DVD-Tipp RHEINPFALZ Plus Artikel Eine elegante Ehebruchskomödie: André Messagers Oper „Fortunio“

Szene aus der Pariser Produktion der selten gespielten Oper.
Szene aus der Pariser Produktion der selten gespielten Oper.

Die Operetten und Komischen Opern des französischen Dirigenten und Komponisten André Messager (1853-1929) werden hierzulande leider selten gespielt. Am Uraufführungsort, der Pariser Opéra Comique, gab es jetzt den seinerzeit viel gespielten und von Publikum wie Kritik geschätzten „Fortunio“ wieder zu sehen.

Es handelt sich um eine elegante Ehebruchskomödie mit ernsten Momenten nach Alfred de Musset aus dem Jahr 1907. In farbig historischem Dekor inszeniert, wird daraus mit exzellenten französischen Sängerinnen und Sängern ein feiner, hintergründiger Spaß.

Es geht um einen schüchternen jungen Mann, von Beruf Bürogehilfe, in den sich die Frau eines alten Notars verliebt, die eigentlich ein Verhältnis mit einem feschen Offizier hat. Anfangs benutzt diese Jacqueline den Jungen als Ablenkungsmanöver, wird aber immer mehr von ihm angezogen und entwickelt schließlich eine tiefe Zuneigung zu ihm. André Messagers Musik moussiert fein, ist schlank und elegant. Nur manchmal scheint sie dem schweren Parfum eines Massenets verwandt, besitzt aber oft die Leichtigkeit und den Witz Offenbachs. Das ist eine bestechende Mischung, die Louis Langrée am Pult des Orchestre des Champs-Élysées ausnehmend schön zur Geltung bringt.

Kostüme von Christian Lacroix

Die Protagonisten könnten allesamt auch in einem französischen Kostüm-Film mitwirken, so typgerecht sind sie gecastet und angezogen (die Kostüme stammen vom berühmten Modeschöpfer Christian Lacroix). Darüber hinaus singen und spielen sie auch noch wunderbar. Allen voran bezaubert Anne-Catherine Gillet. Ihre Figur Jacqueline betrügt den schon etwas tattrigen Ehemann Maître André (Franck Leguérinel) mit dem schneidigen, recht eingebildeten Soldaten Clavaroche, den Jean-Sébastien Bou als herrlichen, auch schon leicht ergrauten virilen Gockel mimt und singt. Auch am erotischen Slapstick im Damen-Schlafzimmer haben beide großen Spaß.

Sehr präzise Regie

Der junge Schreiber Fortunio soll nur Schmiere stehen. Doch seine Schüchternheit, die schon bald einem innigen Liebesbekenntnis weicht, fasziniert Jacqueline zunehmend. Der lyrische Tenor Cyrille Dubois ist als verhuschter Junge, den noch nicht mal sein lebenslustiger Freund Landry (mit viel Charme im prickelnden Bariton: Philippe-Nicolas Martin) aus der Reserve locken kann, wie später als glühender Liebhaber einfach zum Knuddeln. Ob aus den beiden ungleich Liebenden allerdings ein Paar werden kann, lässt die ebenso witzige wie präzise Regie von Denis Podalydès offen, wenn am Ende Fortunio seine letzten Sätze aus dem Orchestergraben Richtung Bühne schmachtet. Das raffiniert beleuchtete, ebenso malerische wie stilsicher schlichte Bühnenbild von Éric Ruf, bei dem das Geschehen im verschneiten Paris spielt, tut ein Übriges, um dem Ganzen Authentizität zu verleihen.

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