Blickpunkt
Berlinale: Stars, Sternchen und Hunderte Dürkheimer
Zugegeben, es geht um Flaschen. Genauer: Weinflaschen. Denn den beiden Dürkheimer Weingütern Hanewald-Schwerdt und Darting ist etwas gelungen, um das sie zahlreiche Winzer beneiden dürften. Sie haben es mit einem ihrer Weine auf die Liste der 21 Weine und Sekte geschafft, die den internationalen Filmgrößen auf den offiziellen Berlinale-Veranstaltungen angeboten werden.
Rotwein schlürfen wie die Promis
„Wir waren schon mehrfach mit dabei, bestimmt vier Mal“, sagt Heike Darting vom Weingut Darting. Für die vergangene Berlinale hatte sich das Weingut bereits mit seinem Spätburgunder Nonnengarten trocken beworben – und in der verdeckten Verkostung den Zuschlag erhalten. Doch dann fiel die Veranstaltung der Pandemie zum Opfer.
Einen Trost aber gab es: Ohne sich erneut bewerben zu müssen, dürfen die Dartings nun ihren Nachfolgejahrgang nach Berlin schicken. Mit ihrem 2018er Spätburgunder Nonnengarten trocken – einer von sieben Rotweinen auf der Berlinale – habe man eine gute Wahl getroffen, findet Darting: „Das ist ein wunderschöner Essenswein. Und dafür ist er ja auch gedacht.“ Eine ganze Palette Flaschen hat das Weingut auf die Reise geschickt. Selbst vor Ort dabei sein, das gehe allerdings nicht. Und auch die Frage, welcher Promi sich den edlen Tropfen auf der Zunge zergehen lässt, wird wohl unbeantwortet bleiben. Bestellungen von Filmstars trudelten jedenfalls bislang nicht in Dürkheim ein, sagt Darting. Trotzdem: „Wir freuen uns – und unsere Kunden freuen sich auch.“ Auf deren Bestellliste nämlich finde sich der Berlinale-Wein oft wieder. Wann sonst kann man schon mal einen Wein genießen, den andernorts Filmstars schlürfen? Schlürfen wie die Promis auf der heimischen Couch – das hat doch etwas. Und für die Dartings „ist es auch eine gute Marketingsache“.
Erfolg für Pfälzer Winzer
Es ist aber auch ein schöner Erfolg für die Winzer der Region, dass sieben der 21 ausgewählten Tropfen für die Berlinale aus der Pfalz kommen. Auch das Dürkheimer Weingut Hanewald-Schwerdt ist dabei – übrigens zum zweiten Mal in Folge, wie Stephan Schwerdt stolz berichtet. Nach einem 2014er Cuvée Durendal trocken vor zwei Jahren habe sein Weingut mit dem 2017er Sankt Laurent trocken erneut bei der Verkostung Erfolg gehabt. Auch sein Weingut sei schon für die Berlinale 2021 ausgewählt worden. „Doch dann kamen das Chaos und die abgesagten Veranstaltungen.“ Nun sei man „happy, dass wir dabei sind“, sagt Schwerdt. „Die Berlinale hat ein internationales Publikum. Da ist es cool, wenn man das Fähnchen für die Pfalz und den eigenen Betrieb hochhalten darf.“ Apropos Fähnchen: Für den heimischen Verkauf habe sein Weingut sogar Berlinale-Wimpel für die Flaschen zugesandt bekommen. Bislang kämen die aber nicht zum Einsatz – die Flaschen seien schließlich schon alle etikettiert.
Rund 360 Flaschen von Hanewald-Schwerdt warten nun darauf, auf der Berlinale entkorkt zu werden. Nur: für wen? „Das kriegst du nicht wirklich mit“, sagt Schwerdt. Um dann lachend anzumerken: „Beim letzten Mal ist Johnny Depp über den roten Teppich gestolpert. Da dachte ich: Der hat bestimmt viel Rotwein von uns getrunken.“

Dürfen wir nachschenken?
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