Kultur Sarah Wegener: Immer aktuell, immer ausdrucksvoll
Die britisch-deutsche Sopranistin Sarah Wegener prägt seit Jahrendie Schwetzinger Festspiele, wo sie jetzt ihr „Krieg und Frieden“-Programm bot. Doch auch in der Pfalz tritt sie an vielen Orten regelmäßig auf. Erst vor Kurzem trat sie in Kirchheim beim Konzertwinter auf.
Sarah Wegener singt Musik von Georg Friedrich Haas wie die von Georg Friedrich Händel und umgekehrt. Das ist alles andere als kokett oder abwertend gemeint. Ganz im Gegenteil: Die Sängerin gestaltet Musik der Gegenwart mit ebensolcher Gesangskultur, ausgefeilter Tongebung und Sprachkraft wie die aus Barock, Klassik und Romantik. Und sie gibt Werken der „Alten Musik“ dieselbe Unmittelbarkeit und uns alle bewegende Aktualität wie denen unserer Zeitgenossen. In Werken des österreichischen Komponisten Georg Friedrich Haas, zum Beispiel in „Bluthaus“, sorgte sie gerade bei den Schwetzinger Festspielen mehrfach für sängerdarstellerisch absolut erstklassige und wahrlich ergreifende Interpretationen. Erstklassig im Vortrag, die Tugenden der Sängerin voll entfaltend, und ergreifend in der Intensität des Ausdrucks war auch ihr jüngster Auftritt im Schloss, in dessen Zentrum Musik von Georg Friedrich Händel stand. Für das Thema „Krieg“ standen in dem überzeugend konzipierten Programm unter anderem die Auftritts-Arie der Armida in Händels „Rinaldo“, aber auch das Leid der Cleopatra aus Händels „Giulio Cesare“ oder das der Dido aus Purcells „Dido and Aeneas“. Eingeschoben war immer wieder ein nur instrumental ausgeführtes Stück aus Giovanni Battista Ferrandinis Kantate „Il pianti di Maria Vergine“, das der Verzweiflung der leidenden Mutter Ausdruck gibt. Zwei moderne Stücke – ein altkoreanisches Gedicht für Stimme solo in der Vertonung der Komponistin Younghi Pagh-Paan und eine Baudelaire-Vertonung von Eliott Carter – sowie das bekannte schottische Lied „Auld Lang Syne“ waren in die Folge der vorwiegend barocken Stücke im Wechsel von Schmerz und Freude, Trauer und Hoffnung eingeflochten. Am Ende stand Händels Gloria als Zeichen der Hoffnung auf gleichsam himmlischen Frieden. Diesen Ausdruck führte die erste Zugabe mit Händels „Eternal source of light divine“ fort, ehe die Wiederholung von Cleopatras „Da tempeste“ einen lebensfrohen Schlusspunkt setzte. Begleitet wurde die Sängerin von dem spielfreudigen Ensemble Il Capriccio unter Konzertmeister Friedemann Wezel. Vor dem Hintergrund eines privaten Schicksalsschlags für die Sängerin war das Schwetzinger Konzert sehr persönlich und emotional und mehr als nur künstlerisch sehr berührend. Sarah Wegener und Il Capriccio haben dieses Programm schon bei den Händelfestspielen in Halle und bei den Klosterkonzerten Maulbronn präsentiert. In Maulbronn hat die Landauer K&K-Verlagsanstalt das Programm auf CD vorgelegt (KuK 126, www.kuk-art.de). Die aktuelle CD „... into the deepest sea!“ mit Liedern von Schubert bis zur Gegenwart, bei der Sarah Wegener von Götz Payer begleitet wird, ist nominiert für den Preis der deutschen Schallplattenkritik. Im Sommer wird Sarah Wegener unter Kent Nagano bei den Salzburger Festspielen in Pendereckis Lukas-Passion singen. Mit Nagano hat sie auch den ersten Sopran in Mahlers achter Sinfonie in Kanada gesungen. Beim Konzert mit diesem Werk in Hamburg, hier mit Eliahu Inbal am Pult, erfüllte Sarah Wegeners Sopran auf faszinierende Weise den Raum in der Elbphilharmonie. Ihr Vortrag der komplexen Partie hatte die Schönheit, Klarheit und Feinheit als wär es Musik von Bach oder Händel.