Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Über den Kirchturm hinaus: Hülle mich in Sonnenschein

Haben gemeinsam einen Song aufgenommen: Pink (links) und Tochter Willow.
Haben gemeinsam einen Song aufgenommen: Pink (links) und Tochter Willow.

Am 12. Februar diesen Jahres erschien das Lied „Cover me in Sunshine“ von der US-Musikerin Pink, gemeinsam gesungen mit ihrer zehnjährigen Tochter. Mit diesem Lied wollte sie den Menschen eine Freude machen, ihnen eine Umarmung schenken nach diesem schweren zurückliegenden Jahr. Ich würde sagen, das gelingt den beiden, denn nicht nur der Text ist außergewöhnlich zart, sondern auch die Musik hüllt mich ein und beruhigt. Ein Teil des Textes lautet:

„Ich träum von freundlichen Gesichtern/ Ich muss so viel Zeit totschlagen /Stell’ mir Menschen vor, die lachen/ Ich weiß, dass es eines Tages so weit sein wird/ Und auch, wenn das noch weit weg ist/ Hilf’ mir, einen weiteren Tag zu schaffen

Hüll mich ein in Sonnenschein/ Überhäuf’ mich mit den guten Zeiten/ Sag’ mir, dass sich die Welt von Anfang an gedreht hat/ Und dass alles gut werden wird/ Hüll’ mich ein in Sonnenschein.“Gerade der Refrain wird von beiden gesungen, Mutter und Tochter sehen sich dabei an, zumindest im Video, sie singen sich gegenseitig Mut zu. Zwei Generationen in einer Lebenswirklichkeit, aufeinander angewiesen, obwohl sie Mutter und Tochter sind. Man könnte meinen, dass das Gefälle zwischen Kind und Erwachsene aufgehoben ist. Auch die Kinderstimme hüllt uns und auch die „Mutter“ Pink in Sonnenschein.

Jesus im Tempel von Jerusalem

Das erinnert mich an die Geschichte des zwölfjährigen Jesus, der darf das erste Mal mit seinen Eltern und der Verwandtschaft nach Jerusalem zum Passah-Fest reisen. Er geht in den Tempel, dort wird er schnell von Menschen umringt und beginnt mit ihnen die Thora zu lesen und die Geschichten zu erörtern. Die Erwachsenen sind erstaunt über seine Art, darin zu lesen und zu deuten. Auf dem Rückweg vermissen die Eltern ihren Sohn, nach langer Suche finden sie ihn. Er reagiert empört darüber, dass sie nicht wissen, dass er in den Tempel gehört.

Generationen sind aufeinander angewiesen

Diese beiden Geschichten zeigen mir, dass besondere Zeiten auch besondere Herausforderungen für die Generationen bedeuten. Damit meine ich nicht nur, dass Menschen, die im hohen Altern auf die Jüngeren angewiesen sind und dann die Versorgungsrollen tauschen, sondern, dass wir uns als gegenüber wahrnehmen können. Kinder, die schlechte Laune haben, weil sie ihre Freunde nicht treffen können, teilen dieses Lebenssituation mit ihren Eltern, die ebenfalls auf Besuch verzichten müssen.

Gegenseitig Mut zusprechen

Wir erleben alle Home-Office, Distanzunterricht und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und müssen damit irgendwie zurechtkommen. Da hilft es vielleicht, sich auch mal gegenseitig Mut zuzusprechen, ein Lächeln füreinander übrig zu haben, von schönen Tagen zu erzählen und sich mit Sonnenschein einzuhüllen.

Zur Person

Andrea Wrede ist Gemeindediakonin in der Jugendarbeit für die Region Grünstadt-West

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