Kino RHEINPFALZ Plus Artikel Romy Schneider war die Liebes seines Lebens: Alain Delon wird 85 Jahre alt

Jung und verliebt: Romy Schneider und Alain Delon 1959 beim Münchner Filmball.
Jung und verliebt: Romy Schneider und Alain Delon 1959 beim Münchner Filmball.

Am kommenden Sonntag (8. November) feiert der französische Schauspielstar Alain Delon seinen 85. Geburtstag. Das gerade bei Heyne erschienene Buch „Eine Liebe in Paris – Romy und Alain“ nähert sich der Kinolegende auf sehr besondere Weise.

Mit Filmen wie „Nur die Sonne war Zeuge“, „Rocco und seine Brüder“ oder auch „Monsieur Klein“ hat Alain Delon Kino-Geschichte geschrieben. Legendär ist seine Beziehung zu der 1982 mit erst 43 Jahren verstorbenen Österreicherin Romy Schneider („Sissi“, „Ludwig II.“, „Das Verhör“). Keine andere Geschichte eines prominenten Liebespaares hat, zumindest in Deutschland, im 20. Jahrhundert derart viel Staub aufgewirbelt. Romy Schneider wurde besonders zu Anfang der 1960er Jahre von Teilen der Klatschpresse ob ihres Weggangs aus dem deutschsprachigen Raum nach Paris mit Verachtung geradezu überschüttet, Alain Delon dem absurden Vorwurf ausgesetzt, den Deutschen die geliebte Sissi geraubt zu haben, die heute eher berüchtigte denn berühmte Kino-Kitsch-Version Elisabeths, Kaiserin von Österreich, genannt Sisi (1837 – 1898).

Der renommierte Filmkritiker und Filmbuch-Autor Thilo Wydra, der schon erfolgreiche Bücher beispielsweise über Ingrid Bergman, Grace Kelly und auch Romy Schneider geschrieben hat, schwelgt in seinem über Jahre recherchierten Buch nicht in Klatsch und Tratsch. Nur an erfreulich wenigen Stellen in Küchentisch-Psychologie abgleitend, beleuchtet er die Liebesgeschichte der zwei berühmten Künstler-Persönlichkeiten mit Feingefühl und sprachlicher Eleganz. Wobei die Schilderung dieser Geschichte zweier Menschen, die nicht ohne einander sein wollten, aber nicht miteinander sein konnten, vor allem deshalb interessant ist, weil der Autor sie häufig durch die Augen von Zeitzeugen betrachtet.

Kollegen von Romy Schneider und Alain Delon wie Senta Berger, Mario Adorf und Jane Birkin haben sich für das Buch an ihre Begegnungen mit den zwei Liebenden erinnert, erzählen mehr als Episoden, werten auch, stellen Bezüge her, die über das Filmbusiness hinausreichen. Diese Bezüge hat Thilo Wydra klugerweise aufgegriffen und beleuchtet unaufdringlich die durch das Zusammensein angestoßenen künstlerischen Entwicklungen der beiden Protagonisten und ordnet diese wiederum in gesellschaftliche Zusammenhänge ein. So entsteht auch ein facettenreiches Kaleidoskop westeuropäischer Lebensart von den späten 1950er bis in die frühen 1980er Jahre.

Deutlich zu spüren beim Lesen: Thilo Wydras Autoren-Liebe gilt Romy Schneider. Ihre Entwicklung zur phänomenalen Charakterinterpretin verfolgt er mit spürbarer Empathie. Doch er beschreibt dabei kundig und genau, dass diese Entwicklung durch die Begegnung mit Alain Delon wesentliche Impulse erhalten hat. „Christine“ (1959), „Der Swimmingpool“ (1969) und „Das Mädchen und der Mörder/ Die Ermordung Trotzkis“ (1972) – gerade mal drei Kino-Filme drehten Romy Schneider und Alain Delon gemeinsam. Im öffentlichen Bewusstsein der filmversessenen Franzosen werden die beiden dennoch bis heute gern als Paar wahrgenommen. Was Alain Delon – dies wird im Buch pointiert reflektiert – wohl überaus angenehm ist. Immer wieder hält er die Erinnerung an seine frühere Gefährtin, mit der er mehr als fünf Jahre zusammengelebt hat, wach. So hat er etwa im Vorjahr, als er beim Filmfestival von Cannes im Mai 2019 für sein Lebenswerk geehrt wurde, auf der Bühne auch an Romy Schneider erinnert.

Wydra beschreibt die Szene gleich zu Beginn des Buches ausführlich und greift sie am Ende noch einmal auf. Damit korrigiert er geschickt, wie nebenbei, das dunkle Bild des zwielichtigen Egomanen, das viele Medien, getrieben mehr von Vermutungen als Fakten, über die Jahrzehnte von Alain Delon entworfen haben. Zum 85. Geburtstag des Stars, den ein Schlaganfall im Vorjahr wohl schwer gezeichnet hat, ist kaum eine bessere Würdigung vorstellbar.

Lesezeichen

  • Thilo Wydra: „Eine Liebe in Paris – Romy und Alain“; Heyne; 352 Seiten; 22 Euro.

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