Bad Dürkheim Aus dem Leben einer Kurfürstin

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In der Reihe „Wachenheim hält Hof“ hatte der Heimatverein Wachenheim in die Hofidylle der Familie Mandese eingeladen. Kultur- und Weinbotschafterin Elke König schlüpfte in die Rolle der Kurfürstin Elisabeth Augusta und erzählte aus dem Leben im 18. Jahrhundert.

Den Waden der Männer ist Kurfürstin Elisabeth Augusta verfallen – im 18. Jahrhundert ein Schönheitsideal. Mittels handwerklich hergestellten Wadenverstärkern hätten manche Männer mangelnde Masse zu kaschieren versucht, berichtet König dem Publikum. Auf der Suche nach den Waden der Herren wurde sie nicht fündig. Diese Art von Kleidung sei in ihrer Zeit unvorstellbar gewesen, sagt sie. Der Dialog mit dem Publikum ist eröffnet. Rittersporn leuchtet blau in der Abendsonne, Weinreben und Spalierobst ranken dahinter hoch – alte Gebrauchsgegenstände sind wie zufällig hingestellt. Perfekte Kulisse für „Augusta dreht am Rad“. Wobei am Rad drehen in dieser Theaterepisode eher mit „ich könnte aus der Haut fahren“ beschrieben werden kann. Dazu hatte Elisabeth Augusta (1721-1794) einige Gründe. Im frühen Kindesalter schon musste sie das Schnürleibchen anlegen, die Wespentaille war damals ein Modediktat. Die Ausbildung bei Hofe bestand für Mädchen aus häkeln, stricken, sticken, französisch und italienisch lernen, Tanzschritten und Konversation üben und immer wieder beten, beten, beten. Für Mädchen war Verwaltungswissen nicht vorgesehen. Nach der Heirat ging ihr Besitz an den Gatten, sie bekam nur noch Taschengeld. Mit elf Jahren wurde Elisabeth Augusta mit ihrem achtjährigen Cousin Carl Theodor vermählt. Sie konnte ihn nicht ausstehen. Erst mit 41 Jahren wurde sie schwanger, aber das Kind verstarb wegen eines Ärztefehlers bei der Geburt. Danach zog sie sich in ihr Oggersheimer Schloss zurück und trug fortan nur noch Schwarz. Der Rosenkranz und das perlmuttbesetzte Gebetsbüchlein waren ihre ständigen Begleiter. Spricht hier die Kurfürstin selbst, so die Frage im Hinterkopf manchen Besuchers. Aufwendige Kleidung, passendes Zubehör, die detailgenaue, daten- und faktenreiche Art des Erzählens von Elke König vermitteln den Eindruck, direkt am damaligen Geschehen beteiligt zu sein. Bildhaft beschreibt sie den Toilettengang im kiloschweren Kleid mit Krinoline, nebst Perücke und zugehörigem Blumen-Tierdeko auf dem Kopf. Ob der Dauer dieses Vorgangs wurden diese Sitzungen zu Audienzen umgewidmet. Gestank gehört zum damaligen Leben dazu – parfümieren hilft nicht. Sauberes Wasser gibt es nicht, hauptsächlich wird gepudert – in Maudach entstand die erste Stärke- und Puderfabrik. Als tägliches Getränk gab es leichten Wein, meist von der Gänsefüßerrebe. Mundhygiene existierte nicht – pechschwarz war die Zahnfarbe. In die Kleidung eingenähte Flohfallen sollten lästiges Getier vernichten. Da alle diese gleiche Schicksal trugen, hat es ihr dennoch nicht an Liebhabern und Abenteuern gemangelt. „Die wollten alle aufsteigen und brauchten mich als Türöffnerin“, erklärt König. Liebesbriefe gingen hin und her. Nur wo verstecken? Am Hofe war man nie allein. Jeder war über Informationen froh, die er gewinnbringend weitergeben konnte. Der einzig sicher Ort war der doppelte Boden des Nähkästchens – daraus resultiert „Aus dem Nähkästchen plaudern“. Mehr als zwei Stunden plaudert Kurfürstin Elisabeth Augusta aus dem Munde von Elke König aus dem Nähkästchen – langanhaltender Applaus ist ihr Lohn. (epm)

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