Hinter Saarbrücken
Speisen und Gelüste: Wo man im Kohlerevier Lothringens gut essen kann
Die Bevölkerung im Kohlerevier Lothringens ist internationaler als in anderen ländlichen Gegenden Frankreichs. Die Gruben haben Zuwanderer angelockt. Andererseits: Wer in Politik, Verwaltung oder Wirtschaft was werden wollte, wanderte Richtung Paris ab.
Heute leben recht viele Menschen in der Gegend von Forbach, die aus dem Maghreb stammen. Sie haben ihre gewürz- und aromenreiche Küche mitgebracht. Was liegt also näher, als beim Ausflug ins Kohlerevier am Mittag oder Abend in einem Couscous-Restaurant den Flair und die Speisen Nordafrikas zu genießen? Mitten in Forbach gibt’s sogar zwei: das „Le Thala“ und das „La Médina Couscous et Steakhouse“.
Auch mit bravem Hund darf man nicht ins „Thala“, also geht’s eine Ecke weiter ins „Médina“. Dass die Köchin fünf Minuten vor Lokalöffnung ins Lokal huscht, lässt erwarten, dass hier gern Vorgeköcheltes aufgewärmt wird. Zuweilen schmeckt das trotzdem, aber irgendwie fehlt dem Couscous mit Gemüse die orientalische Würze und Raffinesse. Es macht satt und ist für 15 Euro zu haben. Wem das reicht, der ist hier richtig, zumal das Menü für die Kinder nur elf Euro kostet.
Der Clou hier sind nicht die Fleischgerichte, mit denen das Restaurant für sich wirbt, sondern die süßen Leckereien, die am Dessert-Buffet zu haben sind. Hausgemacht, wie die Kellnerin sagt. Richtig gut, aber wegen Baklava und Co ist man ursprünglich nicht hergekommen.
Wer im Kohlerevier richtig gut essen gehen will, sollte im „Mets Envies“ in Saint-Avold reservieren, ein originelles, nicht gediegenes Restaurant mit modernen Varianten der traditionellen französischen Küche. Schon der Name zeugt von der Pfiffigkeit der Inhaber: „Mets Envies“ ist ein mehrfaches Wortspiel. Es heißt auf Deutsch „Speisen und Gelüste“, aber nicht nur. Je nach Aussprache kann es auch klingen wie „worauf ich Lust habe“ oder „mein Leben“. Inhaber Michaël Garni (47) hat in der Küche das Sagen, seine Frau Claire (32) im Service.
Spricht der Chefkoch Platt? „Nix mee!“
Claire stammt aus Nancy und spricht weder Deutsch noch Lothringer Platt. Michaël kommt aus Bitsch bei Zweibrücken. Gefragt, ob er Platt spricht, sagt er kurz und bündig: „nix mee“. Mit einem Dutzend Mitarbeiter zaubern Michaël und Claire an diesem Dienstagmittag Wolfsbarsch mit Haselnuss, Gelbflossenthunfisch mit Herzmuscheln, Kalbsnieren oder niedriggegartes Kalbsfilet mit Trüffeln und frischen Agnoli auf den Tisch. Das gezupfte und karamellisierte, anschließend zu einem Riegel geformte Fleisch vom Bergschwein schmeckt mit der dunklen Soße herrlich intensiv.
Mit Vorspeise und am Schluss fünf Happen vom Käsewagen kostet das Menü 49 Euro. Auf der Karte steht zwar nur ein Gericht für Vegetarier, aber wer bei der Reservierung Bescheid sagt, für den überlegt sich der Chef Alternativen. Auf Wunsch wird zügig serviert, so dass man in etwas mehr als einer Stunde wieder auf Entdeckungstour gehen kann.
Kaffee und Kuchen bei Marie
Zum Beispiel durch Saint-Avold, das in etwa so viele Einwohner wie Kirchheimbolanden zählt und sich entfernt auch so anfühlt, nur französischer. Nach einem Rundgang durch das Städtchen, in dem es noch Geschäfte, Kneipen, Cafés, eine zentrale Imbissbude und das Kleider-Kaufhaus Levy Blum gibt, kehrt man zum Restaurant „Mets Envies“ zurück, um direkt gegenüber im einladend eingerichteten Café „Le Carrousel“ Kaffee und Kuchen zu genießen. Dort kümmert sich Marie von morgens um 9 Uhr bis zum Abend um ihre Gäste, die auch draußen wunderbare Plätzchen finden.
Wer den Weg nach Saint-Avold vermeiden will, kann Einheimischen zufolge gut französisch im „Schlossberg“ in Forbach, bei „Albert Marie“ im Dörfchen Rossbrücken (Rosbruck) oder legerer im „Riviera“ in Hombourg-Haut essen.