Deutschrap RHEINPFALZ Plus Artikel Ohne viel Schnick-Schnack: Luciano überzeugt Fans in Mannheim

Für Luciano ist es die erste Tour durch große Hallen wie die SAP-Arena.
Für Luciano ist es die erste Tour durch große Hallen wie die SAP-Arena.

Kaum einer ist in der Deutschrap-Szene gerade so gefragt wie der Berliner Luciano. In der SAP-Arena Mannheim hat er seinen Fans kräftig eingeheizt: in guter alter Hip-Hop-Manier.

Mit Millionen Streams auf Spotify und über 1,5 Millionen Abonnenten auf Instagram zählt Luciano, der mit bürgerlichen Namen Patrick Großmann heißt, zu den erfolgreichsten Rappern Deutschlands. Seine Veröffentlichungen erhielten bisher mehr als zehn Gold- und drei Platinauszeichnungen. Der 28-Jährige hat hierzulande den Drill-Rap mit etabliert. Diese ursprünglich in den 2010er-Jahren unter US-Straßengangs entstandene Musikrichtung ist ein Subgenre von Rap und Trab. Düstere Stimmung wird dabei häufig gepaart mit explizit anzüglichen und Gewalt verherrlichenden Texten, die häufig sehr schnell gerappt werden.

Besonders in den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich ist Drill-Rap gerade bei jungen Menschen sehr beliebt. In Deutschland finden sich auch immer mehr Anhänger und Künstler. Luciano sieht sich selbst von der Drill-Rap-Szene aus San Francisco inspiriert. Sein Debüt „Eiskalt“ veröffentlichte er 2017. Sein im Sommer 2021 erschienenes Album „Aqua“ ist sein bisher erfolgreichstes. Seit 2022 steht sein Album „Majestic“ in den Plattenläden.

International erfolgreich

Der Künstler wird nicht nur für seine Musik gefeiert. Wie viele andere Rapper probiert er sich in der Lebensmittelbranche aus. Neben diversen Getränken seiner eigenen Marke soll es bald auch ein Müsli geben. Das soll, so sagt der Rapper selbst, ein zweites Standbein sein neben seiner Musik. Mit dieser feiert er mittlerweile nicht nur in Deutschland große Erfolge. Sogar in den UK und den USA taucht Luciano in den Charts auf. Weltstars wie Nicky Minaj oder John Cena haben sich im Internet als Luciano-Fans geoutet. Mit den bekannten britischen Künstler Stormzy und Headie One hat er bereits mehrere gemeinsame Songs veröffentlicht.

Teure Autos, teure Klamotten, schöne Frauen und Drogenkonsum: Wer in der Szene geschätzt werden will, protzt gerne. Nicht nur in seinen Videos oder Songtexten, sondern auch auf der Bühne. Viele bekannte Künstler setzen deshalb bei ihren Shows auf Pyrotechnik, ein aufwendiges Bühnenbild, Tänzerinnen mit viel nackter Haut und die neueste Technik. Umso überraschender der Auftritt von Luciano: Lediglich ein DJ-Pult und zwei große Bildschirme stehen auf der Bühne. Darauf zu sehen ist entweder Luciano bei seinem Auftritt oder bewegte Bilder, die zum jeweiligen Lied passen.

Musik im Vordergrund

Alles an dem Auftritt ist schlicht gehalten. Auch Luciano bleibt in einem schwarzen und später weißen Outfit eher schlicht, performt all seine Songs live und hat ganz offensichtlich Spaß bei jedem Song. Lediglich seine dicke, funkelnde Kette passt zum protzigen Rapper-Image. Es gibt zwar kleinere Pyroeffekte auf der Bühne und eine Lichtshow, aber der Auftritt des Berliners bleibt dem Hip-Hop treu: Die Musik und die Texte stehen im Vordergrund.

Ein Meer aus Lichtern: Luciano bei seinem Auftritt in der SAP-Arena.
Ein Meer aus Lichtern: Luciano bei seinem Auftritt in der SAP-Arena.

Auch die Nähe zum Publikum ist Luciano wichtig. Bühnenbild, Tänzer und viele Effekte wären da nur im Weg. Viel Show scheinen die Fans des Künstlers ohnehin nicht zu brauchen – die machen sie sich, gerade auf den Stehplätzen, selbst. Die Zuschauer heizen sich mit sogenannten Moshpits ein. Dazu bilden sich große Kreise in der Menge, in denen zunächst getanzt wird. Wenn der Beat dann einsetzt, stürzt der Moshpit in sich zusammen und die Tanzenden springen auf- und gegeneinander. Verletzt wird dabei im Normalfall aber keiner.

Auch für die Zuschauer auf den oberen Rängen ist dieses Schauspiel mitreißend. Luciano selbst ruft immer wieder zu Moshpits auf, erkundigt sich bei den Fans, ob es ihnen danach gut geht. Die Antwort darauf ist immer wieder lauter Jubel.

Die Fans tragen die gut zweistündige Show mit. Sie rappen bei Songs wie „Beautiful Girl“ oder „Schmetterling“ textsicher mit, leuchten mit den Handykameras, jubeln und tanzen ausgelassen. Luciano lässt diese Stimmung nicht kalt. „Ich bin unendlich dankbar. Es ist mein erster Auftritt hier in Mannheim. Die Energy ist crazy!“, ruft er seinen Fans zu und bekommt dafür wieder lautstarken Jubel zurück. Auf seiner „Majestic“-Tour spielt der Rapper, der als Sohn einer deutschen Mutter und eines mosambikanischen Vaters in einem Berliner Problemviertel aufgewachsen ist, das erste Mal in größeren Arenen.

Als Zugabe präsentiert er am Ende seine größten Hits, darunter „Bamba“, der auf Spotify mittlerweile über 103 Millionen Mal gestreamt wurde.

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