Bad Dürkheim
45 Jahre bei der Lebenshilfe: Der Arbeitsmensch
Heinrich Friedewald hat die Entwicklung in Bad Dürkheim von Anfang an miterlebt - Jetzt ist er (fast) in Rente
Er ist fast seit Anfang an dabei und hat die Entwicklung der Lebenshilfe miterlebt: Heinrich Friedewald hat über 45 Jahre in der Werkstatt gearbeitet – und ist damit Rekordhalter. Jetzt ist er in Ruhestand gegangen. Warum er dennoch jeden Tag zur Arbeit kommt. Wie ein klassischer Rentner verhält sich der Mann nicht. Heinrich Friedewald ist zwar seit einigen Tagen im Ruhestand, vormittags kommt er dennoch zu seiner Arbeit in der Papiergruppe der Lebenshilfe-Werkstätten – ehrenamtlich. „Ich bin es so gewohnt“, sagt er zur Erklärung. Und schiebt hinterher: „Mein Vater war schon so ein Arbeitsmensch.“ Einen Mitarbeiter aus dem Bilderbuch beschreiben die Betreuer der Lebenshilfe, wenn sie über Friedewald sprechen: Zuverlässig sei er, pünktlich und eine große Stütze bei der Arbeit in der Papiergruppe. Briefe in Kuverts stecken und Umschläge etikettieren – das sind die Aufgaben, die hier so anfallen. Weil Friedewald aber so lange dabei ist, hat er auch die Veränderungen mitgemacht. So wurden vor 30 Jahren noch Zeichenblöcke hergestellt oder Kugelschreiber montiert.
Der erste, der 45 Jahre geschafft hat
Überhaupt hat der 65-Jährige, der in Lambrecht aufgewachsen ist, die Entwicklungen der Lebenshilfe verfolgt wie wohl kaum ein anderer. Seit etwa 46 Jahren wohnt er auf dem Gelände und beobachtet, wie die Einrichtung gewachsen ist. In den Werkstätten hat er fast so lange gearbeitet, wie es sie gibt. Los ging es 1972, Friedewald kam ein Jahr später. Mit seinen 45 Jahren und 8 Monaten Beschäftigung hält er einen Rekord, den er nach Einschätzung der Lebenshilfe noch ein Weilchen inne haben dürfte. Er ist nicht nur am längsten dabei, er ist auch der erste, der 45 Jahre geschafft hat. Derzeit sind es noch 42 Beschäftigte, die 30 Jahre oder länger in der Einrichtung tätig sind. Ob die irgendwann mal auch nach ihrem Renteneintritt noch zur Arbeit kommen werden? Lebenshilfe-Urgestein Friedewald scheint die Gesellschaft bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit zu genießen. Gerne unterhält er sich über Politik und Wirtschaft. Sorgt sich wegen des Brexits, wegen der Umwelt – und sinniert über die Liebe.
Eisenbahnen, "Fifa" zocken, der FCK
Es ist aber nicht so, dass sich der Neu-Rentner außerhalb seiner Arbeitszeit nicht zu beschäftigen wüsste. Seine Leidenschaft gilt der Bahn. Stapelweise Fachliteratur hat er dazu. Mit einem Betreuer war er einmal im Hamburger „Miniatur Wunderland“, um sich die Modelleisenbahnen dort anzusehen. Gerne sitzt der 65-Jährige an seiner Playstation und spielt die Fußball-Simulation "Fifa". Sport ist eine weitere Leidenschaft des Rekordhalters. Auch zum Fußball und Eishockey hat sich in Friedewalds Zimmer über die Jahre einiges an Fachliteratur angesammelt. Wenig Freude macht ihm derzeit der Verein, dem er die Daumen drückt: der 1. FC Kaiserslautern. „Die haben gewonnen am Wochenende“, versucht eine Kollegin zu beschwichtigen. „Das sagt gar nix“, sagt Friedewald und winkt ab. Auch darüber könnte man sich jetzt wieder ausführlich mit ihm unterhalten.