Architektur RHEINPFALZ Plus Artikel Haus mit „WOW“: Das „Werk 12“ in München ist das „beste Bauwerk“ Deutschlands

Spricht für sich: „Werk 12“ in München.
Spricht für sich: »Werk 12« in München.

Das Gebäude „WOW“ zu finden, ist fast schon banal. Soufflieren es doch lautmalende metallene Lettern an der Fassade. Jetzt ist das „Werk 12“ in München von MVRDV aus Rotterdam und N-V-O von Ofele Architekten auch noch ganz offiziell zum bundesweit „besten Bauwerk“ gekürt worden. Das Frankfurter Deutsche Architekturmuseum hat ihm den DAM-Preis verliehen. Hm, zu Recht?

Die Hochstapelei im aufstrebenden Münchner Stadtteil Werksviertel ist typisch für das Büro MVRDV. Blaupause: der niederländische 2000er-Expo-Pavillon in Hannover, landestypische Landschaften auf mehreren Ebenen gestapelt. Beim „Werk 12“ sind fünf fünf Meter hohe Geschosse zu einem gläsernen Würfel aufgetürmt. 7700 Quadratmeter, größtmöglicher Durchblick, Terrassen rundum, sich um das Gebäude windende Kaskadentreppen.

Dazu der in der Dunkelheit bunt angestrahlte, geschosshohe Comic-Sprech in Großbuchstaben – wie „AAHHH“ und „OH“. Und „WOW“ eben. Im Innern offene Installationen, dominanter Sichtbeton und viel Spielraum, der durch eingezogene Galerien genutzt wird.

Besonders Corona-tauglich?

„Rotzig, glamourös“, urteilt Jurorin Amber Sayeh über das gemischt genutzte Hybrid-Gebäude, in dem ein Fitnessstudio mit Schwimmbad die mittleren drei Ebenen belegt. Im Erdgeschoss sind Restaurants und Bars angesiedelt. Ganz oben ist das Denklabor eines Automobilherstellers untergebracht. Heißt auch, im Lockdown sind vier Fünftel des Gebäudes geschlossen. Trotzdem heißt es in der Begründung der DAM-Jury, das Haus sei besonders Corona-tauglich.

Gemeint damit: die vollständig außenliegende Erschließung, die eine über die vorläufige Belegung hinausweisende Flexibilität im Innern erst möglich macht. Die Terrassen und Treppen, die sich zur Ansteckungsvermeidung aufsuchen lassen und durch den identischen Bodenbelag, der auch rund um das Gebäude verlegt wurde, zusätzlich als öffentlicher Raum markiert sind. Vielleicht auch, dass das Gebäude uns gerade mit „HMPF“ und „PUH“ aus der Seele spricht.

Nur ein Kandidat aus der Pfalz

Im Finale jedenfalls hat sich das 2019 fertiggestellte „Werk 12“ unter anderem gegen ein „Wohnregal“ und die neue Hochschule für Schauspielkunst Ernst-Busch in Berlin durchgesetzt. Aus Rheinland-Pfalz indes war lediglich der Umbau des Hallenbads Nord in Ludwigshafen von Milla Architekten (Karlsruhe) unter den 99 Aspiranten vertreten. Was soll man sagen? URGHH vielleicht – so was.

Informationen

Schau „DAM-Preis 2021. Die 25 besten Bauten in/aus Deutschland“ , bis 13. Juni im (derzeit geschlossenen) DAM Frankfurt. Preisträger und Nominierte im „Architekturführer Deutschland 2021“ (DOM publishers, Berlin, 28 Euro).
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