Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Wattenheimer Comicverleger Schott: Optimist in der Krise

Immer unterwegs: 13 Messeauftritte hatte Eckart Schott für dieses Jahr geplant.
Immer unterwegs: 13 Messeauftritte hatte Eckart Schott für dieses Jahr geplant.

Mit seinen Comics ist der Verleger Eckart Schott aus Wattenheim viel unterwegs auf Messen und Festivals, bringt Zeichner und Leser zusammen. Jetzt fällt das alles weg. Warum er trotzdem optimistisch gestimmt ist, hat er uns im Interview verraten.

Herr Schott, Sie sind der klassische „Küchentischverleger“. Da ist die Arbeit im Homeoffice für Sie ja Alltag und wegen Corona keine große Umstellung, oder?
Genau. Und man kommt dazu, sich an Projekte zu machen, die man schon etwas länger angehen wollte.

Allerdings sind Sie regelmäßig auf Messen und Festivals. Wie schwer trifft Sie da die Absage des Erlanger Comic-Salons, des wichtigsten Treffens der Szene im deutschsprachigen Raum, und weiterer Veranstaltungen?
Es ist einfach schade, dass diese Veranstaltungen nicht stattfinden können, aber auch vernünftig, dass sie – wegen des Ansteckungs- und Verbreitungsrisikos – nicht stattfinden dürfen. Was die finanzielle Seite angeht, spare ich ja auch die Kosten ein.

Wie wichtig sind solche Aktionen mit Zeichnern für Ihr Verlagsgeschäft?
Schon wichtig. Von Anfang an habe ich Zeichner eingeladen, die an meinem Stand ihre Bücher signieren, viele wurden zu guten Bekannten und Freunden. Und klar, der Aufwand ist nicht gerade gering.

Sie haben ja immer ein paar Pfälzer Comic-Freunde als Helfer dabei. Die sind sicher enttäuscht?
Wir werden sicher andere Möglichkeiten finden, mit Zeichnern in Kontakt zu bleiben. Und im November finden vielleicht noch drei Comic-Veranstaltungen statt – in Köln, Berlin und Stuttgart.

Wie hat sich Corona bisher konkret bei Ihnen ausgewirkt?
Bis jetzt kaum. Ich habe viele Privatkunden über den eigenen Online-Shop und gute Titel für den Fachhandel in der Auslieferung und in Vorbereitung. Und als Ein-Mann-Betrieb mit freien Mitarbeitern fallen auch nicht die laufenden Kosten an, die größere Verlage stemmen müssen.

Was hören Sie denn, wie die Branche – andere Verlage, Künstler – auf die Krise reagiert?
Man macht sich schon Sorgen, ist traurig, dass zum Beispiel der Comic-Salon in Erlangen abgesagt wurde. Die Comic-Künstler, mit denen ich kürzlich telefoniert oder gemailt habe, sitzen wie immer am Zeichentisch, vielleicht sogar noch länger als vor der Krise. Die sind auch das Homeoffice gewöhnt.

Ist es ein Hoffnungsschimmer, dass Buchhandlungen und Comicläden wieder offen haben?
Natürlich. Ich habe mir meine zwei Krimis gleich am Montag in der Buchhandlung abgeholt und nicht schicken lassen.

Worauf können sich die Fans denn in nächster Zeit aus dem Hause Salleck Publications freuen?
Auf Band 7 von „Jacques Gibrat“, einen Retro-Oldtimer-Comic, und auf „Angel Wings“ Band 4 und 5, eine Fliegerserie von Romain Hugault, dazu auf den sechsten Teil der „Natascha“-Gesamtausgabe von François Walthéry um die hübsche und couragierte Stewardess. Und was indirekt mit mir zu tun hat, weil ich die Serie im Programm habe: Kinder können sich auf den ersten langen Trickfilm mit dem beliebten kleinen Indianerjungen Yakari freuen, der Ende Oktober ins Kino kommen soll.

Zur Person

Eckart Schott gründete 1990 den Verlag Salleck Publications mit Sitz in Wattenheim. Schwerpunkt im Programm sind klassische franko-belgische Comics, jedes Jahr bringt der 59-Jährige etwa 20 bis 30 neue Titel heraus.
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