TV RHEINPFALZ Plus Artikel Der Fernsehkrimi-Check: Zwei Frauen für Zürich in neuer „Tatort“-Reihe

Neue „Tatort“-Ermittlerinnen: Tessa Ott (Carol Schuler, links) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) in der Folge „Züri b
Neue »Tatort«-Ermittlerinnen: Tessa Ott (Carol Schuler, links) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) in der Folge »Züri brännt«.

Zwei „Tatorte“ aus den Nachbarstaaten bringen uns die nächsten beiden Fernsehkrimi-Wochen. Erstmals ermitteln die Zürcher. Und die Wiener, die derzeit sehr präsent sind, machen bald die 50 voll.

Die Schweizerinnen Anna Pieri Zuercher, 41, und Carol Schuler, 33 Jahre alt, ersetzen das ältere Duo Stefan Gubser und Delia Mayer alias Flückiger und Ritschard. Auf die Hauptstadt Bern, die 1990 erstmals Schauplatz eines „Tatorts“ (mit Detektivwachtmeister Walter Howald) war, und Luzern am Vierwaldstättersee folgt damit nun ein SRF-„Tatort“ aus Zürich, der größten Stadt der Schweiz.

Erinnerungen ans Jahr 1980

„Züri brännt“ heißt die Auftaktfolge (Sonntag, 17. Oktober, 20.15 Uhr, Das Erste): Am ersten gemeinsamen Arbeitstag von Kommissarin Isabelle Grandjean (Zuercher) und Fallanalytikerin Tessa Ott (Schuler) stirbt zunächst ein einzelner Mann an Brandverletzungen. „Noch kein Diensthandy, aber schon ’ne Brandleiche“, kommentiert flapsig Ott, die neu in der Fachgruppe „Leib und Leben“ der Kantonspolizei Zürich ist.

Aus einem Pappkarton kullert zudem ein Totenschädel, der die Ermittlungen zurück ins Jahr 1980 führt, als die Zürcher Jugend revoltierte, weil ausreichend Geld für die Renovierung und Erweiterung des Opernhauses vorhanden war, aber Forderungen nach einem autonomen Jugendzentrum ungehört verhallten. „Züri brännt“, genau wie der „Tatort“, der Punkrock und Oper zusammenführt, lautet auch der Titel eines eindrücklichen, 1981 veröffentlichen Dokumentarfilms über diese Unruhen.

Regisseurin war einst Hausbesetzerin

„Die Bewegten von früher sind die Etablierten von heute“, erklärt Kripochef Peter Herzog (Roland Koch, einst Major Matteo Lüthi im Bodensee-„Tatort“), und so hat, was vor 40 Jahren geschah, Konsequenzen bis heute. Der komplexe und zeitgemäß betont weiblich geprägte „Tatort“ stammt von Viviane Andereggen („Die drei !!!“), die lange Zeit selbst Teil der Punkbewegung und Hausbesetzerszene in Zürich und Basel war.

Bereits zum dritten Mal in zwei Monaten begegnen wir den ORF-Ermittlern Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser). Ihr 48. Fall (für Fellner genaugenommen der 24.) zählt leider nicht zu ihren besten, verhandelt jedoch ein durchaus spannendes Thema: Im „Tatort: Krank“ (25. Oktober, 20.15 Uhr, Das Erste) geraten die Wiener in jenen Glaubenskrieg, den Vertreter der Schulmedizin und Anhänger alternativer Heilmethoden mit geradezu fanatischem Eifer führen.

Bibi und Moritz haben „Rücken“

„Sanfte Medizin ist ein hartes Geschäft“, lernen sie und Chefinspektor Fredo Schimpf (diesmal vollbärtig: Thomas Stipsits) in einem mindestens ebenso komplexen Krimi wie „Züri brännt“. Allerdings wirkt die Handlung mit der ebenfalls noch eingebauten Biografie einer ecuadorianischen Befreiungskämpferin überladen und wiederholt so, als hätte man dies alles schon das eine oder andere Mal gesehen. „Krank“ sind auch Eisner und Fellner selbst: Es plagt sie der Rücken.

Unser TV-Krimi-Kolumnist Stefan Otto.
Unser TV-Krimi-Kolumnist Stefan Otto.
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