Klassik
Meister des opulenten Klangs: Kirchenkomponist Max Reger wäre 150 Jahre alt
Strukturell ist sein Werk ohne die Rückbesinnung auf die formalen Tugenden des Leipziger Übervaters kaum denkbar. Klanglich aber öffnete er alle Schleusen spätromantischer Entgrenzung, inspirierte die Neue Wiener Schule nachweislich, ohne den tonalen Schutzraum je wirklich zu verlassen. Und hat jenseits der Sakralmusik die aufregend umbruchsüchtige Epoche des Fin de Siècle mit einer Fülle fantastischer Kammer- und Orchestermusiken sowie 300 Liedern bereichert.
Am Sonntag jährt sich sein Geburtstag zum 150. Mal. Johann Baptist Joseph Maximilian Reger wurde am 19. März 1873 im kleinen Flecken Brand im Fichtelgebirge als Sohn eines Dorfschullehrers in ein streng katholisches Umfeld hineingeboren. Seine Kindheit verbrachte er in Weiden, genoss früh eine umfassende musikalische Ausbildung an Klavier und Orgel.
Die Sturm und Trankzeit
Ein Besuch der Bayreuther Festspiele begeisterte den 15-Jährigen derart, dass er beschloss Musiker zu werden. Während des Studiums in Wiesbaden schlug er sich mit Klavier- und Orgelstunden durch, konzertierte wenig erfolgreich und wurde zum ungeliebten Militärdienst eingezogen. Als ihn seine Schwester 1898 nach seiner „Sturm- und Trankzeit“, wie er diese Phase selbst später bezeichnete, wieder ins Elternhaus holte, war er kränklich, alkoholabhängig und hatte einen Berg Schulden angehäuft.
Zu Hause klappte es mit dem Komponieren wieder. Er schrieb ein üppiges Konvolut an Orchesterwerken, Kammermusiken und – für die Kirchenmusik eine wahre Schatzkammer – Motetten, Kantaten, Geistliche Lieder, Choralbearbeitungen und monumentale Orgelfantasien. Das Gesamtwerk seiner Partituren umfasst 38 dicke Bände. 1901 übersiedelte Reger nach München und traf dort seine Jugendliebe wieder, die Protestantin Elsa von Bercken, die er 1902 heiratete, worauf er exkommuniziert wurde. Das Paar adoptierte zwei Töchter.
Mit Reger auszukommen, fiel den Zeitgenossen nicht leicht. Er galt als hochemotionaler Charakter, aufbrausend, direkt und zuweilen unausstehlich launisch. So blieb er nur rund ein Jahr im Amt des Leiters an der Königlichen Akademie der Tonkunst in München, das er 1905 als Nachfolger von Joseph Rheinberger angetreten hatte. Auch zwei Jahre später zum Universitätsmusikdirektor und Professor am Konservatorium in Leipzig berufen, hielt es ihn dort nicht lange.
Herzstillstand mit nur 43 Jahren
1911 wurde Reger zum Leiter der Meininger Hofkapelle berufen, dem damals wohl berühmtesten Orchester im deutschsprachigen Raum – für ihn ein wahrer Traumjob. An der Leipziger Hochschule unterrichtete er weiter. Zu seinen Studenten zählten Othmar Schoeck, Joseph Haas und Erwin Schulhoff. Und er komponierte geradezu manisch. Zunehmend rückte dabei seine Beschäftigung mit Bachs Werk in den Mittelpunkt. Er übersetzte es verehrungsvoll in die Tonsprache seiner Zeit und seiner eigenen Dichtung.
Regers wurde zum meistgespielten Komponisten seiner Zeit, war zudem als Dirigent gefragt. Er arbeitete rastlos: Unterricht, Einstudierungen, Konzerttourneen, Kompositionsmarathon und dazwischen Trinkexzesse. Nach einem Kneipenbesuch mit Studenten in Leipzig erlag Reger am 11. Mai 1916 mit erst 43 Jahren einem Herzstillstand.