Kultur RHEINPFALZ Plus Artikel SAP-Arena-Geschäftsführer Daniel Hopp im Interview: „Wir sind schon im Worst Case“

„Die Grundlage unseres Geschäfts ist weg“: Daniel Hopp vor der SAP Arena in Mannheim.
»Die Grundlage unseres Geschäfts ist weg«: Daniel Hopp vor der SAP Arena in Mannheim.

James Blunt und Céline Dion – nur zwei von vielen Künstlern, die ihre Konzerte und Gastspiele absagen oder verschieben mussten. Für die Adler Mannheim und die Rhein-Neckar Löwen war abrupt Schluss mit Eishockey und Handball. Die Corona-Krise trifft die SAP Arena mit voller Wucht. Geschäftsführer Daniel Hopp (39) hat mit uns über die schwierige Lage gesprochen.

Herr Hopp, im September wird die SAP Arena 15 Jahre alt. Hatten Sie vor, das zu feiern?
Eine große Feier hatten wir zum zehnten Geburtstag gemacht, deswegen haben wir nichts Großes geplant.

Zum Feiern dürfte Ihnen ohnehin nicht mehr zumute sein.
Ganz und gar nicht. Die Situation ist nicht nur außergewöhnlich, sondern auch außergewöhnlich herausfordernd und sehr, sehr kritisch zu bewerten. Wir sind in einer Branche, die es genauso hart trifft wie die Gastronomie und die Reisebranche. Unser Geschäft ist absolut auf null runtergefahren.

Wenn um die Definition von Großveranstaltungen auch noch gerungen wird, dürfte es kein Vertun geben: Was in der Arena stattfindet, ist eine Großveranstaltung.
Absolut. Da darf man sich nichts vormachen. Jede Veranstaltung, die in der Haupthalle stattfindet, hat mindestens 3000 Zuschauer.

Erste Veranstaltungen bei Ihnen sind wieder für Anfang September terminiert. Rechnen Sie damit, dass sie stattfinden können?
Das Veranstaltungsverbot gilt aktuell bis 31. August. Aber ich glaube, es wäre blauäugig, wenn wir davon ausgingen, dass wir am 1. September mit Vollgas, sprich mit voller SAP Arena wieder an den Start gehen können. Das hoffe ich natürlich. Aber wir stellen uns eher auf eine längere Frist ein.

Woran orientieren Sie sich denn dann bei Ihrer Planung?
Wir lassen die Veranstaltungen stehen, die ab September terminiert sind. Aber wir sind auch nicht immer Herr des Verfahrens. Wenn ein Fremdveranstalter die Arena mietet, muss er entscheiden, ob er die Termine verlegt oder nicht. Bei den Eishockey- und Handballspielen sind wir selbst Veranstalter und natürlich abhängig davon, wie die Liga entscheidet. Da müssen wir im Moment noch der Dinge harren. Es gibt ein Bauchgefühl und Gerüchte, aber wir müssen uns an den Fakten orientieren.

Was wäre der Worst Case, der schlimmste Fall?
Ich glaube, wir sind schon im Worst Case. Für Veranstaltungshäuser, Arenen, Sportvereine ist der Worst Case schon längst da. Die Grundlage unseres Geschäfts ist weg.

Wie lange können Sie das durchhalten?
Wir sind dabei, die Kosten möglichst weit herunterzufahren. Wir haben die Arena in einen Winterschlaf gesetzt. Alle Investitionsprojekte wie den Umbau von Teilen unseres VIP-Bereichs haben wir verschoben. Was mir ähnlich große Sorgen macht wie unsere eigene Situation, ist die unserer Partner und Dienstleister beim Umbau der Arena, beim Catering, der Reinigung und der Sicherheit.

Können Sie den wirtschaftlichen Schaden beziffern?
Wir reden jetzt schon über einen Schaden im siebenstelligen Bereich. Und auch wenn wir alles einsparen, was möglich ist, bleiben Kosten von deutlich über 100.000 Euro jeden Monat.

Sie haben 48 Mitarbeiter. Wie ist deren Situation? Sind sie in Kurzarbeit?
Wir haben auch Kurzarbeit angemeldet, ja. Ich bin sehr dankbar, dass unsere Mitarbeiter sehr loyal sind und mitkämpfen für die Zukunftssicherung unseres Unternehmens. Ich versuche viel mit den Leuten im Austausch zu bleiben. Das gehört im Moment für mich zu meinen wichtigsten Aufgaben.

Eishockey- und Handballspiele veranstalten Sie selbst. Wann bekommen Sie Ihre Miete, wenn Sie Vermieter der Halle sind?
Da treffen wir ganz individuelle Absprachen. Mit manchen Veranstaltern arbeiten wir schließlich schon seit Jahren zusammen. Es ist sicher nicht so, dass wir mit der Terminbestätigung die Rechnung für die Arena-Miete rausschicken. Wir sitzen alle in einem Boot. Die wirtschaftlichen Sorgen und Nöte haben auch die Veranstalter und Künstler. Wir müssen alle fair und offen miteinander umgehen.

Haben Sie denn noch Einnahmen?
Nein. Gar keine.

Die SAP Arena ist die Heimspielstätte für die Adler Mannheim und die Rhein-Neckar Löwen. Sind für Sie im Eishockey und Handball Geisterspiele denkbar?
Ich kann in erster Linie fürs Eishockey sprechen. Wenn wir zum Beispiel eine feste Zusage hätten, dass wir ab 1. Oktober wieder mit Zuschauern spielen könnten, könnte man darüber nachdenken, die ersten zwei oder drei Heimspiele ohne Zuschauer stattfinden zu lassen. Unser Etat setzt sich zu mehr als 50 Prozent aus Einnahmen zusammen, die in irgendeiner Form mit Ticketverkäufen zu tun haben.

Geschützt sind Eishockeyspieler ja jetzt schon.
Abwärts der Nase ist alles offen. Und mir fehlt ein bisschen die Fantasie für zusätzliche große Schutzmaßnahmen, ehrlich gesagt.

Haben Sie denn die Fantasie, sich Zuschauer von Popkonzerten mit Masken vorzustellen?
Schwierig. Aber da hätte ich für einen gewissen Zeitraum noch eine größere Fantasie, als mir einen Eishockey- oder Handballspieler mit Mundschutz vorzustellen.

Wie viele Ereignisse werden nachgeholt werden können?
Der Sport ist natürlich unwiederbringlich verloren. Ansonsten wird versucht, viel nachzuholen. Im Moment sind wir etwa bei einer Quote von 75 Prozent. Es ist natürlich auch nicht immer einfach, Ersatztermine zu finden.

Jeder Nachholtermin 2021 bedeutet aber auch, dass er vielleicht ein anderes Ereignis blockiert, das ansonsten stattgefunden hätte.
Ja. Aber ich glaube, dass wir vielleicht statt 120 wie bisher im neuen Jahr 145 oder 150 Veranstaltungstage haben werden.

Wobei eine Wirtschaftskrise und höhere Arbeitslosigkeit dazu führen können, dass Menschen an Eintrittskarten sparen werden.
Das ist eine absolut realistische Einschätzung.

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