Bad Dürkheim Beruf: Deppendarsteller

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Die fränkischen Komödianten Volker Heißmann und Martin Rassau haben am Donnerstagabend im Neustadter Saalbau mit aberwitzigen Sketchen zu fast alltäglichen Situationen und etwas derberem Humor für so manchen Schenkelklopfer und Lachanfall gesorgt. Natürlich waren in ihrem Programm „Ein Duo kommt selten allein“ auch ihre Paraderollen Waltraud und Mariechen mit dabei, die auch etwas Pfälzer Lokalkolorit einfließen ließen.

Mit einem lauten „Bravo“ und Applaus überraschte direkt zu Anfang ein einzelner Besucher Rassau, der gerade verkündet hatte, dass er mit seinem Kollegen schon einmal bei der Wahl der Deutschen Weinkönigin im Saalbau aufgetreten sei. Von diesem Zwischenruf ließ sich der Profi allerdings keineswegs aus dem Konzept bringen. Ungeniert plauderte er weiter über die kleine Tour durch die Pfalz. Vor dem Auftritt in Neustadt hatten sich die beiden Franken Zeit genommen, um in Bad Dürkheim, Wachenheim und Deidesheim kurz vorbeizuschauen. „Überall trinken sie Wein, und ich muss vorbeifahren“, beschwerte sich Rassau mit einem Augenzwinkern und machte damit deutlich, dass Improvisation und Spontaneität genauso zum Programm gehören wie mehr oder weniger einstudierte Sketche. In der „Deidesheimer Tracht“, einem kurzen Zweiteiler mit Herzen, und brauner Perücke stolzierte Heißmann auf die Bühne, um sich als naives Männchen vom gewieften Rassau eine unnötige Versicherung nach der anderen andrehen zu lassen. Angefangen mit der „Kanarienvogelkäfigdurchbissversicherung“ über eine „Autohaftpflichtversicherung“ oder eine „Einschlafversicherung“ – bei jedem Angebot lachte er und klatschte nach einem freudigen „Die will ich haben, die will ich haben“ kräftig in die Hände. Das Publikum reagierte auf diesen Satz wie der Pawlow′sche Hund auf das Glöckchen und führte ebenfalls die Hände zusammen, um das Klatschen zu verstärken. Als Chor für einen Schnaps-Werbespot machten die Zuschauer ebenfalls eine gute stimmliche Figur. „Da spürt man die Neustadter Lebensfreude, die heraussprudelt wie ein spritziger Riesling“, lobte „Aufnahmeleiter“ Rassau das Publikum, das mit jedem weiteren Versuch noch inbrünstiger sein „Humba, humba, täterä“ grölte. Der eigentliche „Werbestar“ Heißmann, der mit seinem orangefarbenen Jogginganzug wie eine Mischung aus Müllabfuhr-Mitarbeiter und Cindy aus Marzahn wirkte, glänzte dagegen mit mangelndem Talent. Zuerst wollte er sich als „Mr. Schoppen“ bewerben, was allerdings scheiterte, weil „die Pfalz so einen schlechten Wein nicht macht“, wie Rassau feststellte. Dann konnte er sich seinen einfachen Werbetext „Nach der Worscht, hab’ ich en Dorscht“ nicht immer merken und auch das Würstchen, in das er herzhaft beißen sollte, hatte so seine Tücken und fiel trotz festem Griff immer wieder zur Seite ab. Die Rollenverteilung blieb den ganzen Abend über die gleiche: „Er ist der Gescheite, ich der Depp“, kommentierte Heißmann und verkündete: „Ich lasse mir jetzt Visitenkarten mit der Berufsbezeichnung Deppendarsteller drucken.“ Diesen Ausdruck habe er in einem alten Programmheft von 1915 gelesen. Auch als naives Mariechen erfüllte er seine leicht trottelige Rolle mit Bravour. Ihre Schilderungen ihres Besuchs im männlichen Teil von New York,„Manhattan“, und der Besichtigung der „Blechliesel mit der Fackel“ trieben den Besuchern die Lachtränen in die Augen und ihrer besserwisserischen Witwenkollegin Falten auf die Stirn. Neben derben Sprüchen schreckte das Frankenduo auch vor ernsteren Tönen nicht zurück. So ließ Rassau als Waltraud, die sich in einem Zebrakleid präsentierte, mit dem Satz „Wählen ist wie Zähneputzen: Wenn man es nicht macht, werden sie braun“ das Publikum etwas nachdenklich werden. Für Musikanten-stadl-Stimmung sorgte Heißmann mit einem Peter-Alexander-Medley, bei dem er mal seine „Deppen“-Rolle ablegen und mit einer kräftigen Baritonstimme beeindrucken konnte. Auch beim Witwensong „Die schönen Frauen von Fürth“, in den die Improvisationstalente spontan pfälzische Städte einbauten, glänzte er gesanglich, während Rassau mit unzähligen Pirouettendrehungen sein Kleid zum Kreisen brachte. Soviel Klamauk und Lokalkolorit wurde vom Publikum mit lautem Applaus belohnt. (lai)

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