Kultur RHEINPFALZ Plus Artikel Peter Gabriel 70: Sänger mit „Genesis“ und solo erfolgreich

Vor sechs Jahren das letzte Mal auf Tour: Peter Gabriel.
Vor sechs Jahren das letzte Mal auf Tour: Peter Gabriel.

Die Rolle, die Peter Gabriel als Frontmann für die Band Genesis gespielt hat, ist nicht unbedeutend. Und doch ist Genesis eine vergleichsweise kurze Episode in der musikalischen Karriere dieses Musikers mit den vielen Gesichtern, der morgen seinen 70. Geburtstag feiert.

Sieben Jahre nachdem er die Prog-Rock-Formation mitbegründet und etabliert hatte, verließ Gabriel 1975 seine Kollegen, da er mit ihnen künstlerisch immer weniger harmonierte. Zwar wurde Genesis von Album zu Album erfolgreicher, näherte sich aber gegen Gabriels Willen auch immer mehr dem Mainstream an. Hinzu kam die problematische Schwangerschaft seiner Frau, weshalb er mehr Zeit für die Familie haben wollte. Gabriel nahm sich eine Auszeit, verbrachte viel Zeit mit Selbsterforschung, dem Klavierspiel, Yoga und dem Pflanzen von Gemüse.

Nach „Genesis“ stand die Selbsterforschung an

Zwei Jahre waren dafür aber genug. Und so startete er 1977 seine Solo-Karriere. Und die währt nun schon 43 Jahren, hat allerdings in Anbetracht dieser langen Zeitspanne ein sehr überschaubares Werk zutage gefördert – wohl auch, weil Gabriels Zeitempfinden so gar nicht mit dem Musikgeschäft kompatibel ist.

Seine Uhr geht immer 13 Minuten vor

Peter Gabriel ist privat ein pünktlicher Mensch. Seine Uhr geht seit Jahren exakt 13 Minuten vor. „Es ist eines dieser kleinen Spiele, die verhindern sollen, dass ich zu spät komme“, sagt er schmunzelnd. „Mit fünf oder zehn Minuten gelingt das nicht. Bei 13 Minuten aber ergreift meinen Körper eine innere Unruhe.“ Bei der Arbeit jedoch spielt für ihn Zeit keine Rolle – Plattenverträge, die ihn in ein zeitliches Korsett zwingen, hat er nie akzeptiert. Gabriel sagt über sich selbst: „Ich halte mich nicht für sehr clever oder talentiert, aber ich bin ein sturer Teufel.“ Diese Sturheit begründet auch den ihm eigenen Zeitbegriff – mit ein Grund, warum manche seiner Mitarbeiter an ihm und den schier endlosen Produktionsphasen für ein neues Album verzweifelten und warum er letztlich auch nicht mehr der Frontman von Genesis sein wollte und konnte – einer Band, die ursprünglich sowieso nur als Songwriter-Kollektiv gedacht war.

Mit 11 Jahren ein Nacktschnecken-Lied komponiert

In Gabriel, der bereits als Elfjähriger den Song „Sammy The Slug“ („Sammy, die Nacktschnecke“) komponierte, schlummerte stets ein experimentierfreudiger Eigenbrötler, der sich „immer wieder selbst zum Einsatz der Fantasie überredet“, um neues Terrain zu betreten. „Künstler sind Gewohnheitstiere, sie müssen sich selbst überlisten, um weiterzukommen.“ Und das kann dann auch mal so aussehen, wie bei der Aufnahmesession zu „Modern Love“ auf Gabriels ersten Solo-Album: Er brachte den Refrain nicht zustande, weshalb er sich von seinem Produzenten außerhalb des Studios samt Mikrofon so lange an eine Säule binden ließ, bis er den Part geschafft hatte.

Immer wieder auch deutsche Versionen veröffentlicht

Schon mit diesem ersten Album, das wie seine drei Nachfolger schlicht „Peter Gabriel“ hieß, stellte sich der gewohnte Erfolg ein, vor allem dank der Single „Solsbury Hill“. Im Laufe der nächsten Jahre kamen weitere Hits hinzu: „Biko“, „Shock The Monkey“ oder „Games Without Frontiers“ – von denen es zum Teil auch deutsche Versionen gibt, da Gabriel seine ersten beiden Alben auch auf Deutsch eingesungen hat, und das zu einer Zeit, in der es bei ausländischen Künstlern längst nicht mehr üblich war, deutsche Fassungen ihrer Lieder zu veröffentlichen, wie das noch die Beatles, Elvis oder Johnny Cash getan hatten.

Politische Botschaften

So ganz nebenbei hat Gabriel durch seine Alben nicht nur Synthesizer-Klänge und Weltmusik in der Rockmusik salonfähig gemacht, sondern seine Musik auch immer wieder als Plattform genutzt, um sich politisch zu äußern und sich für Menschenrechte einzusetzen.

Bahnbrechende Videos

1986 gelang Peter Gabriel dann der ganz große Durchbruch. Sein Album „So“ bestach nicht nur durch brillante Popmusik, auch die Videos zu den Singles „Big Time“ und „Sledgehammer“ waren bahnbrechend und gehörten noch Ende der 90er Jahre zu den meistgespielten Videos auf MTV. Danach wurde es etwas ruhiger um Gabriel, der sich in seine Real World Studios in der englischen Grafschaft Wiltshire zurückzog, um dort stilistisch völlig unterschiedlichen Musikern aus aller Welt freie Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten.

Kaum noch in der Öffentlichkeit

Mittlerweile ist Gabriel fast ganz im Privaten untergetaucht. 2016 ist noch die Single „The Veil“ erschienen, die er zusammen mit Oliver Stone für den Film „Snowden“ erarbeitet hat. Sein letztes Album stammt aus dem Jahr 2011 und seine letzte Tournee liegt auch schon sechs Jahre zurück.

Übrigens: Außer seinem 70. Geburtstag gibt es in diesem Jahr noch ein weiteres Jubiläum zu feiern: Vor 50 Jahren hat Peter Gabriel bei den Aufnahmen zu Cat Stevens’ Album „Mona Bone Jakon“ die Flöte gespielt.

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