Kultur Enten in Acryl

91-71577740.jpg

Im Watschelgang durch die Weltgeschichte – so könnte das Motto für die neue, ungewöhnliche Sonderausstellung in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen lauten. Die „Duckomenta“ behandelt die fast vergessene Kultur der Enten in all ihren Facetten. Ein großer Spaß.

Sie müssen schon immer unter uns gewesen sein, die Anatiden. Wie sonst ist dieses umfangreiche Vermächtnis an Fossilien, Malerei, Skizzen und Plastiken von der Zeit der Dinosaurier bis zur Mondlandung zu erklären? Die Eisenten-Mumie Dötzi zum Beispiel. Die Büste der ägyptischen Königin Duckfretete. Das erste Modell der Freiheitsstatue – mit Bürzel. Und die vielen anderen Federtiere auf berühmten Werken wie „Selbstporträt mit Schnabel“ von Vincent van Dugh oder „Enten am Strand“ von Paul Coquin. Die archäologischen und kunsthistorischen Fundstücke zu sammeln, ist Aufgabe der „Duckomenta“. Bewundern kann man das nun ab Sonntag in Mannheim. Hinter dieser kuriosen Umdeutung der Weltgeschichte steht die Berliner Künstlergruppe Interduck. Vor bald 30 Jahren entstand sie aus einem Projekt an der Braunschweiger Kunsthochschule, als Professor Eckhart Bauer seine beeindruckende Sammlung an Disney-Merchandisingprodukten ins Seminar mitbrachte. Die jungen Studenten, versiert in den verschiedensten Kunsttechniken, stellten sich die Frage: Was wäre, wenn die Alten Meister bereits Micky, Donald und Co. gekannt hätten? Heraus kam die „Duckomenta“, die es 1986/87 in den renommierten Nassauischen Kunstverein Wiesbaden schaffte und gleich Anklang fand. „Wir hatten etwas losgetreten“, sagt Anke Doepner, heute Geschäftsführerin der Interduck GmbH. Seitdem hat die durch Europa tourende Wanderausstellung (1,5 Millionen Besucher insgesamt) aber ihr Gesicht verändert. Man löste sich von den Disney-Figuren und entwickelte ein eigenes Enten-Universum. Aus dem subversiven Projekt, das sich kulturkritisch mit der Kommerzorientierung des Disney-Konzerns auseinandersetzte, wurde ein professionell aufgezogenes Geschäft. Einige hundert Werke sind inzwischen entstanden – von der Tonscherbe bis zum großformatigen Gemälde in Öl oder Acryl. Alles Originale, mit hoher handwerklicher Akribie geschaffen. „Unser Erfolg erklärt sich aus der Qualität“, sagt Anke Doepner. Eine Herausforderung sei es für die fünf beteiligten Künstler, sich mit den Alten Meistern zu messen. Acht Wochen reine Malzeit beispielsweise beanspruchte das Bild „Konzert im Ei“ nach Hieronymus Bosch. Kuratorin Sarah Nelly Friedland hatte die beneidenswerte Aufgabe, aus dem Interduck-Katalog die passenden Stücke für die Reiss-Engelhorn-Museen auszuwählen. „Das war sehr angenehm, anders als bei anderen Ausstellungen fielen die oft langwierigen Verhandlungen mit verschiedenen Museen weg“, erzählt sie. Dabei habe sie versucht, auch Werke mit regionalem Bezug zu finden. So darf etwa Mozart als einst berühmter Gast der Stadt nicht fehlen. Vier Exponate wurden sogar eigens auf Wunsch der Reiss-Engelhorn-Museen (Rem) angefertigt: der Dinosaurier „Anatotitan mannheimensis“, eines der frühesten Zeugnisse der Enten-Zivilisation, die besondere Version der Freiheitsstatue, der „King“ Elvis Ducksley und das Porträt von Kurfürst Carl Theoduck, für das ein Gemälde aus den eigenen Rem-Beständen Pate stand. Mit mehr als 300 Exponaten ist es die bislang größte in Deutschland gezeigte „Duckomenta“. In 20 Abteilungen führt sie die Besucher durch die Weltgeschichte. Der Kenner kann sich an dem Spiel mit den Meilensteinen der Kunstgeschichte erfreuen, die Objekte und amüsanten Begleittexte machen aber auch ohne großes Vorwissen Spaß, denn viel Liebe steckt im Detail. Dazu gibt es immer wieder Verweise, was die Häuser der Reiss-Engelhorn-Museen an anderer Stelle zu bestimmten Epochen noch zu bieten haben. Ohne Enten. „Es ist nicht das, was man sonst in den Rem erwartet“, sagt Generaldirektor Alfried Wieczorek über die ungewöhnliche Ausstellung. „Sie passt trotzdem sehr gut hierher.“ Die „Duckomenta“ erlaube einen Rundgang durch die Natur- und Kunstgeschichte – genau das, womit sich das Museum Weltkulturen ansonsten auch beschäftigt. Gerade Leuten, die normalerweise nicht ins Museum gehen, würden die Werke einen „wunderbaren Einstand“ in diese Welt bieten. Man könne die Scheu im Umgang mit der Kunst verlieren, ergänzt Interduck-Chefin Anke Doepner. „Und wir erlauben uns einen Tabubruch: Das Publikum soll lachen.“ Termin   „Duckomenta“ ab 13. September bis 24. April täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr im Museum Weltkulturen D5 der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim.

91-71577741.jpg
x