Luxemburg RHEINPFALZ Plus Artikel Rock’n’Roll im Großherzogtum

Aus dem Meer von Gitarren lugt hinten der Bass der legendären Rockabilly-Band „Stray Cats“ hervor.
Aus dem Meer von Gitarren lugt hinten der Bass der legendären Rockabilly-Band »Stray Cats« hervor.

Ein Luxemburger hat Hunderte Gitarren berühmter Rockmusiker gesammelt, darunter Originalinstrumente von Jimi Hendrix, Rainbow oder Ramones. Im Kulturhauptstadtjahr 2022 zeigt er sie gleich neben der Rockhal von Esch.

Wohin man auch schaut – Gitarren, Gitarren und nochmals Gitarren. Luc Henzig besitzt mehr als 600 E-Gitarren, der Großteil von berühmten Rockmusikern. Damit besitzt der Luxemburger wohl die größte private E-Gitarren-Sammlung Europas.

Eine Scheune seines Anwesens auf einem Gutshof im südlichen Luxemburg, der seit 400 Jahren in Familienbesitz ist, hat er zu einem regelrechten Tempel für die Rockgitarre ausgebaut. Einige seiner Instrumente waren bereits in Ausstellungen zu sehen, beispielsweise in der Völklinger Hütte bei „Generation Pop“ oder im Museum im niederländischen Groningen. „Das hier ist eine Gitarre von Ritchie Blackmore“, sagt der 62-Jährige und nimmt das Instrument des legendären Gitarristen in die Hand, der einst bei Deep Purple und Rainbow spielte. Oder: „Die hier ist von Billy Gibbons von ZZ-Top.“ Schon geht der Mann, der eigentlich Finanzexperte ist, einige Schritte weiter und hat ein Instrument des als „Gitarren-Gott“ gepriesenen Steve Vai in der Hand. Stolz ist er auch auf eine Fender Esquire von 1955, die er von der US-Rockband „The Black Crows“ erstanden hat.

Man darf drauf spielen

Wichtig ist dem Rock-Fan, dass die Gitarre auch vom jeweiligen Musiker gespielt wurde. Mit Vintage-Sammlern, die ihre Gitarren wie Reliquien behandeln und hinter Vitrinen verstecken, hat er nichts am Hut. „Wenn die Gitarre Spuren der Benutzung aufweist - darum geht es ja. Das ist Rock’n’Roll, keine tote Materie.“ Und so darf man die Instrumente auch jederzeit in der Hand nehmen und wenn es das Können möglich macht, darauf spielen.

Gegen eine zünftige Session hat der Mann, der in den 1960er- und 1970er-Jahren mit Prog- und Psychedelic-Rock aufwuchs, nichts einzuwenden. „Früher habe ich Frank Laufenberg beim damaligen SWF, dem heutigen SWR, gehört. Pop-Shop, das war stark und genau mein Ding. Das hat mich musikalisch ganz klar geprägt.“ Soll heißen: Yes, Genesis, Pink Floyd, Led Zeppelin, Hendrix & Co. Typischer Classic Rock. Natürlich besitzt er auch Tausende Vinylscheiben und CDs.

Die Liste der Legenden

„Meine erste Platte war Genesis „The Lamb lies down on Broadway“, erinnert er sich. Und schon hat der Sammler wieder eine Gitarre in der Hand. Dies Mal eine Akustikgitarre von Mr. Guitar himself: Jimi Hendrix. Er besitzt unter anderem den Original- Bass von Jack Bruce der legendären Band „Cream“. Die Liste ließe sich beliebig verlängern.

Viele seiner Objekte bekommt er über einen Gitarrenhändler in Las Vegas. Der Luxemburger hat beste Kontakte in die Welt der Rockmusik. Mehrmals im Jahr fliegt Henzig in die USA, trifft sich mit Musikern und Herstellern, was zuletzt während der Pandemie natürlich sehr eingeschränkt möglich war. „Ich schätze Gitarren, die für einen Künstler speziell angefertigt wurden. Echte Unikate. Jede Gitarre hat einen etwas anderen Sound.“ In seinem Museum steht auch eine Gitarre der Ramones, bekanntlich die genialen Erfinder des Punkrocks US-amerikanischer Prägung, die tausende Bands weltweit mit ihrem poppigen Surf Rock’n’Roll-Sound geprägt haben.

