Bobenheim am Berg
20 Jahre Bobenheimer Bürgermeister: Was Dietmar Leist noch vor hat
„Ich bin ein Eingeborener“, sagt Leist. Seit seiner Geburt am 16. März 1961 in Bobenheim lebt er in dem Dorf. Aufgewachsen ist er mit drei älteren und zwei jüngeren Brüdern. Im Dorfgemeinschaftshaus, in dem er später viel Zeit im Bürgermeisteramt und Ratssaal verbrachte, besuchte er die erste Klasse der Volksschule. Nach dem Hauptschulabschluss ging Leist zwei Jahre in die Handelsschule, erwarb die Mittlere Reife und absolvierte eine Ausbildung zum Bürokaufmann bei der Firma Kehl in Ludwigshafen. Dort arbeitet er nach wie vor, unterbrochen nur von 15 Monaten bei der Bundeswehr. Danach qualifizierte er sich zum Personalfachkaufmann weiter und arbeitete in diesem Bereich. Als der damalige Personalleiter in Rente ging, wurde Leist – erst 29 Jahre alt – sein Nachfolger. In etwa dreieinhalb Jahren wird er in Rente gehen.
Mit einem Einsatz für die Brüder fing alles an
In seinem Heimatort aktiv ist Leist bereits seit Jugendtagen. Mit 13 Jahren trat er in den Musikverein ein, spielte Trompete und übernahm mit der Zeit Ämter. Ein Erlebnis in den frühen 1980er-Jahren brachte ihn dazu, sich zu engagieren. Leists Vater hatte im Baugebiet Am Bergpfad, das damals ausgewiesen wurde, Grundstücke. Die Eltern beschlossen, dass fünf der Söhne ein Baugrundstück bekommen sollten und ein Sohn später das Elternhaus erben würde. Das Problem: Die beiden jüngsten Brüder konnten die Erschließungskosten noch nicht zahlen, da sie in Schule und Ausbildung waren. Für sie stellte Dietmar Leist einen Stundungsantrag, der abgelehnt wurde. Leist legte Widerspruch ein – und hatte beim Kreisrechtsausschuss Erfolg. „Da habe ich gemerkt, wenn man etwas sagt, wird man angehört. Das hat mich motiviert, mich zu engagieren“, sagt Leist.
Durch den damaligen Bürgermeister Hans Jürgen Joritz sei er in Kontakt mit der CDU und der Kommunalpolitik gekommen. Der frühere Beigeordnete Karl Deibel – „ein Vorbild für mich“ – habe sein Interesse an der Feuerwehr geweckt. Von 1980 bis 2001 war er aktives Mitglied. Zudem gehörte er dem Pfarrgemeinde- und Verwaltungsrat der katholischen Kirche an und ist im Kreismusikverband aktiv. „Ich war ständig unterwegs und ständig beschäftigt“, blickt Leist zurück. 2001, an seinem 40. Geburtstag, heiratete er. Leist adoptierte den Sohn seiner Frau. Im gleichen Jahr kamen Zwillinge.
1999 wurde Leist Vorsitzender des CDU-Ortsvereins, im selben Jahr zog er in den Verbandsgemeinderat ein, bereits von 1994 bis 1996 war er Beigeordneter der Gemeinde und seit 1996 Beigeordneter mit dem Geschäftsbereich Feld, Wald und Friedhof. Als Joritz 2004 altersbedingt nicht mehr als Bürgermeister kandidieren wollte, „hat man mich überzeugt, dass ich es machen soll“, sagt Leist. Dass dies bei drei kleinen Kindern „eine Zumutung für meine Frau ist“, sei ihm klar gewesen. Doch sie habe sein Engagement immer mitgetragen, ebenso wie die ganze Familie. „Ansonsten wäre es nicht gegangen.“ Zumal Leist von 2004 bis 2009 noch stellvertretender Fraktionsvorsitzender, später Fraktionsvorsitzender im VG-Rat und von 2009 bis 2014 CDU-Gemeindeverbandsvorsitzender war.
Dorfmoderation als wichtiges Vorhaben
In 20 Jahren als Bürgermeister kamen für Leist einige Projekte zusammen: etwa die Renovierung und energetische Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses, die Neugestaltung der Leininger Straße, der Fahrbahnteiler Süd, die Weiterentwicklung der Kita, der Glockenturmbau auf dem Friedhof, Photovoltaikanlagen auf dem Dorfgemeinschaftshaus und der Turnhalle, die Unterstützung des Turnvereins beim Turnhallenausbau, die Umgestaltung des Bolzplatzes sowie die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED und die Erhaltung des Waldfestplatzes. „Auf meiner Wunschliste hätte ich schon noch einiges“, sagt Leist. Der Start der Dorfmoderation sei ihm wichtig gewesen.
Ganz hört Leist mit dem Ehrenamt nicht auf. Im August kandidiert er erneut für das Amt des Vorsitzenden des Musikverbands Deutsche Weinstraße. Ansonsten will er nach zwei schweren Erkrankungen mehr für die Gesundheit tun und den großen Garten in Ordnung halten. Aber: „Wenn in Bobenheim meine Unterstützung gebraucht wird, helfe ich gern.“