Jazz RHEINPFALZ Plus Artikel Zum Tod des Jazzpianisten Chick Corea

Eine Legende: Chick Corea nach einem Konzert 2014 in Kolumbien.
Eine Legende: Chick Corea nach einem Konzert 2014 in Kolumbien.

Mit seiner Fusion-Band Return to Forever hat er Jazzgeschichte geschrieben, mit dem Latin-Jazz-Stück „Spain“ einen Hit gelandet. Musikalisch hatte der Pianist und Komponist Chick Corea aber viel mehr zu bieten, näherte sich der Jazzavantgarde genauso an wie der europäischen Klassik. Nun ist er mit 79 Jahren an einer seltenen Krebserkrankung gestorben.

Chick Corea war mitten drin, als 1969 ein neues Kapitel in der Geschichte des Jazz aufgeschlagen wurde. Der etablierte Jazz war in der Krise, viele Clubs geschlossen, dafür boomte die Rockmusik, Jimi Hendrix war der Künstler des Augenblicks. Miles Davis war in diesem Jahr kreativ wie lange nicht, tourte fast ohne Unterbrechung, spielte auf Rockfestivals und probierte ständig neues Material aus. Zu seiner Band gehörten der Saxophonist Wayne Shorter, Bassist Dave Holland, Schlagzeuger Jack DeJohnette und der damals 27-jährige Pianist Chick Corea. Statt Klavier spielte dieser ausschließlich E-Piano, weil es ständig Ärger wegen verstimmter Instrumente an den Konzertorten gab, aber mehr noch, weil das Fender Rhodes der Band endlich den dichten, fetten Sound gab, den sich Davis für seine Musik vorstellte.

Natürlich war Corea auch dabei, als Davis ein paar Monate später sein Jahrhundertalbum „Bitches Brew“ einspielte und „Jazzrock“ zum Label einer neuen Musikepoche wurde. Bis heute wird Corea vor allem mit diesem Stil identifiziert, auch weil seine eigene Band Return to Forever mit ihrem elektrischen Fusionjazz in den 1970ern ihre größten Erfolge feierte. Corea beherrschte damals die Leser- und Kritiker-Polls der Fachmagazine und wurde mit Grammys überhäuft. Sein raffiniert-melodischer Jazzrock mit der speziellen Latin-Note kam nicht nur bei Jazzfans bestens an. Aber das war eben nur eine der vielen Facetten dieses experimentierfreudigen Musikers.

Die Mozart- und Latin-Anfänge

Geboren wurde Armando Anthony Corea, den alle nur Chick nannten, in der Kleinstadt Chelsea in Massachusetts. Seine Familie stammte aus Kalabrien, der Vater, ein Dixieland-Musiker, setzte ihn schon mit vier Jahren ans Klavier und verschaffte ihm breiten Zugang zur Musik von Mozart bis Charlie Parker. Seine Vorbilder als Pianisten waren Horace Silver, Bill Evans, McCoy Tyner und vor allem Bud Powell, dem er 1997 ein Album in Allstar-Besetzung und mit liebevollen Interpretationen seiner Stück widmete.

Anfang der 1960er war Chick Corea nach New York gekommen und hatte hier vor allem mit Latin-Musikern wie Mongo Santamaria und Herbie Mann gearbeitet. Das hatte offenbar Folgen, auf seinem zweiten Album „Now He Sings, Now He Sobs“, das ihn 1968 bekannt machte, finden sich jede Menge südamerikanische Rhythmen und spanisch grundierte Themen. Auch die 1972 mit Stanley Clarke und der brasilianischen Sängerin Flora Purim gegründete Band Return to Forever spielte zunächst eine stark südamerikanisch geprägte Musik, erst später überwogen Jazzrock-Elemente. In derselben Dekade spielte Corea aber auch klassisch-romantische Solo-Alben ein, ging mit Herbie Hancock auf pianistisch-virtuose Duo-Tour, spielte im Quartett Circle abstrakt-freien Jazz und stellt eigene sinfonische Werke vor.

Starke Akustikalben

In den folgenden Jahrzehnten wechselte Corea immer wieder zwischen elektrischen und akustischen Besetzungen, spielte solo oder im Duo mit Keith Jarrett, John McLaughlin und Friedrich Gulda, holte sich Jazzstars wie Gary Burton, Joe Henderson oder Michael Brecker in seine Ensembles. Mit der Chick Corea Electric Band und einer Wiederbelebung von Return to Forever versuchte er immer wieder, an vergangene Jazzrock-Erfolge anzuknüpfen.

Die besten seiner zahlreichen Alben der jüngeren Zeit sind aber akustische Trio- oder Quartettaufnahmen. Seine Nähe zur Scientology-Bewegung und deren Gründer L. Ron Hubbard hat Corea zwar viel Unverständnis und Kritik und ein paar abgesagte Konzerte eingebracht, seinem Renommee als Musiker aber nicht wirklich geschadet. Seine Leistung als Musiker und Komponist des Jazz hat solche Merkwürdigkeiten glanzvoll überstrahlt.

An seinem Instrument: Chick Corea 2017.
An seinem Instrument: Chick Corea 2017.
Grammys besaß er natürlich auch: Chick Corea 2015.
Grammys besaß er natürlich auch: Chick Corea 2015.
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