Kultur Grober Unfug

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Ramelow muss bei der Nationalhymne immer an Naziaufmärsche denken.

Natürlich konnten sich weder August Hoffmann von Fallersleben, noch Joseph Haydn kaum vorstellen, was einmal aus ihren Worten beziehungsweise Noten so gemacht werden würde. Fallersleben dichtete sein „Lied der Deutschen“ 1841 auf Helgoland, getrieben von der Sehnsucht nach einem geeinten Deutschland. Die Melodie von Joseph Haydn stammt aus dem Jahr 1797 und wurde auf unterschiedliche Texte in der Donaumonarchie als Kaiserhymne gesungen. Es hat seinen guten Grund, dass sich nach 1945 Bundespräsident Theodor Heuss (FDP) und Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) darauf verständigten, bei offiziellen Anlässen nur noch die dritte Strophe des Liedes zu singen. Die erste war verbrannt – durch 1000 Jahre Nazi-Diktatur. Das von Fallersleben ganz anders und auch sehr persönlich gemeinte „Deutschland, Deutschland über alles!“ war zum Schlachtruf eines Regimes geworden, das sich die Welt unterwerfen wollte. Niemandem waren diese Zeilen nach dem Krieg mehr zuzumuten, und es ist zutiefst beschämend und verstörend, wenn eine im Bundestag vertretene Partei wie die AfD bei offiziellen Veranstaltungen immer wieder als bewusste Provokation die erste Strophe anstimmt. Oft genug mit ihrem extremen Rechtsaußen Björn Höcke als demagogischen Vorsänger. Nach der Wiedervereinigung haben sich Bundeskanzler Helmut Kohl und Bundespräsident Richard von Weizsäcker in einem Briefwechsel darauf verständigt, die dritte Strophe nun offiziell als Nationalhymne eines geeinten, demokratischen und freien Deutschlands zu erklären. Sicherlich ganz im Sinne von Fallerslebens. Aber nicht im Sinne von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow. Der Linke-Politiker plädierte in der „Rheinischen Post“ für einen neuen Text, „der so eingängig ist, dass sich alle damit identifizieren können“. Er könne das „Bild der Naziaufmärsche von 1933 bis 1945 nicht ausblenden“. Das ist, mit Verlaub, grober Unfug. Die Nationalhymne ist ein Symbol, das weit größer ist als sein nationalistischer Missbrauch in der Vergangenheit und leider auch in der Gegenwart. Niemand sollte ernsthaft ein Problem damit haben, „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland“ zu singen.

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