Filmpreise
Golden Globes: Deutsche gehen leer aus
Die Hoffnungen der zwölfjährigen Berlinerin Helena Zengel auf eine goldene Weltkugel haben sich indes zerschlagen: Sie unterlag mit ihrer starken Leistung im Western „Neues aus der Welt“ allerdings einer ganz Großen: Jodie Foster gewann den Nebendarstellerinnen-Globe für ihren Auftritt im britischen Film „The Mauritanian“, der hierzulande am Freitag in der Berlinale-Reihe „Special“ läuft und in die Kinos kommen soll, wenn diese wieder öffnen.
Eine Filmpreisverleihung in Zeiten weitgehend geschlossener Kinos ist ohnehin eine seltsame Sache. Die Gala lief virtuell ab, Nominierte saßen in Abendgarderobe auf heimischen Sofas und wurden für ihre Dankesworte zugeschaltet. Die Moderation teilten sich gleich zwei gestandene Komikerinnen, Amy Poehler und Tina Fey, die gleich eingangs Kritik an der Organisation aufgriffen, die die Globes vergibt: Denn die Vereinigung von Hollywoods Auslandspresse hat kein schwarzes Mitglied.
Jedoch gingen drei der vier Schauspielpreise in der Drama-Kategorie (die Globes werden zudem in der Sparte Komödie/Musical vergeben) dann an schwarze Schauspieler: Daniel Kaluuya gewann für seine Darstellung als Black-Panther-Anführer Fred Hampton in „Judas and The Black Messiah“. Die Sängerin und Schauspielerin Andra Day siegte mit ihrer Verkörperung von Jazzsängerin Billie Holiday in „The United States vs Billie Holiday“. Einen Jazzmusiker spielte auch Chadwick Boseman in „Ma Rainey’s Black Bottom“, wofür er postum geehrt wurde: Der 43-Jährige, der mit der Titelrolle in der Comicverfilmung „Black Panther“ berühmt und zum Idol des afroamerikanischen Amerikas wurde, war vergangenen August mit nur 43 Jahren an Krebs gestorben. Auch der prämierte Disney-Animationsfilm „Soul“ hat eine schwarze Hauptfigur und erzählt von Jazz.
„Nomadland“ ganz vorne
Der große Gewinner des Abends aber ist der Film „Nomadland“, der bereits im Herbst das Filmfestival von Venedig gewann und nun als bestes Filmdrama und für die Regie ausgezeichnet wurde. Das Porträt einer nicht mehr jungen Frau, die zu den Verlierern der US-Wirtschaftskrise gehörte und, nachdem sie ihr Haus und ihre Arbeit verloren hat, nun als moderne Nomadin durchs Land zieht, basiert auf dem Sachbuch „Nomaden der Arbeit“ der Journalistin Jessica Bruder. Neben Oscarpreisträgerin Frances McDormand spielen eine Reihe der von Bruder porträtierten Menschen sich im Film selbst. „Nomadland“ ist der dritte Spielfilm von Chloé Zhao. Die in Peking geborene und meist in den USA arbeitende 38-Jährige ist erst die zweite Frau in der Geschichte der seit 1944 vergebenen Globes, die in der Regie-Sparte gewinnen konnte (die erste war Barbra Streisand 1984 mit „Yentl“). „Durch Mitgefühl lassen sich alle Hindernisse zwischen uns überwinden“, sagte sie – das Haar in zwei praktische Zöpfe geflochten – in ihrer Dankesrede insbesondere über die Zusammenarbeit mit den Nomaden.
14 Film-Trophäen sind bei den Globes vergeben worden, dazu gab es elf Preise in Fernsehkategorien. Hier war die von Maria Schrader inszenierte Serie „Unorthodox“ nominiert, unterlag aber der Miniserie „Das Damengambit“.