Hinter Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Speisen und Gelüste: Wo man im Kohlerevier Lothringens gut essen kann

Claire (32) und Michaël Garni (47) in ihrem Restaurant „Mets Envies“ in Saint-Avold.
Claire (32) und Michaël Garni (47) in ihrem Restaurant »Mets Envies« in Saint-Avold.

Wer zwischen Forbach und Saint-Avold Lust auf ein leckeres Menü hat, ist im „Mets Envies“ richtig. Wer günstig satt werden will, wählt eine Couscouserie.

Die Bevölkerung im Kohlerevier Lothringens ist internationaler als in anderen ländlichen Gegenden Frankreichs. Die Gruben haben Zuwanderer angelockt. Andererseits: Wer in Politik, Verwaltung oder Wirtschaft was werden wollte, wanderte Richtung Paris ab.

Heute leben recht viele Menschen in der Gegend von Forbach, die aus dem Maghreb stammen. Sie haben ihre gewürz- und aromenreiche Küche mitgebracht. Was liegt also näher, als beim Ausflug ins Kohlerevier am Mittag oder Abend in einem Couscous-Restaurant den Flair und die Speisen Nordafrikas zu genießen? Mitten in Forbach gibt’s sogar zwei: das „Le Thala“ und das „La Médina Couscous et Steakhouse“.

Auch mit bravem Hund darf man nicht ins „Thala“, also geht’s eine Ecke weiter ins „Médina“. Dass die Köchin fünf Minuten vor Lokalöffnung ins Lokal huscht, lässt erwarten, dass hier gern Vorgeköcheltes aufgewärmt wird. Zuweilen schmeckt das trotzdem, aber irgendwie fehlt dem Couscous mit Gemüse die orientalische Würze und Raffinesse. Es macht satt und ist für 15 Euro zu haben. Wem das reicht, der ist hier richtig, zumal das Menü für die Kinder nur elf Euro kostet.

Macht satt, aber der Pfiff fehlt: Couscous mit Gemüse im „La Médina“ in Forbach.
Macht satt, aber der Pfiff fehlt: Couscous mit Gemüse im »La Médina« in Forbach.

Der Clou hier sind nicht die Fleischgerichte, mit denen das Restaurant für sich wirbt, sondern die süßen Leckereien, die am Dessert-Buffet zu haben sind. Hausgemacht, wie die Kellnerin sagt. Richtig gut, aber wegen Baklava und Co ist man ursprünglich nicht hergekommen.

Wer im Kohlerevier richtig gut essen gehen will, sollte im „Mets Envies“ in Saint-Avold reservieren, ein originelles, nicht gediegenes Restaurant mit modernen Varianten der traditionellen französischen Küche. Schon der Name zeugt von der Pfiffigkeit der Inhaber: „Mets Envies“ ist ein mehrfaches Wortspiel. Es heißt auf Deutsch „Speisen und Gelüste“, aber nicht nur. Je nach Aussprache kann es auch klingen wie „worauf ich Lust habe“ oder „mein Leben“. Inhaber Michaël Garni (47) hat in der Küche das Sagen, seine Frau Claire (32) im Service.

Spricht der Chefkoch Platt? „Nix mee!“

Claire stammt aus Nancy und spricht weder Deutsch noch Lothringer Platt. Michaël kommt aus Bitsch bei Zweibrücken. Gefragt, ob er Platt spricht, sagt er kurz und bündig: „nix mee“. Mit einem Dutzend Mitarbeiter zaubern Michaël und Claire an diesem Dienstagmittag Wolfsbarsch mit Haselnuss, Gelbflossenthunfisch mit Herzmuscheln, Kalbsnieren oder niedriggegartes Kalbsfilet mit Trüffeln und frischen Agnoli auf den Tisch. Das gezupfte und karamellisierte, anschließend zu einem Riegel geformte Fleisch vom Bergschwein schmeckt mit der dunklen Soße herrlich intensiv.

Lecker: Zupffleisch vom Aveyron-Schwein mit Spargel und Kartoffelpüree im „Mets Envies“.
Lecker: Zupffleisch vom Aveyron-Schwein mit Spargel und Kartoffelpüree im »Mets Envies«.

