Kultur RHEINPFALZ Plus Artikel Selbst Pfannkuchen sind nicht sicher vor ihnen: Kaiserslauterer Professorin erklärt Algorithmen

Die Kaiserslauterer Professorin Katharina Zweig hat das Talent, schwierige Dinge einfach zu erklären – dafür erhielt sie in dies
Die Kaiserslauterer Professorin Katharina Zweig hat das Talent, schwierige Dinge einfach zu erklären – dafür erhielt sie in diesem Jahr den Communicator-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Foto: Zweig/Felix Schmitt

Algorithmus – schon das Wort klingt kompliziert und löst das Gefühl aus, dass man eigentlich wissen sollte, was das ist. Aber was macht so ein Ding eigentlich? Und warum ist es wichtig, dass wir uns damit auskennen? Nicht nur auf diese Fragen gibt Katharina Zweig in ihrem Buch „Ein Algorithmus hat kein Taktgefühl“ Antworten auf unterhaltsame Art.

Katharina Zweig ist Professorin an der Technischen Universität Kaiserslautern (TU) und seit 2018 Mitglied der Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz“ zur Beratung des Bundestages. Mit Algorithmen kennt sich die Informatikerin von Berufs wegen aus. Doch Zweig weiß nicht nur, wie Algorithmen gestaltet werden, sondern auch, wo die Fallstricke hierbei lauern. Seit Jahren hält sie Vorträge – bisher mehr als 100 – und erklärt vor unterschiedlichem Publikum, was sich hinter den Schlagworten Big Data, Künstliche Intelligenz oder eben Algorithmen verbirgt. Ihre Erfahrungen sind nun in ein Buch geflossen.

In einer Mischung aus persönlichen Anekdoten und anschaulichen Beispielen gibt Zweig den Lesern Schritt für Schritt ein Basiswissen an die Hand, um sich in der Welt der Informatik zurechtzufinden. Angefangen davon, wo das Wort Algorithmus überhaupt herkommt und was sich dahinter verbirgt: Handlungsanweisungen für Computer. Sie stecken in Navigationsgeräten, berechnen Verkaufsempfehlungen im Internet und entscheiden darüber, welche Nachrichten Internetnutzern angezeigt werden.

Wenn die Justiz auf Algorithmen setzt

In ihrem Buch erklärt Zweig, wie Algorithmen entworfen werden, was sie können und was sie nicht können – und welche Probleme sich daraus ergeben können. Stichwort hier ist das maschinelle Lernen. An mehreren Beispielen schildert Zweig, wie schnell es passieren kann, dass aus guten Ideen in der praktischen Umsetzung schlechte Ergebnisse werden. Geht es dabei um Saugroboter und Pfannkuchen wendende Roboterarme, ist das durchaus amüsant. Betrachtet man sich andere Einsatzgebiete von Algorithmen, vergeht dem Leser schnell das Lachen.

Etwa bei einem Blick in die USA, wo Algorithmen im Justizsystem eingesetzt werden. Die Erfahrungen, die dort gemacht wurden und gemacht werden, sind alles andere als überzeugend. Die Software „Compas“ wird in einigen Bundesstaaten der USA dazu verwendet, zu berechnen, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Straffälliger rückfällig wird – und zwar, bevor er verurteilt wird. Die Software soll den Richtern dabei helfen, das Strafmaß zu wählen. Dabei habe sich allerdings gezeigt, dass der Algorithmus bei der Vorhersage, welche Person erneut eine schwere Gewalttat verüben werde, nur in 25 Prozent der Fälle richtig lag. 75 Prozent der Vorhersagen erwiesen sich als falsch, wie die Autorin schildert.

Katharina Zweig hat das Talent, schwierige Dinge einfach zu erklären – dafür erhielt sie in diesem Jahr den Communicator-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. In ihrem Buch gelingt es der Professorin, dem Thema Künstliche Intelligenz jegliche Trockenheit zu nehmen, ohne dabei zu oberflächlich zu werden. Gleichzeitig schafft sie es, dem Leser etliches an Werkzeugen mit auf den Weg zu geben, damit dieser sich eine eigene Meinung bilden kann.

Wenig Mut zum Zweifel

Dazu zählt auch das Wissen, dass es immer Menschen sind, die Algorithmen nach bestimmten Modellen erschaffen und die Ergebnisse, die die Algorithmen liefern, interpretieren. Dabei habe sich gezeigt, dass Menschen nicht gut darin sind, Ergebnisse von Algorithmen anzuzweifeln, sondern eher nach Erklärungen suchen, um die Ergebnisse einzuordnen – so unwahrscheinlich diese auch sein mögen. Das Design eines Algorithmus anzuzweifeln, scheint auch Informatikern schwer zu fallen, wie die Autorin schildert. Um den Nachwuchs hierfür zu sensibilisieren, ist an der TU Kaiserslautern vor einigen Jahren der Lehrstuhl für Sozioinformatik entstanden, dem Zweig vorsteht.

Natürlich gibt es viele Bereiche, in denen Algorithmen von großem Nutzen sind. Doch überall dort, wo Algorithmen Menschen bewerten sollen, sei Vorsicht geboten, mahnt die Professorin. Letztlich liege es an der Gesellschaft, darüber zu entscheiden, wie und wann Algorithmen eingesetzt werden. Dafür, dass wir alle uns in der Diskussion darüber einbringen können, leistet Zweig mit ihrem Buch einen wichtigen Beitrag.

Lesezeichen

Katharina Zweig: „Ein Algorithmus hat kein Taktgefühl“; Heyne Verlag; 318 Seiten; 20 Euro.

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