Der hauptberufliche Unternehmensberater ist auch an der technischen Entwicklung der Gitarre interessiert. 1950 ging die erste richtige E-Gitarre in Serie, die Fender Broadcaster. Nur zwei Jahre später wurde die Gibson Les Paul entwickelt. Seither sind Fender und Gibson Les Paul die beiden großen Hersteller am US-Markt. Bereits in den 1930er-Jahren hatte der US-Schweizer Rickenbacher eine elektrisch verstärkte Gitarre auf den Markt gebracht, eine so genannte Frying Pan. Und natürlich hat der Mann aus dem Großherzogtum auch zahlreiche Gibson und Fender eine Frying Pan in seiner Kollektion. Die Beatles schworen einst auf Rickenbacher-Gitarren.

Das älteste Instrument der Sammlung stammt von 1890. Auch eine Gitarre, die halb Harfe, halb Gitarre ist, gibt es. Oder: eine Gitarre, die nur mit selbst gebauten Werkzeugen in einem US-Knast hergestellt wurde und sehr speziell aussieht.

Henzig selbst ist nicht nur ein passionierter Gitarren- und Rock’n’Roll-Fachmann, er ist auch ein ausgewiesener Finanzexperte und zählt in seinem Fach zu den führenden Köpfen des Großherzogtums. Mehr als zwei Jahrzehnte arbeitete er als Wirtschaftsprüfer und Berater für das Unternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC). Anschließend übernahm der Absolvent der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Brüssel die Stelle als Ausbildungsleiter der Industrie- und Handelskammer (IHK) Luxemburg. Nach dem Ausbau der IHK-Berufsausbildung wechselt er ins Luxemburger Ministerium als Referent für berufliche Weiterbildung. Als ob dem nicht genug wäre, ist der umtriebige, vielsprachige Letzebuerger auch noch Präsident der Rockhal im Industriequartier Belval in Esch-sur-Alzette.

Rockhelden im Hochofen

Die Rockhal nun ist die größte Konzerthalle in der Region Saar-Lor-Lux. Größen wie Queen, die Hardrocker von Judas Priest, Depeche Mode oder Stammgast Amy Macdonald begeisterten dort bereits ihr Publikum. Selbstredend liegen dem Musik-Fan die klassischen Rockbands besonders am Herzen. Als Tausendsassa sieht sich Henzig im Übrigen nicht. Viel mehr mache er einfach Dinge, die ihm am Herzen liegen. Klar, dass Mr. Business & Rock’n’Roll in Personalunion auch seinen Teil zur Agenda von Esch-sur-Alzette, 2022 Kulturhauptstadt Europas, beiträgt.

Im ehemaligen Stahlwerk von Belval im Westen von Esch-sur-Alzette, das mittlerweile zum hippen Ausgehviertel wurde, ist demnächst eine Ausstellung seiner Gitarren zu sehen. Sie heißt Sie heißt „Live, Breathe and Sleep Guitars“. Im massiven Masse-noire, dem früheren Hochofen , präsentiert Henzig die Geschichte der E-Gitarre. Neben der technischen Entwicklung geht es auch um die Helden in Sachen Rock. Klar, dass es dort auch die eine oder andere Gitarren-Session geben wird. Und falls diese verlängert werden sollte, kein Problem, die Rockhal liegt direkt vis-à-vis.

Die Ausstellung

„Live, Breathe and Sleep Guitars“, 17. August bis 10. Oktober , SKIP, 8 Avenue Des Hauts-Fourneaux, Esch, Quartier Belval, mittwochs bis sonntags 16-21 Uhr;

www.esch2022.lu

Luc Henzig mit einer Gitarre von Billy Gibbons der US-Band ZZ-Top.
Luc Henzig mit einer Gitarre von Billy Gibbons der US-Band ZZ-Top.
Esch, Kulturhauptstadt 2022.
Esch, Kulturhauptstadt 2022.
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