Theater RHEINPFALZ Plus Artikel Glanz auf Zeit: Noch eine Ausweichspielstätte für Mannheims Nationaltheater

Der Standort: auf dem „Orchesterfestplatz“, Theodor-Heuss-Allee 10 in Mannheim.
Der Standort: auf dem »Orchesterfestplatz«, Theodor-Heuss-Allee 10 in Mannheim.

Die Nachricht für Ludwigshafen? Es gibt keine. In Mannheim wurde gestern eine weitere Ausweichstätte für das Nationaltheater Mannheim vorgestellt: OPAL, die Oper am Luisenpark. Eine rückbaubare Stahlhalle für 800 Zuschauende. Sie ändert nichts am Asyl, das das Ludwigshafener Theater im Pfalzbau dem Nachbarn für fünf Jahre gewährt.

In Teilen stand das neue Opernhaus schon an einem portugiesischen Strand. War ein Messestand für einen Autobauer. Die neue Wiederverwertungsadresse lautet Theodor-Heuss-Allee 10. Mannheims „Oktoberfestspielplatz“ bisher. Geht es nach Nationaltheater-Opernintendant Sven Puhlmann wird der Ort zum „Opernfestspielplatz“ mutieren. OPAL, die Abkürzung für die Oper am Luisenpark ist mindestens genauso ambitioniert. Wie der Edelstein wollen schon sehr bald auch die Architektur und die Opernsparte glänzen, tirilierte Puhlmann bei der Vorstellung des Projekts. Der Zeitplan für die aufgeständerte Stahlhalle mit eigenständigem Foyer, an die ein zweistöckiger Trakt aus Containern andockt für alles, was mittelbar mit den Aufführungen zu tun hat, ist eng. Am 1. August schon ist Baubeginn des Großprojekts Generalsanierung. Am 19. August soll in der neuen Spielstätte in Leichtbauweise ein Opernfest gefeiert werden. Motto: „Schöpfung“, wie Opernchef Puhlmann gestern verriet. Und am 19. Dezember steht dann schon Verdis „Macht des Schicksals“ auf dem Spielplan. Ein programmatischer Titel unter Umständen.

Platz da, die Oper

Bekanntlich muss das seit 60 Jahren im Dauerbetrieb befindliche Nationaltheater ja in die Gegenwart und Zukunft gerettet werden. Aufwand: Insgesamt 287 Millionen Euro, wobei der Bund 80 Millionen Euro investiert, das Land Baden-Württemberg 40 Millionen. Für die fünf Jahre Bauzeit wurden Ausweichspielstätten gesucht, um das Publikum nicht zu entwöhnen und zu verlieren. Budget hierfür: 31,9 Millionen Euro.

Gefunden wurde für die Schauspielsparte und Tanzabende ohne Orchester ein altes Kino auf dem Franklin Areal, einer ehemaligen Kaserne, das gerade umgebaut wird. Das Rokokotheater in Schwetzingen soll für einen Mozart/Da Ponte-Zyklus genutzt werden. Außerdem für kleinere Werke aus dem Barock und der Moderne. 18 Spieltage in drei Teilblöcken sind dabei drin.

In das Ludwigshafener Theater im Pfalzbau, ein Gastspielhaus, derweil zieht der renommierte Nachbar – nach einigem Hin und Her – für jeweils 107 Tage im Jahr ein. Das dürfte für 35 bis 40 Aufführungen aus dem Opernrepertoire und eine Neuinszenierung reichen. Auch Tanzabende mit Orchester sind möglich. Insgesamt allerdings war das alles den Verantwortlichen zu wenig. Lange gesucht wurde eine dritte Option für festliche Opernpremieren.

Die Macht des Schicksals

OPAL, das Haus, in dem sich jetzt so viele Hoffnungen spiegeln, gibt es dabei nur, weil andere Pläne gescheitert sind. Mehrere Standorte wurden diskutiert. Ein Holzbau, der vorher in Paris und Genf als Opernhaus fungierte und transferiert werden sollte, war gemeingefährlich baufällig. Das Mannheimer Kraftwerk erwies sich als zu schwierig. Macht des Schicksals: Bei einer europaweiten „Totalausschreibung“ für das schließlich auserwählte Areal und einen Temporärbau an der Heuss-Allee wurde die metron Vilshofen GmbH gefunden. Eine auf den Messebau spezialisierte Firma, die Dependancen in Berlin, New York und Shanghai unterhält und Terminstress gewohnt ist. Auch gedeckelte Kosten, die in Mannheim bei netto 13,5 Millionen Euro liegen, sind für die Niederbayern kein neues Problem. Frohen Mutes, dass sie alles wie gewollt hinkriegen, erzählte metron-Architekt Peter Schuck dann gestern auch, wie er sich das vorstellt.

Sieht alles funktional aus, ohne Hangar-Atmosphäre zu verströmen. Kann sogar sein, dass man sich an die Aufbruch suggerierende Spielstätte dauerhaft gewöhnt. Auf den präsentierten Plänen ist ein zweigeteilter, aufgeständerter Baukörper zu sehen. Das Opernhaus mit einem fast 21 Meter hohen Bühnenturm und dem fünf Meter niedrigeren Foyer voran. Der schlanke Bürocontainer-„Backstagebereich“ ist damit verbunden.

Die Rückverwandlung

Die Fassade des Opernhauses ist mit Sandwichplatten verkleidet. Die Bühne und der 20-reihige, ab Reihe zwölf ansteigende Zuschauerraum im Innern sind mit 663 Quadratmetern identisch groß. Gekrümmte Deckensegel sind zu erkennen, die wie die leicht vor und zurückspringenden Wände aus akustischen Gründen installiert werden. Damit sich die bis zu 90 Musikerinnen und Musiker entfalten können. Ihr zwei Meter hoher Orchestergraben, ist das einzige Gebäudeteil für das ein Fundament ausgehoben werden musste. Allerdings besteht auch das, wie das gesamte Gebäude auf Zeit, aus in fünf Jahren wieder rückbaubaren Elementen. Was dann passiert, wenn sich der Opernfestspielplatz in einen Oktoberfestplatz zurückverwandelt? Christian Hauss, ein Architekt aus Haßloch, der das Projekt für die Mannheimer Geschäftsstelle Generalsanierung betreut, kann sich vieles vorstellen. Vielleicht werde ein Vilshofener Versammlungssaal daraus. Ein Stand bei der Internationalen Automobilmesse. Wer weiß, ein Strandhaus mit Verdi intus.

Das Haus: Die Oper am Luisenpark besteht aus zwei getrennten Baukörpern, dem Opernhaus mit Foyer und dem zweigeschossigen Backst
Das Haus: Die Oper am Luisenpark besteht aus zwei getrennten Baukörpern, dem Opernhaus mit Foyer und dem zweigeschossigen Backstagebereich aus Baucontainern (rechts).
Das Entrée: So soll das Foyer aussehen.
Das Entrée: So soll das Foyer aussehen.
Die Bühne: ist mit 663 Quadratmetern exakt genauso groß wie der Zuschauerraum.
Die Bühne: ist mit 663 Quadratmetern exakt genauso groß wie der Zuschauerraum.
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