Karlsruhe RHEINPFALZ Plus Artikel Märchenhafte Oper: Dvoraks „Rusalka“ am Badischen Staatstheater

Die drei Elfen sind im Drogenrausch: Szene aus der neuen Karlsruher „Rusalka“.
Die drei Elfen sind im Drogenrausch: Szene aus der neuen Karlsruher »Rusalka«.

Musikalisch ist die neue Produktion der Opernsparte am Badischen Staatstheater in Karlsruhe sehr gelungen. Antonin Dvoraks „Rusalka“ mit Johannes Willig am Pult wird vom ersten bis zum letzten Takt mit viel Ausdruck und Aura zum Klingen gebracht. Weniger eindrucksvoll ist die szenische Realisierung von Katharina Thoma.

Die beiden bekanntesten tschechischen Komponisten der Romantik, Bedrich Smetana und Antonin Dvorak, haben zwar zahlreiche Opern komponiert, aber jeweils nur eine ist in den Spielplänen geblieben, bei Smetana die „Verkaufte Braut“ und bei Dvorak die Märchenoper „Rusalka“, aus der das Lied an den Mond der Titelfigur zudem zu einem der größten Opernhits geworden ist.

Von Smetana wurde im Badischen Staatstheater Karlsruhe vor 20 Jahren immerhin einmal „Dalibor“ gegeben, von Dvorak wäre auf jeden Fall der „Dimitrij“ lohnend. Nun aber wieder „Rusalka“, die zuletzt 2007 in einer bunten, „kindertheaterlastigen“ (so damals Gerd Kowa in der RHEINPFALZ) Inszenierung in Karlsruhe gespielt wurde. Nun, Kindertheater und Märchenspiel macht Katharina Thoma in der neuen Produktion nicht. Im Gegenteil. Schon zum Vorspiel gibt es die (nicht im Libretto) stehende Vergewaltigung der jungen Hexe Jezibaba. Diese furchtbare Gewalttat wird gleichsam zum Hintergrund, vor dem sich die unglücklich endende Liebesgeschichte zwischen der Nixe Rusalka und dem Menschenprinzen abspielt.

Drogensüchtige Nixen

Die Regisseurin stellt den Stoff in der Ausstattung von Verena Hemmerlein tendenziell realistisch vor und setzt auch einen sozialkritischen Akzent mit dem Gegensatz zwischen einer luxuriösen Hofwelt einschließlich der mondänen fremden Fürstin und der unterprivilegierten Wasserwelt mit dem Wassermann als werktätigem Fischer. Warum aber die drei Elfen drogenabhängig sind und vom Jäger/Dealer mit Stoff versorgt werden, erschließt sich nicht wirklich.

So bleibt die szenische Einstudierung letztlich eher unverbindlich und bietet trotz einiger schöner Bilder (besonders beim Lied an den Mond) zu wenig Anlass zu einer wie immer, positiv oder negativ, ausfallenden Auseinandersetzung.

Musikalischer Zauber

Klar ist dagegen, dass die musikalische Wiedergabe der Partitur und ihrer Schönheit mit großer Überzeugungskraft gerecht wird. Der erste Kapellmeister Johannes Willig sorgt für eine nicht nachlassende Spannung und leidenschaftliche Höhepunkte. Er weiß aber auch die zahlreichen lyrischen Momente der Musik von Dvorak mit viel Empfindung zu entfalten. Und er hat ein ausgeprägtes Gespür für den individuellen Ton und das gerade in den reinen Orchesterpartien zu erkennende tschechische Flair dieser Musik. Er kann bei all diesen Tugenden auf eine Badische Staatskapelle verlassen, die mit bestechender Klangkultur in allen Registern spielt.

Musikalisch ist er denn auch in hohem Maße zu spüren, der wahrlich märchenhafte Zauber dieser Oper.

Schon 2007 waren Barbara Dobrzanska und Konstantin Gorny bei der „Rusalka“ besetzt gewesen, die Kammersängerin ist nun aber von der Titelrolle zur fremden Fürstin gewechselt, der Kammersänger gibt wieder den Wassermann. In der von mir besuchten Vorstellung war allerdings die jeweils andere Besetzung zu hören – mit Dorothea Spilger als einer furios singenden und agierenden fremden Fürstin und dem anderen Wassermann Vazgen Gazaryan. Dieser stattete seine Partie mit einem volltönenden Bass und nicht nur in den „Wehe! Wehe!“-Rufen mit intensivem Ausdruck aus.

Rusalka und Prinz sind in allen Vorstellungen in der Regel Dorothea Herbst und der als Gast wieder ans Haus zurückgekehrte Tenor Rodrigo Porras Garulo. Dorothea Herbst, die in dieser Spielzeit auch schon Senta in Wagners „Holländer“ in Karlsruhe sang, ist auch als Rusalka eine differenziert gestaltende Sängerin. Das berühmte Lied an den Mond singt sie im Piano ganz intim und verinnerlicht. Die Sopranistin verfügt aber auch über den gebotenen Nachdruck in den dramatischen Partien und über eine prachtvolle Höhe. Rodrigo Porras Garulo verbindet Stimmkraft mit einer ebenfalls nie pauschalen, sondern sinnfällig angelegten Gestaltung seiner Partie. Schade, dass gerade die beiden Szenen zwischen Rusalka und dem Prinzen inszenatorisch so blass ausfallen. Gundula Hintz zeichnet mit pointierter Diktion ein markantes Bild der Hexe Jezibaba.

Überzeugend sind auch die kleinen Partien besetzt – und agiert der vorzügliche Staatsopernchor.

Termine

Vorstellungen am 8., 23. und 28. Juni sowie 16. und 22. Juli, www.staatstheater.karlsruhe.de, Telefon 0721 933333.

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