Motorsport RHEINPFALZ Plus Artikel Andreas Müss und der Reiz des Rennsports

Nah bei seinem Boliden: Andreas Müss aus Bad Dürkheim.
Nah bei seinem Boliden: Andreas Müss aus Bad Dürkheim.

Vom Unternehmer zum Rennfahrer: Andreas Müss hat seine Leidenschaft für schnelle Autos zum späten Lebenstraum gemacht.

In den vergangenen Tagen wurde Müss 50 Jahre alt. Das sei für ihn kein Alter, seiner Leidenschaft den Rücken zu kehren. Im Gegenteil: Andreas Müss gilt als Späteinsteiger und gehört in der dritten Saison in der BMW Challenge sowie im BMW 318ti Cup zu den Routiniers, für die Motorsport mehr als nur Rennen fahren bedeutet.

Dass er schon immer ein Faible für schnelle Autos hatte, daraus macht Andreas Müss kein Geheimnis. Der Unternehmer fand erst spät den Weg zum Motorsport. Das hatte Gründe. Nach Schule und Ausbildung legte er zunächst seine Priorität auf den Beruf, übernahm mehrere Unternehmen im Bereich der Immobilienentwicklung, die er ausbaute und mit neuen Geschäftsfeldern erweiterte. Aber seine Leidenschaft für den Motorsport begleitete ihn über viele Jahre.

Zum aktiven Einsatz im Rennwagen entschied er sich erst im Sommer 2023, als er auf Einladung des Autohauses Cuntz in Speyer erste Testfahrten auf dem Hockenheimring unternahm. Dann ging es schnell. Zum Ende der Saison 2023 wagte Müss als Gaststarter auf dem Nürburgring und in Zandvoort sein Debüt im Team Motorsport Cuntz. Er erwarb sein erstes Fahrzeug, das zunächst renntauglich gemacht werden musste. Sämtliche und einst für den Straßenverkehr zugelassene BMW 318-Fahrzeuge sind über 25 Jahre alt und stammen aus den Neunzigerjahren. Sie wurden vollständig „entkernt“ und dementsprechend für den Rennsport aufgerüstet.

Müss blickt deshalb stolz auf sein Gefährt mit der Nummer 451 sowie auf die Namen seiner Sponsoren, die ihm das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Team „Motorsport Cuntz“ möglich machten. „Es ist nun mal was anderes, als wenn man auf der Straße fährt. In einem Rennauto ist die Risikobereitschaft viel höher, denn man geht ja in die Zweikämpfe“, sagt Müss. Trotzdem ist er einer, der nicht um Biegen und Brechen um die Positionen fightet. „Man sollte sich auch bewusst sein, dass es immer wieder zu Schäden kommen kann, die ein zusätzliches finanzielles Engagement erfordern“.

So erinnert er sich an jenen Crash auf dem Lausitzring im vergangenen Jahr, wo er nach einem Überholvorgang in einer Betonwand mit seinem Fahrzeug einschlug. „Da blieb vom Fahrzeug wenig übrig“. Es sind Erfahrungen, die jeder Rennfahrer machen wird. „Nach nur einem Jahr in der BMW Challenge startet Müss jetzt im höherklassigen BMW 318ti Cup durch. Auch wenn die Konkurrenz auch dort sehr groß ist, hat das für mich den Vorteil, dass ich mich mit Fahrzeugen der gleichen Kategorie messen kann, was bei der Challenge nicht der Fall war“, erzählt Müss.

Der Dürkheimer gehört inzwischen in der dritten Saison schon zum älteren Semester, aber auch zu den Routiniers, die weniger auf Pokale und Punkte aus sind. Mit Ausnahme des Gentlemen-Cups, den er schon im Blick hat. So ist er auch glücklich, dass nach der fast einjährigen Vorbereitung sein eigenes Fahrzeug die Feuertaufe bestanden hat. „Die Saison 2024 war definitiv ein Lehrjahr“, erzählt Müss.

In der laufenden Saison ist er weiter gereift. Mit Florian Neukam und Peter Pöhler hat er zwei Renningenieure mit eigener Rennsporterfahrung, aber auch mit dem Team Cuntz Menschen an seiner Seite, die ihm die Strecken sowie die Rennen analysieren und wertvolle Tipps geben. „Es ist ein anderes Fahren als noch bei den ersten Rennen“, erzählt Müss und wischt sich den Schweiß von der Stirn unter seiner Sturmhaube ab, nachdem er zuvor seinen weißen Helm abgenommen hatte.

Die Anspannung ist ihm nach jedem Rennen deutlich anzusehen. „Man kann am Simulator lange üben, aber im Rennwagen zu sitzen und ihn zu steuern, ist nochmals einen Kick Adrenalin zusätzlich“, so Müss. Für den Unternehmer mit der sozialen Ader ist es der perfekte Ausgleich zum Beruf und zum zweiten Hobby, der Fasnacht. „Es macht einfach sehr viel Spaß, aber man muss auch extrem aufpassen, dass man den Wagen nicht gleich ins Aus fährt“, meint der Pfälzer mit Herz.

Auf dem Weg zum Rennsport haben ihn nicht nur viele Freunde motiviert, sondern auch seine Ehefrau Ute und seine beiden Töchter Sophia und Katharina, die bei den Rennen in der Boxengasse ihrem Vater mitfiebern. So freut er sich schon wieder, wenn es nach der Sommerpause weitergeht. Dabei schließt Müss in der kommenden Saison ein Engagement in einer anderen BMW-Klasse nicht ganz aus.

Die Leidenschaft am Motorsport ist eben keine Frage des Alters, sondern der Kick nach Geschwindigkeit, Benzingeruch und das Miteinander mit den Kollegen. Gerade der letztgenannte Aspekt ist Müss, dem Dürkheimer, genauso wichtig, sodass er nach den Rennen noch mit den Kollegen, aber auch mit dem Team und der Familie in der Boxengasse die eine oder andere Rieslingschorle genießt. Das soziale Miteinander wird im Motorsport ebenso großgeschrieben. „Auf der Rennstrecke ist man Gegner, aber nach dem Rennen leben wir die Gemeinschaft“, erzählt Müss.

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