Pop RHEINPFALZ Plus Artikel „Wollte ehrlichere Lieder aufnehmen“: Sängerin Tones & I über ihr neues Album

„Ich kann diesen Job nur machen, wenn ich ihn so erledige, dass er mich nicht zerstört“, sagt Toni Watson alias Tones & I inzwis
»Ich kann diesen Job nur machen, wenn ich ihn so erledige, dass er mich nicht zerstört«, sagt Toni Watson alias Tones & I inzwischen. Der Rummel um ihren Überhit »Dance Monkey« war ihr doch zu viel.

Vor fünf Jahren hatte sie diesen einen gewaltigen Hit. Aber die Australierin Toni Watson, bekannt als Tones & I, ist mehr als nur ein „Dance Monkey“, wie sie auf ihrem vielfältigen zweiten Album „Beautifully Ordinary“ unter Beweis stellt.

Die Karriere der Toni Watson, 31, ist selbst für Popverhältnisse extrem. Sie trat zunächst lediglich am Strand und in Spelunken im australischen Touristenort Byron Bay auf. Aus dem Gefühl heraus, bloß eine lebendige Jukebox zu sein, schrieb sie den Song „Dance Monkey“. Der kam im Mai 2019 und wurde in 38 Ländern ein Nummer-Eins-Hit. Mit drei Milliarden Abrufen ist „Dance Monkey“ der am achtmeisten gestreamte Song aller Zeiten – und der erfolgreichste von einer Frau.

Der Song hat Watson reich gemacht, aber nur sehr bedingt glücklich. „Natürlich ist es wild und toll, solche Erfolgsmarken erreicht zu haben. Und ich singe ,Dance Monkey’ live gern, weil er mein Publikum zum Lächeln bringt. Eines meiner Lieblingslieder ist es dennoch nicht“, sagt sie im Gespräch nach einem Auftritt in Karlsruhe.

„Ich war eine naive Straßenmusikerin“

Seit dem Hitmonster ist Tones & I zwar etabliert. Das 2021 als ziemlicher Schnellschuss („Ich stand wahnsinnig unter Druck“) in den Corona-Wirren veröffentlichte Debütalbum „Welcome To The Madhouse“ konnte den kommerziellen Erwartungen jedoch ebenso wenig entsprechen wie die Singles seitdem. Dennoch hat sich Watson nicht entmutigen lassen und nun ihr zweites Album veröffentlicht. „Beautifully Ordinary“ ist richtig üppig. 16 Songs, über eine Stunde Spielzeit, die Stücke sind vielfältig und einfallsreich, zumindest im Rahmen, den der Mainstreampop so vorgibt. Auch hat Watson kluge Dinge zu erzählen.

Sie steht für Geschlechtergleichberechtigung, Selbstbestimmung und dafür, sich als unerfahrene Frau in der Popbranche keinen kompletten Mist erzählen zu lassen. „Ich war eine naive Straßenmusikerin, und nur wenige Monate später trat ich in der Show von Ellen DeGeneres auf. Ich wusste buchstäblich nicht mehr, wo oben und unten ist. Ich ließ mich herumschubsen, wurde mehr und mehr zu einer Art Zirkuspferdchen, bis ich entschied: Ich kann diesen Job nur machen, wenn ich ihn so erledige, dass er mich nicht zerstört.“

Tones & I hat im Juli in Karlsruhe bei Das Fest gespielt.
Tones & I hat im Juli in Karlsruhe bei Das Fest gespielt.

So ist jetzt immer eine gute Freundin auf Reisen mit dabei, und Toni Watson nimmt sich bewusst mehr Zeit für alles – auch fürs Songschreiben. „Ich habe mich beim neuen Album ein bisschen selbst ausgetrickst“, erzählt sie. „Ich wollte mich emotional öffnen, ehrlichere und verletzlichere Lieder aufnehmen, aber ich hatte Angst davor, mich so sehr zu offenbaren. Also tat ich so, als würde ich die neue Musik nur für mich schreiben.“ So entstand „Lose Someone Like Me“, eine schmerzhafte Offenbarung der eigenen Beziehungsunfähigkeit (zumindest in diesem Fall) oder das ganz dezent jazzige sowie sehr eindringliche, an Annie Lennox und sogar Adele erinnernde „To Be Loved“, mit dem Tones & I das Album beginnt.

Wird es vom Tempo her schneller, so wie in „Dance With Me“, wird es nicht unbedingt heiterer. Der Song, zu dem Toni Watson von ihrem großen Idol Robyn („Dancing On My Own“) inspiriert wurde, handelt von einer Liebe, der man beim Austrocknen zuschaut, ohne die Energie oder Leidenschaft aufzubringen, diese verwelkende Pflanze noch länger zu gießen.

Stolz auf das zweite Album

Sicher, an diesen alles überstrahlenden Jahrtausendhit, den sie so früh in ihrer Karriere schon schrieb, kommt Tones & I auf „Beautifully Ordinary“ nicht heran. Aber was soll sie machen? Aufhören und Surflehrerin werden? Nein, sie macht weiter. „Es ist schon möglich“, sagt Tones & I, „dass es bis zum Ende meiner Karriere immer diese Menschen geben wird, die im Konzert nur auf diesen einen Song warten, weil sie der Rest nicht interessiert. Dann ist das halt so.“ Für sie selbst könne sie festhalten, „dass ich mit diesem Album zur Erwachsenen geworden und dass ich stolz bin auf das, was ich hier geschaffen habe. Ich möchte nicht anmaßend sein, aber ich finde, die neuen Songs haben definitiv ein bisschen Liebe verdient.“

So präsentiert sich die Australierin derzeit auf ihrer Webseite.
So präsentiert sich die Australierin derzeit auf ihrer Webseite.
Mehr zum Thema
x