheim umgesetzt, erzählt Mark Micol. „Es ist richtig gut angelaufen“, erinnert er sich. Von seinem Hauptgeschäft in Oppau belieferte der gelernte Metzger seine Filiale. Doch dann kamen mit dem Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine Inflation und Energiekrise. „Es war wie abgeschnitten“, sagt Micol, der zunächst noch auf Besserung hoffte. „Aber es wurde nicht besser.“
Der Monatsumsatz stürzte auf 20.000 Euro ab – zu wenig, um das Geschäft profitabel zu betreiben. Im Oktober 2022 entschied er daher, die Öffnungszeiten von fünf auf drei Tage in der Woche zu reduzieren und arbeitete fortan statt mit drei Festangestellten nur noch mit einer festen Mitarbeiterin und einer Aushilfe, stand oft selbst hinter der Theke. Ohne die Reduzierung der Öffnungszeiten wäre das Geschäft schon damals nicht zu halten gewesen, resümiert er. Die Eigentümer, eine vierköpfige Gruppe um den Bad Dürkheimer Klaus Schwarz, kamen dem Biometzger entgegen und reduzierten die Miete um einen „Batzen“, wie Schwarz bestätigt. Doch die Filiale schrieb weiter rote Zahlen. „Alles, was wir uns in den vergangenen neun Jahren angespart haben, ist draufgegangen“, sagt Micol. Hinzu seien immer wieder technische Probleme gekommen, etwa mit der Klimaanlage. Auch die Situation bei der Anlieferung habe sich in der Gaustraße als sehr schwierig erwiesen. Zudem hätten weitere Investitionen etwa in Boden und Küche angestanden.
Leute essen weniger Fleisch
All das führte dazu, dass Micol sich jetzt, wie er sagt schweren Herzens, dazu entschieden hat, die Reißleine zu ziehen: Spätestens Ende September will er das Geschäft schließen, möglicherweise früher. Mit Beginn der Sommerferien am 24. Juli werde er erst einmal sechs Wochen Betriebsferien machen, ob er dann noch einmal öffnet, weiß er nicht. Am meisten tue ihm seine Mitarbeiterin leid, der er kündigen musste. Allerdings werde sie wohl schnell wieder einen anderen, möglicherweise besser bezahlten Job finden, glaubt er.
Die Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind vielschichtig. Durch die stark gestiegenen Energiepreise hat sich Micols Kostenstruktur deutlich verschlechtert. Zwar habe ihm der Wechsel des Stromanbieters eine Ersparnis von 300 Euro im Monat gebracht. „Aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt der 40-Jährige. Auch die Strom- und Gaspreisbremse vom Bund habe nur begrenzt geholfen. Vor allem aber werde deutlich weniger Biofleisch gekauft als noch vor 18 Monaten. „Die Leute haben weniger Geld zur Verfügung und gehen dann eher in den Supermarkt“, sagt Micol. An der Preisschraube zu drehen, sei aber nicht infrage gekommen. „Da hätten wir noch mehr Kunden verloren.“ Er merke den Rückgang auch bei seinem Absatz in Bio- oder Naturkostläden und auf Märkten, die er mit Verkaufswägen in der gesamten Vorderpfalz ansteuere. Allerdings betrage das Minus hier „nur“ zehn bis 15 Prozent. Zudem macht ein weiterer Trend dem Metzger das Leben schwer: „Die Leute essen generell weniger Fleisch.“ Die Kundschaft in der Kurstadt ist dem Oppauer aber ans Herz gewachsen – und diese muss auch nicht auf Fleisch aus dem Hause Micol verzichten. Ab dem 26. Juli wird einer seiner Verkaufswägen immer mittwochs auf dem Wochenmarkt stehen. Dazu kann man seine Produkte auch weiter über die Marktschwärmer in Freinsheim beziehen. Auch die Grundschulen und Kitas der Stadt werde er weiter mit seinem Biofleisch beliefern.
„Kein großes Rad mehr“
Für den gelernten Metzger und seine Frau ist es auch eine Rückkehr zu den Wurzeln. Micol stieg 2013 in den von seinem Großvater gegründeten Betrieb ein und setzte zunächst auf den mobilen Verkauf. 2016 war dann genügend Kapital da, um das alte Hauptgeschäft in Oppau neu zu eröffnen. „Wir müssen wieder ein Familienbetrieb werden, das große Rad zu drehen, das geht nicht mehr“, erklärt Micol. Sein Hauptgeschäft in Oppau will der 40-Jährige weiter geöffnet lassen, aber auch hier werde er wohl die Öffnungszeiten reduzieren müssen, um Personalkosten zu sparen.
Und wie geht es in der Römerstraße weiter? Der Mietvertrag laufe noch bis Ende September, sagt Klaus Schwarz, Micols Vermieter. Die Suche nach einem anderen Metzger, der das Geschäft übernehmen könne, sei die erste Präferenz der Eigentümer. Wenn das nicht gelinge, sei aber auch ein anderes Gewerbe in den Räumen denkbar – oder der Umbau zu Büros. Die Arbeiten an dem übrigen Teil des Anwesens sollen im Herbst abgeschlossen sein. Dort entstehen zwei neue Wohnungen, zwei weitere werden saniert.