Bad Dürkheim / Wachenheim
Bad Dürkheim hat ein Ladesäulenproblem
„Ich glaube, Bad Dürkheim hat ein Ladesäulen-Problem. Fünf von sechs Säulen im Zentrum waren inaktiv. Das ist irgendwie großer Mist. Vor allem für jemanden, der einen Ausflug macht und darauf vertraut, dass er sein Auto laden kann.“ Zuschriften wie diese an die Lokalredaktion, in diesem Fall von einem Leser aus Ludwigshafen, häuften sich in den vergangenen Wochen. Verschärft hatte die Situation der Wurstmarkt: Denn drei der acht Ladesäulen, die die Stadtwerke betreiben, stehen auf dem Wurstmarktplatz – und konnten während des Fests und der Sperrung des Platzes nicht genutzt werden.
Doch schon seit längerer Zeit machen technische Probleme an den Säulen den Stadtwerken zu schaffen: Seit die Werke die Ladesäulen vor einigen Monaten auf Abrechnungsbetrieb umgestellt haben – sprich die Kunden für den Ladevorgang bezahlen müssen –, habe man diese Schwierigkeiten, bestätigt Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Kistenmacher. Grund sei das komplizierte Eichrecht. „Nach fast jeder Reparatur, auch wenn es nur das Display ist, muss die Säule neu geeicht werden. Deshalb ist das Technikteam der Herstellerfirma mit der zugehörigen Prüf- und Eichausrüstung sehr stark ausgelastet“, erklärt Kistenmacher, der in diesem Zusammenhang von Überbürokratisierung spricht. Allerdings räumt er auch ein, dass die Dürkheimer Ladesäulen fehleranfällig sind. „Zum Teil ist es uns möglich, durch Reset die Säulen wieder zu aktivieren. Aber oftmals fallen die Säulen daraufhin nach wenigen Tagen wieder aus“, berichtet Kistenmacher. Der Hersteller habe sich mittlerweile aus dem Geschäft mit den öffentlich zugänglichen Ladesäulen zurückgezogen und auf die Produktion von Wallboxen verlegt.
Weiterer Schnelllader in Wachenheim?
Am Freitagnachmittag standen laut EnBW-App drei Ladepunkte in Bad Dürkheim zur Verfügung: einer hinter dem Rathaus und zwei auf dem Wurstmarktplatz. Doch wie geht es jetzt weiter? „Im Oktober werden die defekten Säulen von der Herstellerfirma überprüft und soweit möglich repariert“, sagt Kistenmacher. Um künftige Reparaturen zu beschleunigen, sei man mit dem Hersteller in Abstimmung, ob sich die Stadtwerke Module, die häufiger ausfallen, auf Lager legen können, sodass sie für die Reparatur nicht erst noch bestellt werden müssen.
Und wie ist die Situation in Wachenheim? An den fünf Ladesäulen dort gebe es „so gut wie keine Probleme“, berichtet Werkleiter Dieter Panzer. Lediglich das älteste Gerät mache gelegentlich wegen des Displays Schwierigkeiten. Stolz ist Panzer auf die DC-Ladesäule am Betriebsgelände der Stadtwerke am Alten Galgen. „Die wird sehr gut genutzt“, sagt er. Das gelte allerdings auch für die übrigen Säulen in der Stadt. Panzer und sein Bad Dürkheimer Kollege Kistenmacher sind überzeugt, dass Schnellladesäulen die Zukunft sind. Die in Wachenheim lade den Akku eines E-Autos durchschnittlich in 30 bis 45 Minuten auf etwa 80 Prozent auf, sagt Panzer. Der Knackpunkt: Eine Schnellladesäule brauche eine Trafo-Station in unmittelbarer Nähe – und kostet mit 50.000 bis 60.000 Euro deutlich mehr als eine AC-Ladestation, die mit etwa 10.000 bis 12.000 Euro zu Buche schlägt. Panzer hat bereits eine Förderzusage über 25.000 Euro für einen weiteren Schnelllader in der Schublade. Die Säule soll in der Nähe der Schule entstehen.
Keine Hoffnung auf Ausnahmeregelung
Ob es soweit kommt, ist indes offen. Denn sowohl Panzer als auch Kistenmacher machen die EU-Pläne Sorgen, wonach Netzbetreiber nicht gleichzeitig Ladesäulen betreiben dürfen. Das träfe beide Stadtwerke, die zu den kleineren im Land zählen. Die Vorgabe aus Brüssel sei „nicht nachvollziehbar“, sagt der Stadtwerke-Geschäftsführer. Hoffnung, dass es noch eine Ausnahmeregelung geben wird, hat er aber keine mehr. „Ein Ausweg wäre, die Ladesäulen nur formell der ebenfalls städtischen Staatsbad Bad Dürkheim GmbH zuzuordnen“, sagt Kistenmacher. Eine Entscheidung, ob sie diesen Weg gehen werden oder die Ladesäulen abgeben, wollen die Stadtwerke im November treffen. Allerdings sei die Marge sehr gering, gerade bei den langsameren AC-Ladesäulen, an denen am Tag in Dürkheim nur ein bis zwei Fahrzeuge geladen würden, gibt Kistenmacher zu bedenken. Alle acht Dürkheimer Ladesäulen zählen zu diesem Typ.
In Wachenheim seien die Überlegungen, ob die Ladesäulen weiter betrieben oder abgegeben werden, noch nicht ausgereift, sagt Dieter Panzer, der aber betont: „Die Ladesäulen sind eines unserer Geschäftsfelder.“ Dass die Nachfrage stetig steigt, belegt Panzer anhand von Zahlen: Vom 1. April bis zum 30. Juni 2023 verzeichneten die Wachenheimer Werke 900 Ladevorgänge, im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 595.