Mit Vorspeise und am Schluss fünf Happen vom Käsewagen kostet das Menü 49 Euro. Auf der Karte steht zwar nur ein Gericht für Vegetarier, aber wer bei der Reservierung Bescheid sagt, für den überlegt sich der Chef Alternativen. Auf Wunsch wird zügig serviert, so dass man in etwas mehr als einer Stunde wieder auf Entdeckungstour gehen kann.

Kaffee und Kuchen bei Marie

Zum Beispiel durch Saint-Avold, das in etwa so viele Einwohner wie Kirchheimbolanden zählt und sich entfernt auch so anfühlt, nur französischer. Nach einem Rundgang durch das Städtchen, in dem es noch Geschäfte, Kneipen, Cafés, eine zentrale Imbissbude und das Kleider-Kaufhaus Levy Blum gibt, kehrt man zum Restaurant „Mets Envies“ zurück, um direkt gegenüber im einladend eingerichteten Café „Le Carrousel“ Kaffee und Kuchen zu genießen. Dort kümmert sich Marie von morgens um 9 Uhr bis zum Abend um ihre Gäste, die auch draußen wunderbare Plätzchen finden.

Das Café „Le Carrousel“ öffnet unter der Woche schon um 9 Uhr und schließt gegen 18 Uhr, samstags später.
Das Café »Le Carrousel« öffnet unter der Woche schon um 9 Uhr und schließt gegen 18 Uhr, samstags später.

Wer den Weg nach Saint-Avold vermeiden will, kann Einheimischen zufolge gut französisch im „Schlossberg“ in Forbach, bei „Albert Marie“ im Dörfchen Rossbrücken (Rosbruck) oder legerer im „Riviera“ in Hombourg-Haut essen.

Mitten in Forbach: „La Médina“.
Mitten in Forbach: »La Médina«.
Lange geschmurgelt: Souris d’agneau, also Lammstelze, des „Médina“.
Lange geschmurgelt: Souris d’agneau, also Lammstelze, des »Médina«.
Von außen unscheinbar: „Mets Envies“ in Saint-Avold, nahe der Innenstadt.
Von außen unscheinbar: »Mets Envies« in Saint-Avold, nahe der Innenstadt.
Vorspeise im „Mets Envies“: eine cremige, herzhafte Mousse mit Speck, die eine Quiche Lorraine kreativ uminterpretiert.
Vorspeise im »Mets Envies«: eine cremige, herzhafte Mousse mit Speck, die eine Quiche Lorraine kreativ uminterpretiert.
Im „Mets Envies“ fährt auf Wunsch der gute, alte Käsewagen vor: Fünf Sorten darf man probieren.
Im »Mets Envies« fährt auf Wunsch der gute, alte Käsewagen vor: Fünf Sorten darf man probieren.
Einkaufsstraße in Saint-Avold, rechts das Traditionskaufhaus Levy Blum, in dem Kleider angeboten werden.
Einkaufsstraße in Saint-Avold, rechts das Traditionskaufhaus Levy Blum, in dem Kleider angeboten werden.
Die Kirche St. Nabor in der Innenstadt, früher eine Benediktiner-Abtei, zählt zu den Wahrzeichen von Saint-Avold.
Die Kirche St. Nabor in der Innenstadt, früher eine Benediktiner-Abtei, zählt zu den Wahrzeichen von Saint-Avold.
Die Imbissbude „Chez Octave“ bietet eine erstaunlich große Auswahl an Snacks. Sie steht auf dem zentralen „Place de la Victoire“
Die Imbissbude »Chez Octave« bietet eine erstaunlich große Auswahl an Snacks. Sie steht auf dem zentralen »Place de la Victoire«.
Auch Anklänge an den entlegenen Süden finden sich in Saint-Avold: Ensemble am Rand der Innenstadt.
Auch Anklänge an den entlegenen Süden finden sich in Saint-Avold: Ensemble am Rand der Innenstadt.
Das Café „Le Carrousel“ in Frontalansicht.
Das Café »Le Carrousel« in Frontalansicht.
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