Hockey RHEINPFALZ Plus Artikel Bad Dürkheimerin führt deutsches Ü35-Team zum EM-Titel

Die DHC-Stürmerin für die W35-Malanas in Aktion.
Die DHC-Stürmerin für die W35-Malanas in Aktion.

Hitze, Teamgeist und ein starker Gegner: Lydia Bechtoldt-Haase feiert den EM-Titel mit den Malanas – und ihre Grundschüler jubeln mit.

Die Dürkheimerin Lydia Bechtoldt-Haase ist im spanischen Valencia Europameisterin mit den W35-Malanas geworden. Für die Stürmerin des Dürkheimer Hockey-Clubs (DHC) und ehemalige A-Kader-Nationalspielerin ist dies ein besonderer Titel.

„Ich war 2013 mit dem A-Kader Europameisterin, das war ganz besonders, aber dieser Titel ist noch mal schöner“, schwärmt Bechtoldt-Haase nach dem Triumph mit den Malanas. Es sei schön, dass alle Spielerinnen im ähnlichen Alter seien. „Alle wollen das gleiche, alle ticken gleich“, sei ein A-Nationalteam doch etwas anders. Zudem sei die Hitze beim Finalspiel am frühen Nachmittag brutal gewesen, der Titel also hart erarbeitet.

Die Malanas, wie sich die deutschen Ü35- und Ü40-Teams nennen, bilden die Masters-Ladies-Nationalmannschaft. Wie stark solche Teams im Vergleich zu den jeweiligen A-Kadern sind, variiere je nach Nationalität stark. So seien die englischen Masters-Teams beinahe professionell organisiert. Viele Spielerinnen hätten A-Kader-Erfahrung, und es gebe richtige Auswahlverfahren, erklärt Bechtoldt-Haase. Im aktuellen deutschen Team hingegen sei sie die einzige ehemalige A-Kader-Nationalspielerin gewesen. Einige ihrer Teamkolleginnen kenne sie noch aus der damaligen U21-Nationalmannschaft, alle hätten Bundesliga- oder Zweitligaerfahrung. Gemeinsam sei ihnen die Motivation. „Es sind alles Spielerinnen, die Spaß haben, etwas zu erreichen“, erzählt sie und lobt das Trainerteam für dessen gute Arbeit. Das Halbfinale sei das Mindestziel gewesen.

„Wir hatten uns vorher darüber keine Gedanken gemacht“, sagt die Bad Dürkheimerin und findet, dass das Turnier besser an einem anderen Ort oder zu einer anderen Zeit hätte stattfinden sollen. In Valencia herrschten Temperaturen von weit über 30 Grad, auf dem Platz sogar bis zu 45 Grad. Zumindest hätte man die Spiele frühmorgens oder am Abend ansetzen sollen. Das Finale begann um 14.30 Uhr in der Mittagshitze. „Aber wir waren fit“, lacht sie und scheint die Belastung gut weggesteckt zu haben.

In der W35-Kategorie wurde bei den diesjährigen European Championships in einer Sechsergruppe „Jeder gegen Jeden“ gespielt. Nach den Siegen gegen die Niederlande (3:1), Wales (3:1) und das Alliance-Team (3:0), eine gemischte Mannschaft für Spielerinnen, deren Nationen keine eigenen Teams stellen konnten, stand das Halbfinale für die Malanas fest. Im vorletzten Gruppenspiel gegen die ungeschlagenen Engländerinnen ging es bereits um den Gruppensieg. Zur Halbzeit lag Deutschland 1:3 zurück. „Die erste Halbzeit haben wir verpennt, die zweite lief dann besser“, berichtet Bechtoldt-Haase. Die Malanas holten noch den 3:3-Ausgleich, doch England blieb aufgrund des besseren Torverhältnisses Erster. Auch der 2:0-Sieg gegen Schottland änderte daran nichts. Im Halbfinale besiegte Deutschland die Niederlande erneut mit 2:0. Im Finale warteten wieder die Engländerinnen.

„Es war ein Spiel auf Augenhöhe“, erzählt Bechtoldt-Haase, doch die Malanas lagen früh zurück. Schon in den Gruppenspielen sei ihr jedoch aufgefallen, dass die Engländerinnen mit der Hitze schlechter klarkämen. Die deutschen Damen glichen noch im ersten Viertel aus, und Bechtoldt-Haase erzielte kurz vor der Pause das 2:1 – ihr fünfter Turniertreffer. „Wir haben einfaches, cooles Hockey gespielt“, schwärmt die 38-Jährige, „mit viel Passen haben wir die auseinandergenommen.“ In der zweiten Halbzeit hielten die Malanas den Vorsprung und jubelten nach dem Schlusspfiff.

Für die Europameisterschaft hatte die Grundschullehrerin Sonderurlaub genommen. „Ich habe glücklicherweise einen Weltklasse-Chef“, erzählt Bechtoldt-Haase. Auch das Kollegium habe ihr Fehlen aufgefangen. Nach ihrer Rückkehr bastelte ihre Klasse 2c Glückwunschkarten. „Die waren so goldig,“ sagt sie. Einige Kinder hätten die Spiele im Livestream verfolgt und seien richtig stolz auf ihre Lehrerin gewesen. „Deshalb bin ich Grundschullehrerin“, ergänzt sie strahlend.

Für Bechtoldt-Haase sind solche Turniere und die Atmosphäre immer etwas Besonderes. Ein Teil ihrer Familie war auch diesmal dabei. „Ich liebe es, meiner Tochter das vorzuleben“, sagt sie. Ihre Eltern, selbst ehemalige Hockeyspieler, kümmerten sich um die fünfjährige Tochter, während sie spielte. Ihr Mann blieb zu Hause bei dem einjährigen Sohn. Eine weitere erfahrene Spielerin war ebenfalls im Team: Christine Fingerhuth, eine ehemalige chilenische Nationalspielerin. „Ich hab früher gegen sie gespielt“, erinnert sich Bechtoldt-Haase. Fingerhuth hatte ebenfalls ihre Kinder dabei, sodass auch die Tochter der DHC-Spielerin jemanden zum Spielen hatte.

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