Kunst
Rockenhausen: Hoffnungsvoller Neustart im ehemaligen Museum Pachen
„Stillstand ist immer schwierig,“ sagt Rockenhausens Stadtbürgermeister Michael Vettermann zur Begrüßung. „Umso schöner, dass sich hier im Museum jetzt wieder etwas bewegt und wir den ersten Schritt nach vorne machen können.“ Draußen am Haus in der Rockenhausener Speyerstraße steht zwar immer noch Museum Pachen, aber im Inneren des Hauses weht nach dem verlorenen Erbschaftsstreit und dem damit verbundenen Verkauf der Hochkaräter der namensgebenden Sammlung Pachen jetzt ein frischer Wind durch die Räume.
Vettermann freute sich über die gut besuchte Vernissage und darüber, das Ausstellungsjahr 2022 gleich mit einem Paukenschlag beginnen zu können. So wurde mit der zum ersten Mal präsentierten, neu konzipierten Dauerausstellung „Wegen Umbau geöffnet“ auch die erste Sonderausstellung 2022 eröffnet: „mythos.tot“, eine Präsentation der beiden Pfälzer Künstler Ingo Bracke und Bernd Decker.
Chancen und Möglichkeiten
„Das Museum Pachen ist Geschichte, die Sammlung veräußert, das Haus eine leere Hülle, die er Umnutzung entgegensieht,“ fasste Stefan Engel, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler (APK), die zunächst durchaus bedrückend wirkende Ausgangslage zur Dauerausstellung in seiner Einführungsrede zusammen. Aber – so düster und hoffnungslos sieht es in Rockenhausen nach dem Ausverkauf der Sammlung Pachen dann doch nicht aus, wie Engel gleich darauf ausführte. Ganz im Gegenteil: Es ergeben sich nun ganz neue Chancen und Möglichkeiten für das Rockenhausener Kunstmuseum, an die man bis dato gar nicht gedacht hatte.
Tatsächlich, so führte Stefan Engel weiter aus, gibt es gleich eine ganze Reihe von guten Nachrichten zu vermelden: zum einen werden die APK und die Mitglieder des Kahnweilervereins das Haus mit qualitativ hochwertigen Ausstellungen bespielen, zum anderen, so Engel, hätten bereits eine ganze Reihe an Leihgebern künstlerischer Nachlässe Interesse daran bekundet, im Hause Werke verstorbener Künstler zu zeigen. Hier hoffe man auf Höhepunkte und freue sich auf das, was da kommen werde.
Außerdem – und das ist die wichtigste Nachricht – verfügt die Stadt Rockenhausen selbst über eine ansehnliche Sammlung von Exponaten, die im Laufe der Zeit über Schenkungen, Erbschaften, aber auch über Ankäufe, zum Beispiel von Kahnweiler-Preisträgern in den Besitz der Stadt kamen. „Es ist eine Menge Kunst da, die es erlaubt, ein qualitativ hochwertiges Museum auf die Beine zu stellen“, so Stefan Engel. Aus diesem Bestand haben Stefan Engel und die Kunsthistorikerin und Künstlerin Claudia Gross eine Reihe von Werken ausgewählt und sorgfältig zu einer neuen „Ständigen Sammlung“ kuratiert.
Landschaften und Surrealistisches
Diese Ausstellung heißt „Wegen Umbau geöffnet“ und präsentiert sich nun an frisch renovierten und strahlend weißen Wänden im Erdgeschoss des Museums. Ein Blickfang sind die vier großformatigen, farbigen Arbeiten des Bad Kreuznacher Künstlers Walter Brusius aus dem Jahr 2016, die prominent an der hinteren Stirnwand des Erdgeschosses platziert sind und die den Betrachter sofort in den Raum hineinziehen. Auf dem Weg dorthin präsentiert sich viel Neuentdecktes und auch ein wenig Altbekanntes, aufgeteilt nach drei Sparten: Landschaft, Surrealistisches und Figurales.
So findet sich im vorderen Bereich eine schöne Auswahl an Arbeiten zum Thema Landschaft, wie zum Beispiel die „Landschaft“ von Ute Grinda, in einer strahlend farbigen Mischtechnik von 1986; oder zarte, detailreiche Radierungen des Fotorealisten Heiner Altmeppen wie der „Felsen am Meer“ von 1984 oder „Mars“ von 1987.
Surrealistisch wird es im mittleren Bereich: Hier zeigen die Kuratoren mit der Mischtechnik „Drei auf einen Streich“ (2011) des Frankenthaler Malers Harald Alexander Klimek eine Arbeit, die schon in der vorherigen Präsentation ihren Platz hatte, genau wie „L’isola feminile“ des Meisters des Phantstischen, Otfried H. Culmann.
Neu in der Präsentation hingegen sind unter anderem die Farbradierungen von Otmar Alt oder die phantastischen Radierungen des Bolander Künstlers Hermann Hoormann, die mit ihren feinen und detailreichen Strichen beeindrucken.
Abgerundet wird die Präsentation von mehreren Skulpturen, wie unter anderem dem „Torso XXIII“ von Inge Blum und zwei elegant geschwungenen, fast samtig anmutenden Kambala-Holzskulpturen der Bildhauerin Ortrud Heuser-Hickler.
Mit der Einrichtung des Untergeschosses ist die Neukonzeptionierung des Rockenhausener Museums noch nicht zu Ende, denn im Obergeschoss werden im Frühjahr noch zwei weitere Räume eingerichtet: in einem Raum wird der Arbeitskreis Kahnweilerhaus in Zukunft Wechselausstellungen anbieten.
Kahnweiler zieht um
Da das Kahnweilerhaus selbst wegen baulicher Mängel vorerst auf unabsehbare Zeit geschlossen bleibt, werden mehrere Ausstellungsstücke, wie zwei Lithographien von Picasso, eine Fotodokumentation über Kahnweiler sowie diverse Plakate von Ausstellungen in Kahnweilers Galerie ebenfalls mit umziehen.
Im zweiten Raum sollen Dauerleihgaben aus der hochkarätigen Sammlung Mayer aus Landau einziehen, die im Wechsel immer für ein oder zwei Jahre zu sehen sein werden. Lust auf die Eröffnung dieses zweiten Teils der neuen Dauerausstellung machen auf jeden Fall die beiden Plakate, die jetzt schon am Treppenaufgang hängen: Eines zeigt den Kunsthändler, Picasso-Förderer mit Rockenhausener Wurzeln und Ehrenbürger der Stadt, Daniel-Henry Kahnweiler (1884-1979), das zweite weist mit großen Namen wie „Jawlensky, Moll, Kokoschka, Orlik, Nolde, Dill, Wols“ auf die Exponate der Sammlung Mayer hin, die im Jahr 2013 schon einmal zu Gast im Museum waren. Es tut sich also weiterhin einiges in Rockenhausen. Man darf gespannt bleiben.
Im Museum
- Dauerausstellung „Wegen Umbau geöffnet“ ; Museum Pachen, Speyerstraße 3 in Rockenhausen.
- Sonderausstellung „Mythos.tot“ von Ingo Bracke und Bernd Decker, bis zum 27. Februar 2022.
- Geöffnet Mittwoch bis Sonntag von 14.30 bis 17 Uhr; Info unter Tel. 06361 22136.