Kultur Der Lebens-Gestalter

Kunst und Technik ergeben Kultur: Tee- und Wasserkessel von Peter Behrens aus dem Jahr 1909.
Kunst und Technik ergeben Kultur: Tee- und Wasserkessel von Peter Behrens aus dem Jahr 1909.

Peter Behrens war ein breit begabter Allround-Gestalter, der vor keiner Aufgabe zurückschreckte. Der 1868 in Hamburg geborene Künstler entwarf so ziemlich alles – von der Brosche über die Kleiderbürste bis zur Tischdecke, von der Gartenanlage bis zur Wohnsiedlung. Behrens gestaltete Bucheinbände, Plakate und Schriftarten. Anlässlich seines 150. Geburtstages am 14. April zeigt das Museum für Angewandte Kunst in Köln die Ausstellung „Alleskönner“.

Die frühesten der 220 Exponate der Kölner Schau, die in acht Themenräumen vor allem die Anfangszeit von Behrens’ Schaffen dokumentiert, sind vom Impressionismus beeinflusste Gemälde und selbst gedruckte Farbholzschnitte. Behrens hatte an den Kunstakademien in Karlsruhe, Düsseldorf und München studiert. Dass er sich schnell von ersten Einflüssen und der das Werk zunächst prägenden Jugendstil-Ornamentik löste – sein Bild „Der Kuss“ ist eine Ikone dieser Stilrichtung –, ist Dreh- und Angelpunkt der Ausstellung. Bereits 1901 sorgte der Künstler mit seinem „Haus Behrens“ auf der Darmstädter Mathildenhöhe für Furore. Jugendstil-Zitate sind noch vorhanden, doch das Formenvokabular der Zukunft ist bereits angelegt: „Geometrisierung der Formen und Flächen und die Monumentalisierung der Erscheinung“, liest man im Werkbundarchiv. Auch jedes Detail der Inneneinrichtung hatte Behrens selbst entworfen. Alle Lebensbereiche sollten künstlerisch durchdrungen werden. Der Flügel mit Strahlendekor und Rhombenfries, der im Darmstädter Musikzimmer stand, ist eines der Prunkstücke in Köln. Orientierung an der Natur und Rückgriffe auf Motive aus der Antike prägten die Arbeiten jener Jahre. So erinnern die Stiele eines Gläser-Sets an Säulen antiker Tempel. 1907 setzte er den nächsten architektonischen Meilenstein: Behrens plante in Hagen ein Krematorium, das der florentinischen Renaissance entlehnt zu sein scheint. Nur zwei Jahre später legte der Gesamtkünstler mit der Berliner AEG-Turbinenhalle aus Beton, Stahl und Glas den Grundstein für den Industriebau in Deutschland. Im Büro von Peter Behrens assistierten seinerzeit Gropius, Mies van der Rohe und Le Corbusier. Als künstlerischer Beirat der AEG nahm er den Begriff des Corporate Designs vorweg. Der rastlos gestaltende Behrens entwarf Briefpapier, Reklame und das berühmte Waben-Logo, aber auch Wanduhren und einen elektrischen Heizofen. Der Grafiker, Kunstgewerbler und Architekt war überzeugt, „durch das Zusammenführen von Kunst und Technik Kultur zu schaffen“. In seinen Arbeiten trat nun immer deutlicher eine geometrisch geprägte Sachlichkeit in den Vordergrund. Die Kölner Schau erweist dem 1940 in Berlin gestorbenen Künstler auch als Reformer ihre Reverenz. Behrens, der als Mitbegründer des Deutschen Werkbundes sowie durch Lehrtätigkeiten in Düsseldorf, Nürnberg, Wien und Berlin Einfluss ausübte, stand den zu Beginn des 20. Jahrhunderts um sich greifenden Reformbewegungen nahe. Ein Bühnenmodell belegt seine Bemühungen um eine Reform des Theaters, das er als „Stätte der Erbauung“ ansah. Das ornamentfreie „Reformkleid“ sollte Frauen vom Korsett befreien. Auch das „alkoholfreie Restaurant“ lag ihm am Herzen. Dafür kreierte er spezielle Bodenfliesen mit Spiralmotiv. Der unermüdliche Peter Behrens, der das visuelle Gedächtnis geprägt hat wie kaum ein Zweiter, war eben seiner Zeit voraus. Was die Ausstellung nicht zeigt, aber eine kurze Fahrstrecke von Köln entfernt zu sehen ist: das Mannesmanngebäude an der Düsseldorfer Rheinpromenade und das am Neuen Bauen orientierte ehemalige Hauptlager der Gutehoffnungshütte in Oberhausen, „an dem es mir gelungen ist, meine Kunstanschauung am klarsten zu verwirklichen“, wie Behrens geäußert hatte. Die Ausstellung „Alleskönner“ Museum für Angewandte Kunst in Köln, bis 1. Juli.

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