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Film der Woche: „Mank“ von David Fincher ist oscarwürdig
Der Drehbuchautor Herman Mankiewicz (Gary Oldman), kurz Mank, ist beruflich und gesundheitlich am Ende, als ihn Hollywoods aufstrebender Stern Orson Welles (Tom Burke) in ein abgelegenes Haus in der Mojavewüste sperrt. In 60 Tagen soll der vom Alkohol gezeichnete und mit einem gebrochenen Bein nach einem Autounfall ans Bett gefesselte Mank ein Drehbuch für den Mann schreiben, der 1938 ganz Amerika mit dem Hörspiel „Krieg der Welten“ nach der gleichnamigen Vorlage von H. G. Wells in Angst und Schrecken versetze.
Orson Welles hatte freie Hand
Als erster Regisseur erhielt Orson Welles vom Studio RKO eine „Carte Blanche“. Die damals allmächtigen Studiobosse verzichteten auf ihr Recht, die Besetzung zu bestimmen, das Drehbuch umzuschreiben oder den Film im Schnitt zu verändern.
Heute ist Herman Mankiewicz nur noch Insidern bekannt, was sich mit David Finchers Filmbiografie ändern könnte. Der Film zeigt, wie Welles den künstlerischen Auftrag an Mankiewicz delegierte. In Rekordzeit schreibt dieser die Vorlage für den Meilenstein „Citizen Kane“, die Welles und ihm den Oscar einbringen wird.
Eine Ludwigshafenerin ist mit dabei
In den Szenen, in denen Mankiewicz mit gebrochenem Bein am Drehbuch arbeitet, ist auch eine Deutsche dabei, die in Ludwigshafen zur Schule ging: Monika Gossmann. Die Schauspielerin, die derzeit in den USA lebt und dort Schauspiel unterrichtet, verkörpert die deutsche Krankenschwester „Fräulein Frieda“, die sich um den Drehbuchautor kümmert, der selbst aus einer deutsch-jüdischen Familie stammte.
Mank und der Verlagstycoon
Seit der Premiere von „Citizen Kane“ ranken sich etliche Mythen um die Ähnlichkeiten des porträtierten Zeitungsmagnaten mit dem realen Verlagstycoon William Randolph Hearst (Charles Dance), für den auch Mankiewicz arbeitete. In Rückblenden erinnert sich Mank an die Kulminationspunkte in seinem Verhältnis zu Hearst, zu dessen junger Gespielin, der Schauspielerin Marion Davies (Amanda Seyfried), sowie MGM-Chef Louis B. Mayer (Arliss Howard). Hearst hatte sich an der Westküste ein eigenes Meinungsimperium aufgebaut und war längst ins Filmgeschäft eingestiegen. Seine Medien nutzte er, um die US-Amerikaner politisch zu beeinflussen.
Mankiewicz war auch lange für MGM tätig, wo er als Drehbuch-Polierer galt: Auch dem „Zauberer von Oz“ gab er den letzten Schliff. Bekannt war er auch als Meister eines hintergründigen, intelligenten Humors. Privat verbarg er dahinter oft seinen Zynismus.
Was haben Fincher und Mank gemein?
Finchers eigener künstlerischer Weg lädt zu Spekulationen über autobiografische Bezüge zu Mankiewicz und eine eigene Abrechnung mit Hollywood geradezu ein. Nach „Gone Girl“ verließ der unabhängige Geist, der hinter Meilensteinen wie „The Game“ und „Fight Club“ stand, vor sechs Jahren die Studiowelt und kreierte für Netflix die Serie „Mindhunter“, die zur Enttäuschung vieler Fans nach zwei Staffeln endete. Gerade hat er mit dem Streamingdienst einen Exklusivvertrag für die kommenden vier Jahre abgeschlossen. Er macht „Mank“ zum Porträt eines verkannten Genies mit egomanischen Zügen, das alle Warnungen in den Wind schlug, sich endlich anzupassen.
Die Vorlage für den Film stammt von seinem Vater Jack. Der 2003 verstorbene Journalist gehörte zur Redaktion des „Life“-Magazins. Er stützt sich vor allem auf die Recherchen der Filmhistorikerin Pauline Kael. 1971 hatte sie erstmals mit der Legende aufgeräumt, Orson Welles sei der Hauptautor von „Citizen Kane“. Den Anteil von Mankiewicz hatte dieser stets klein geredet.
Gary Oldman als Oscaranwärter
Das Drama beendet nebenbei die Mär des unpolitischen Hollywood der 1930er Jahre. Das Eintauchen in diese Ära erleichtert der Filmemacher dem Zuschauer durch das künstlerische Konzept des Schwarzweißfilms. Bei der Ton- und Bildgestaltung arbeitete er mit den technischen Mitteln der damaligen Filmepoche, so dass sich schnell der Eindruck einstellt, einem zeitgenössischen Werk wie „Citizen Kane“ zuzusehen. Vor allem kann er sich auf Gary Oldman verlassen, der schon jetzt als großer Favorit auf den Oscar gilt. Keiner versteht es wie er, ungeliebten, zynistischen Ekelpaketen, die starrsinnig ihr Ziel verfolgen und dabei viele Menschen verletzen, so zu gestalten, dass sie unsere Sympathie gewinnen.