DVD-Tipp RHEINPFALZ Plus Artikel Tutanchamuns Vater: Philip Glass’ Oper „Akhnaten“ aus New York

Szene aus der „Akhnaten“-Produktion der Metropolitan-Opera New York.
Szene aus der »Akhnaten«-Produktion der Metropolitan-Opera New York.

Bislang gab es eine Aufnahme von „Akhnaten“ nur auf CD und Vinyl: die Produktion der Stuttgarter Uraufführung von 1984 mit dem legendären Countertenor Paul Esswood in der Titelpartie. Jetzt ist die Echnaton-Oper von Philip Glass erstmals auf DVD erschienen – in einer spektakulären Inszenierung der Metropolitan Opera New York, die Jongleure als zentrale szenisch-musikalische Metapher begreift.

Anthony Roth Costanzo verkörpert charismatisch den Sonnen-Pharao, Zachary James beeindruckt in der zentralen Sprechrolle seines Vaters Amenhotep III. Wir erleben zwar in der ersten Szene der Oper sein Begräbnis, aber in der Folge wird der Geist des Vaters zum allwissenden Erzähler des Ganzen. Denn er rezitiert vor fast jeder Szene auf Englisch die Texte, die anschließend nach dem alten Quellen auf Altägyptisch gesungen werden; abgesehen von der berühmten großen Sonnenhymne des Pharao. Sie soll Echnaton in der jeweiligen Landessprache singen, hier also auf Englisch.

Immer der Sonne entgegen

Anthony Roth Costanzo ist in dieser Szene nach einem langen, nicht minder faszinierenden Duett mit seiner Frau Nofretete (J’Nai Bridges) ganz bei sich, wenn er eine Treppe langsam nach oben schreitet und fast die zuerst blau und dann immer röter werdende Sonne berühren kann. Da kommen die Musik von Glass und der altägyptische Mythos eines Herrschers zur Deckung, der die alten Götter abschafft und mit dem Sonnengott Aton um 1400 vor Christus eine monotheistische Weltsicht begründet, die ihrer Zeit weit voraus war.

Die Oper erzählt in statischen Bildern bis in die Jetztzeit hinein von Aufstieg und Fall Echnatons, dessen radikale Vorstellungen Priester und Volk nicht teilen wollten. Deshalb wurden später alle Erinnerungen an ihn aus den steinernen Zeugnissen eliminiert. Welche Ironie, dass ausgerechnet das Grab seines Sohnes Tutanchamun als einziges Pharaonengrab 1922 nahezu unversehrt geborgen werden konnte.

Ein opulentes Phantasy-Ägypten

Daran knüpft Regisseur Phelim Mc Dermott mit seinen Ausstattern Tom Pye (Bühne, Projektionen) und Kevin Pollard (Kostüme) an. Sie kreieren ein in (Brokat-)Gewändern opulentes Phantasy-Ägypten, das, nah aufgenommen, etwas überbordend detailverliebt wirkt, aber in der Halbtotale auf dem Bildschirm großen Effekt macht. Weil es altägyptische Darstellungen von Jongleuren gibt, übersetzt McDermott die psychedelischen (Wiederholungs-)Strukturen der Minimal Music von Glass raffiniert in fast deckungsgleiche Jongleurskunst mit kleinen weißen Bällen. Sie verschmilzt manchmal mit den rhythmisch-metrisch Pattern der Musik oder findet zumindest eine Entsprechung. Wie auch die vielen bewegten kleinen Kugeln Spiegel der großen Sonnen-Kugel sind.

Karen Kamensek hat die Produktion schon an der English National Opera London 2016 geleitet und macht ihre langjährige Erfahrung mit der Musik von Glass bei ihrem Met-Debüt faszinierend fruchtbar. Sie erzeugt beim Met-Orchester und dem auch sprachlich geforderten Chor eine erstaunlich lebendige Präzision, mit der auch die 12 Jongleure im perfekten Einklang mit der Musik agieren.

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