Auszeichnung RHEINPFALZ Plus Artikel Film über Ludwigshafener „König Bansah und seine Tochter“ ausgezeichnet

Gemeinsam in Ghana: Katharina und Céphas Bansah, der seit Jahrzehnten in Ludwigshafen lebt und von hier aus das Volk der Ewe als
Gemeinsam in Ghana: Katharina und Céphas Bansah, der seit Jahrzehnten in Ludwigshafen lebt und von hier aus das Volk der Ewe als König anführt.

König Bansah kam persönlich ins Kino nach Biberach. Mit Krone und Maske. Der 72-jährige Monarch ließ es sich nicht nehmen, den Dokumentarfilm „König Bansah und seine Tochter“ bei den am Sonntag zu Ende gegangenen Filmfestspielen mit dem neugierigen Publikum zu feiern. Wenige Tage zuvor feierte der Film von Agnes Lisa Wegner bei den Internationalen Filmtagen in Hof Premiere und gewann den mit 7500 Euro dotierten „Granit“ für den besten Dokumentarfilm.

Vor 50 Jahren kam Togbui Ngoryifia Céphas Kosi Bansah aus Ghana nach Deutschland. Er lernte die Sprache, machte seinen Meister und betreibt erfolgreich eine Autowerkstatt: Ludwigshafen wurde seine Heimat. Hier hat er geheiratet. Seine beiden Kinder sind in der Pfalz aufgewachsen. Den Thron bestieg er trotzdem 1987. Sein Vater und Bruder schieden als Linkshänder für die königliche Nachfolge aus. Bansah übernahm die Herrschaft über die Hohoe Gbi Traditional Ghana, eine Gruppe von rund 200.000 Menschen aus dem Volk der Ewe in Ghana.

Seine Untertanen und er haben sich mit der Regierung aus der Ferne arrangiert. Er ist ihr spiritueller Herrscher und Patron im alten Stil, seine Herrschaft wird nicht in Frage gestellt. In Ghana betätigt er sich auch als Wohltäter. Er gründete die gemeinnützige Stiftung „König Bansah Ghana Förderverein e.V.“ und initiierte die Brillenspendenaktion „Bring Deine Alte zurück!“. Die Unterstützung aus Deutschland ist enorm, vielleicht auch weil die Spender wissen, dass die Hilfe in den Dörfern ankommt. Jede Bitte wird von ihm geprüft, egal ob ein Kühlschrank, Materialien für die Schule oder Geld für eine dringend notwendige Operation fehlen.

Reflexionen über das Leben mit Vorurteilen

Eine Win-Win-Situation für beide Seiten, wie der Film der aus Worms stammenden Regisseurin Agnes Lisa Wegner zeigt. Sie wurde über Medienberichte auf den Monarchen aufmerksam und begleitete ihn und seine Familie 20 Tage in der Pfalz und zehn Tage lang bei einem Besuch in Ghana. Sie streift die wichtigsten Stationen der Biografie Bansahs und buddelte sogar einen musikalischen Auftritt im deutschen Fernsehen aus.

Und Agnes Lisa Wegner räumt ihrer Majestät Prinzessin Katharina Akosua Bansah auch Raum für Reflexionen über das Zerrissensein zwischen dem ihr vorgezeichneten Weg als künftige Queen Mother und die Liebe zur Pfalz ein, wo sie aufgewachsen ist. Nie habe sie in Frage gestellt, wo sie hingehört, berichtet die 39-jährige Königstochter und selbstständige Grafikdesignerin. Doch seit 2015 spüre sie, wie sich die Stimmung in ihrer Umgebung gegenüber Menschen nichtweißer Hautfarbe verschlechtert. Ihre Gedanken und Gefühle zu Identität und Heimat teilt Katharina Akosua Bansah offen und ohne Klage mit dem Zuschauer. Abstrakte Begriffe und latenter Rassismus bekommen somit durch die gelungene Dokumentation ein Gesicht.

Kommendes Jahr läuft der Film beim ZDF

Im Dezember soll der Film noch auf der Filmschau des Landes Baden-Württemberg in Stuttgart gezeigt werden, und 2021 wird „König Bansah und seine Tochter“ im ZDF laufen.

Die Wormser Regisseurin Agnes Lisa Wegner ist bei den Hofer Filmtagen für „König Bansah und seine Tochter“ mit dem Dokumentarfil
Die Wormser Regisseurin Agnes Lisa Wegner ist bei den Hofer Filmtagen für »König Bansah und seine Tochter« mit dem Dokumentarfilmpreis »Granit« ausgezeichnet worden.
Gemeinsam in ihrem alten heimatlichen Dorf in Ghana: Katharina und Céphas Bansa.
Gemeinsam in ihrem alten heimatlichen Dorf in Ghana: Katharina und Céphas Bansa.
In Ludwigshafen arbeitet der König als Kfz-Mechaniker in seiner Werkstatt.
In Ludwigshafen arbeitet der König als Kfz-Mechaniker in seiner Werkstatt.
Sitzen in einem Boot: Katharina und Céphas Bansa.
Sitzen in einem Boot: Katharina und Céphas Bansa.
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