Nachruf
Kumpletyp mit Köpfchen: Zum Tod von Elmar Wepper
Bei Presseterminen und in Interviews wirkte der Sohn eines Kriegsvermissten genauso wie auf dem Bildschirm: ein schlitzohriger Charmebolzen mit bayerisch getönter und sonor geübter Synchronsprecherstimme, zurückhaltend und bedachtsam, ganz ohne die üblichen entrückt-abgedrehten Allüren. Ein Kumpeltyp mit Intellekt, zurückhaltend, aber erfrischend natürlich.
Als lächelnder Filou und Hallodri gewann Elmar Wepper mit treuherzigem Dackelblick die weiblichen Zuschauer, während er die Männer hemdsärmelig bis kernig auf seine Seite zog. Im seriellen Fernseh-Einerlei hat er ungezählte, mit Sicherheit mehrere hundert Episoden durch authentisches Spiel geadelt. Allein die Vorabendreihe „Polizeiinspektion 1“, in der er den Streifenbeamten eines mit vielerlei Alltagsabenteuern konfrontierten Vorstadt-Reviers verkörperte, brachte es ab 1977 auf 120 Folgen.
Feine Schauspielkunst
Mit Uschi Glas gab er in zwölf Folgen von „Unsere schönsten Jahre“ und anschließend in 37 Kapiteln über „Zwei Münchner in Hamburg“ ein Durchschnitts-Paar von heute, wie es Fernsehautoren ihrem Publikum vorgaukeln zu können glauben. Wer ihn an der Seite der (exakt einen Monat älteren) Aktrice sieht, erkennt auf Anhieb den Unterschied zwischen angestrengt bemühter und natürlich glaubhafter Saloppheit, zwischen wackerem Dilettantismus und leichthin skizzierender Schauspielkunst.
Ein Fest ist dagegen jedes Wiedersehen mit dem Zwölfteiler „Irgendwie und sowieso“, für den Autor und Regisseur Franz-Xaver Bogner die komplette Phalanx bajuwarischer Alt- und Nachwuchs-Stars aufmarschieren ließ. Elmar Wepper spielt einen Automechaniker, der gemeinsam mit Ottfried Fischer und Robert Giggenbach den Aufbruchsgeist der Hippie- und 68er-Generation in die Provinz verpflanzt.
Er war über Jahrzehnte dauerhaft und fast immer in Hauptrollen beschäftigt. Dennoch schien er in der öffentlichen Wahrnehmung häufig im Schatten des drei Jahre älteres Bruders und Kollegen Fritz Wepper zu stehen, mit dem zusammen er bereits als Jugendlicher vor Kamera und Radiomikrofon gestanden war.
1974 übernahm Elmar die Rolle des Kriminalassistenten in der Serie „Der Kommissar“, als Fritz (womöglich unter Preisgabe einer internationalen Karriere) in gleicher Position zu „Derrick“ wechselte. 20 Jahre danach verfiel das ZDF der nahe liegenden, darum nicht eben originellen Idee, die beiden zusammenzuspannen und unter dem Titel „Zwei Brüder“ in (Krimi-) Serie zu gehen. Noch ein bisschen später wurde das Duo mit dem Bayerischen Fernsehpreis fürs jeweilige Lebenswerk ausgezeichnet.
Der späte Erfolg im Kino
Spät und unerwartet und in höchstem Maß verdient stellte sich für Elmar Wepper der Ruhm als Filmschauspieler ein. In „Lammbock“ (2001) sowie dessen Fortsetzung „Lommbock“ (2017) spielt er den Vater eines Studenten, der gemeinsam mit seinem Kumpel einen Pizzadienst mit Drogen-Zugabe betreibt. Doris Dörrie besetzte ihn im modernen Märchen „Der Fischer und seine Frau“ (2005) als finanzkräftigen Koi-Liebhaber – und verhalf ihm schließlich 2008 zur Rolle seines Lebens.
In „Kirschblüten – Hanami“ gab er mit der wunderbaren Hannelore Elsner ein Ehepaar an der Schwelle zum Seniorenalter. Als Trudi erfährt, dass Rudi bald sterben muss, behält sie es für sich, überredet ihn aber zu einer gemeinsamen Reise. Unterwegs stirbt nicht er, sondern sie. Der vor Verzweiflung wie gelähmte Rudi erinnert sich an ihre Begeisterung für Japan und den Butoh-Tanz. Er versucht, sich am Fujiyama seiner Trauer zu stellen.
Die Rolle seines Lebens
Unsentimental und ohne jede denunziatorische Peinlichkeit führt Elmar Wepper das Drama und die Einsamkeit des alternden Manns vor, der nicht weiß, wohin er soll mit seinen Gefühlen. Regisseurin Dörrie legte unlängst unter dem Titel „Kirschblüten und Dämonen“ eine Art Fortsetzung vor, in der Elmar Wepper in Rückblenden zu sehen ist.
Auf den vielen internationalen Lorbeeren für „Kirschblüten“ musste er sich erst gar nicht ausruhen. In „Dreiviertelmond“ (2011) ist er ein Taxifahrer, der als unfreiwilliger Betreuer eines sechsjährigen Mädchens seinen „Grant“ überwindet; in „Alles ist Liebe“ (2014) ein liegen gebliebener Autofahrer, der zum Lebensretter wird; schließlich in „Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner“ (2018) besagter Topfpflanzen-Zampano, der nach der beruflichen Pleite im Doppeldecker ans Nordkap fliegt.
Elmar Wepper war zu klug, zu realistisch und wohl auch zu bescheiden, um der verspäteten Anerkennung durchs Feuilleton allzu viel Bedeutung beizumessen. Er wusste, was er war und was er konnte. Sein Publikum weiß es ebenso. Es wird ihn vermissen.