Museen RHEINPFALZ Plus Artikel Sammlung Pachen: Werke für 175.000 Euro versteigert

Erzielte den Spitzenwert: „Hahn und Hühner “, 1949, von Otto Dix.
Erzielte den Spitzenwert: »Hahn und Hühner «, 1949, von Otto Dix.

Die ersten Werke sind weg. Das Gemälde „Hahn und Hühner“ von Otto Dix für 34.000 Euro. Im Kölner Kunsthaus Lempertz sind am Dienstag und Mittwoch 16 von 18 Arbeiten aus der Rockenhausener Sammlung Pachen versteigert worden. Bilder und Skulpturen aus einem städtischen Museum. Hauptwerke, deren Verlust die Identität des Hauses final bedroht. Wie es jetzt weitergeht? Der verwertbare Sammlungsrest kommt im März unter den Hammer.

Traurig ist das schon. Sehr traurig. Die Sammlung Pachen, die in Rockenhausen ihren festen Ort hatte, wird jetzt verstreut. Die besten Werke fort, die Versteigerungen sind das Ergebnis eines jahrelangen Rechtsstreits der Stadt mit einem Erben, einem Mainzer (wir berichteten am 10. November ausführlich). Er endete mit einem Vergleich vor dem Oberlandesgericht Zweibrücken, der ihm den Verkauf der Werke erlaubt, die Stadt als Teil einer Erbengemeinschaft indes zu einem Fünftel am Erlös beteiligt.

220.000 Euro wurden bei den beiden Lempertz-Auktionen mit Werken aus der Sammlung Pachen erzielt, inklusive der an das Kunsthaus von den Käufern zu zahlenden Provisionen, dem sogenannten Aufgeld. Netto sind das 175.000 Euro. Davon gehen allerdings noch jeweils die Gerichtskosten ab – unter anderem.

Die Ziege blieb übrig

Für das Auktionshaus waren die beiden Versteigerungen ein Erfolg. Lempertz-Experte Klaus Lange sagt, die Arbeiten seien sehr qualitätvoll, deshalb hätten Sammler zugeschlagen. Er jedenfalls war sehr zufrieden hinterher mit der Einlieferung. Und das, obwohl das mit 50.000 Euro am Höchsten taxierte Werk, „Zigeunerkind mit Ziege“ aus dem Jahr 1949, ebenfalls von Dix, durchfiel. Die Ziege schaut darauf auch ziemlich grimmig drein. Von dem herzschießenden „Klagenden Trümmerhund“ von Renée Sintenis, einer Bronze, derweil ließ sich jemand zu einem Netto-Preis von 18.000 Euro erweichen. Geschätzt war das Werk auf 9000 Euro.

Bei Emil Cimiottis wuchernder geätzter Bronze „Priapos I“, Schätzpreis 4000 bis 6000 Euro, fiel der Hammer bei 17.000 (mit Aufgeld 21.230) Euro. Emy Roeders kantige Porträtbüste „Bildnis Hans Purrmann“ brachte brutto das Doppelte des Schätzpreises von 10.000 Euro. Und für das Spätwerk „Stilleben mit Muschel“, das der „Brücke“-Künstler Karl Schmidt-Rottluff mit 78 Jahren malte, legte jemand 13.750 Euro auf den Tisch. Das ist der Markt.

Für Rockenhausen unersetzlich

Für die Sammlung Pachen und die Stadt Rockenhausen indes sind die versteigerten Werke unersetzlich, leider. Bürgermeister Michael Vettermann (FDP) besteht trotzdem darauf, dass die Stadt auch weiterhin „ein schönes Museum“ haben werde. Auch ohne die Hauptwerke. Auch ohne den Namen Sammlung Pachen? Wie das alles jetzt wird, werde man sehen, sagt Vettermann am Telefon. Er hält sich bedeckt, erzählt aber, das erste Gespräche mit Vertretern einer anderen Sammlung bereits geführt worden seien – unter anderem. Und dann ist da noch die Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler (APK), die im dem Museum weiter ihre Wechselausstellung zeigen soll.

Der Tierarzt Vettermann hat das Pachen-Problem mit seinem Amtseintritt 2018 von seinem Vorgänger Karl-Heinz Seebald (SPD) übernommen. Und Vettermann ist ziemlich angefressen, dass Seebald ihm in dem angesprochenen RHEINPFALZ-Text indirekt mangelndes Interesse an dem Museum unterstellt. Noch dazu, weil die Causa mit Versäumnissen zu tun hat, die in Seebalds 30 Jahre dauernde Ära fallen.

Folgenreicher Formfehler

Der Jurist Seebald hat die Sammlung der Pachens für die Stadt gesichert. Ein Coup damals. 1995 zog das durchaus als schwierig geltende Selfmade-Sammler-Paar in eine Wohnung über dem zum Museum umgebauten Anwesen in der Speyererstraße ein. Er 73, sie 67 Jahre alt. Museumseröffnung war 1997. 1,4 Millionen Mark hatten die Stadt, der Kreis, der Bezirksverband und die Stiftung für Kultur Rheinland-Pfalz investiert. Dazu kamen Mittel der EU. Aber bis zu Heinz Pachens Tod 2006 – Frau Hella starb ein Jahr später – brachten die beiden ihre über 2000 Werke umfassende Kunstsammlung nicht in eine Stiftung ein.

Schlimmer noch: Bei der ursprünglichen Übertragungsvereinbarung mit den Pachens ist der Stadt ein Formfehler unterlaufen. Laienhaft ausgedrückt: Es existiert keine konkrete Auflistung, welche Werke genau zum Nachlass gehören. So konnte dieser im Prinzip nicht juristisch wasserdicht definiert werden. 2009 – unter Bürgermeister Seebald – klagte der Erbe, 2018 – jetzt unter Vettermann – kam es zum Vergleich, der jetzt mehr oder weniger nur exekutiert wird.

Im März geht es weiter

Im März nächstes Jahr geht das Versteigern weiter. Bei Venator & Hanstein, Köln, einem auf Buch- und Grafikauktionen spezialisierten Haus. 100 „Positionen“, wie sich Mitarbeiter Karl-Heinz Knufpfer ausdrückt, haben die Experten aus Rockenhausen mitgenommen. Zur Prüfung. Der verwertbare Rest: Grafiken, Aquarelle, Gemälde. Über die verbliebenen rund 1900 Arbeiten sagt Knupfer, die seien eher von „regionaler Bedeutung“. Für die „Preisregion“, die sein Unternehmen bedient, nicht mehr interessant. Wie er sagt, beginnt diese bei 400 Euro.

Herzerweichend: „Klagender Trümmerhund“ von Renée Sintenis wurde für 18.000 Euro versteigert.
Herzerweichend: »Klagender Trümmerhund« von Renée Sintenis wurde für 18.000 Euro versteigert.
Bei 17.000 Euro fiel der Hammer: Emil Cimiottis „Priapos I“.
Bei 17.000 Euro fiel der Hammer: Emil Cimiottis »Priapos I«.
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