Kultur RHEINPFALZ Plus Artikel Kunst aus Pappe: Die Ausstellung von Eva Jospin in Kaiserslautern

Viel zu sehen: Eva Jospins „Panorama“ aus dem Jahr 2016 ist aus Karton gefertigt.  Foto: Rainer aus dem Kahmen/© VG Bild-Kunst,
Viel zu sehen: Eva Jospins »Panorama« aus dem Jahr 2016 ist aus Karton gefertigt.

„Wald(t)räume“ heißt die Schau der Französin Eva Jospin in der Pfalzgalerie. Es ist die Deutschland-Premiere der Künstlerin und Tochter des früheren französisches Premierministers Lionel Jospion. Zu sehen ist eine fantastisch-fesselnde Parallelwelt.

Schon während ihres Studiums an der Staatlichen Hochschule der Schönen Künste Paris wandte sich die 1975 geborene Pariserin einem Material zu, das sie förmlich von der Straße aufklaubte: Karton. „Mit meiner Malerei hätte ich es nicht hierhergeschafft“, sagt Eva Jospin und lächelt versonnen. „In meiner Nachbarschaft waren viele Modeboutiquen, die stellten die Kartons auf die Straße, dort habe ich sie mir geholt“, erzählt sie. Die Nachbarschaft hat sich nach und nach gewandelt, die billigen Boutiquen und die Kartons verschwanden. Jospin organisierte sich bei Fahrten in die Pariser Vorstadt Aubervilliers ihre Kartons, alte und neue, schmutzige und saubere. „Mittlerweile habe ich einen Sponsor“, sagt sie. Eine Papierfabrik stattet sie mit Material aus. Aber immer noch verwendet sie alte, gefundene Kartons, die sie mit Scheren, Messern oder einer kleinen Fräse bearbeitet.

Pappe ist aber nicht das einzige Material, das Jospin in den 30 Exponaten der Pfalzgalerie-Schau verwendet hat. Es finden sich auch noch Holz, Messingdrähte, Muscheln und kleine Steine, mit denen sie ihre Landschaften, Gärten und Grotten ausstaffiert. Sie verstärken den Detailreichtum der dreidimensionalen Werke, die bis in den letzten Winkel der hintersten Ebene noch bearbeitet wurden.

Inspirieren ließ sich Jospin von der Landschaftsmalerei des 18. Jahrhunderts, von Wandteppichen, von der Land Art, zu der die Gartenarchitektur gehört, und bei Waldspaziergängen. Der Karton gebe durch seine Struktur das Sujet fast schon vor, die Wellpappe komme der Rinde von Bäumen sehr nahe, bemerkt sie.

Als Jospin 2017 bei der ersten Vorbesprechung der Schau in der Pfalzgalerie weilte, erschienen ihr die jetzt belegten zwei Flügel als Ausstellungsfläche zu groß. „Wir mussten sie zuerst davon überzeugen“, erzählt Pfalzgalerie-Direktorin Britta Buhlmann, die die Künstlerin 2015 für sich entdeckt hatte. Zusammen mit Kuratorin Annette Reich gelang das. „Ich fühle mich gut damit“, sagt Jospin und sieht einen Gewinn für sich: „Hier sind sehr viele Arbeiten von mir, die ich noch nie zusammen gesehen habe. Hier kann ich sehen, wie sie zusammen wirken. Das ist ein großer Schritt für mich und bietet die Gelegenheit, die Arbeiten in einer Weise installiert zu sehen wie noch nie zuvor.“

In Kaiserslautern sind Werke zu sehen, die zwischen 2013 und 2019 entstanden sind. Es sind nicht nur die fantastischen Landschaften und Wälder, es sind auch viele Tuschezeichnungen, in denen sie das Motiv der Grotte aufgreift. Es sind Rollbilder mit Bleistift und Tinte auf Transparentpapier, die in Glaskästen montiert sind und sich über einen Drehmechanismus wie Guckkastenbilder aus dem 17. Jahrhundert bewegen lassen. Wie bei den Wandreliefs und Panoramen sind die Bilder detailreiche, feine Zeichnungen.

„Die vielen Details erfordert die Konzentration der Leute, es gibt viel zu sehen, schon fast zu viel“, räumt sie ein. Jospins Arbeiten fordern die Aufmerksamkeit des Betrachters. Das Auge droht, sich in den Details zu verlieren. Sie lösen anregende Gedankenreisen aus. „Jeder soll das auf seine eigene Weise erleben. Das sind alles offene Werke. Ich versuche nicht, die Leute und ihre Empfindungen in eine Richtung zu drängen. Die Begegnung damit hat etwas Intimes, das ist jedes Mal sehr persönlich. Das ist wie eine Leinwand, jeder kann seine Gefühle darauf projizieren“, sagt Jospin.

Eva Jospin, die mit ihrem Mann und drei Kindern in Paris lebt und arbeitet, trägt einen bekannten Namen. Ihr Vater ist Lionel Jospin, der von 1997 bis 2002 französischer Premierminister war. „Meine ersten Gruppenausstellungen waren in Italien. Da war der Name nicht von Bedeutung“, betont sie. Es sei sehr schwierig, Zugang zur Kunstszene zu finden. „Ich habe auch lange gesucht, wo die Tür für mich ist.“ Aber spätestens seit sie 2016 im Innenhof des Louvre eines ihrer Panoramen ausgestellt hat, hat sie diese Tür durchschritten. „Erfolg ist harte Arbeit“, sagt sie - ganz unabhängig vom Namen.

Ausstellung

Eva Jospin – Wald(t)räume, Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, Museumsplatz 1, 24. August bis 12. Januar, dienstags 11 bis 20 Uhr, mittwochs bis sonntags und Feiertage 10 bis 17 Uhr. Zur Ausstellung erscheint im Verlag Edition Cantz ein zweisprachiger Katalog.

Künstlerin mit berühmten Namen: Eva Jospin.  Foto: Andreas Danner
Künstlerin mit berühmten Namen: Eva Jospin.
Mehr zum Thema
x