TV
Der Fernsehkrimi-Check: Tödliche Festtage
Das Erste und das Zweite Deutsche Fernsehen verwandeln die anstehenden Festtage gleichsam in ein Krimi-Festival. Weihnachtlich geht es dabei natürlich nur selten zu.
Zunächst nimmt diesen Samstag (18. Dezember) Kommissar Robert Anders (Walter Sittler) seinen Abschied. Nach 14 Jahren und 29 Fällen verabschiedet er sich mit „Der Kommissar und das Meer: Woher wir kommen, wohin wir gehen“ (20.15 Uhr, ZDF) – allerdings nicht in den Ruhestand, sondern nur von Gotland. Mit „Der Kommissar und der See“ wird er bereits im kommenden Jahr in seine alte Heimat, an den Bodensee, zurückkehren. Kein origineller Schauplatz, ermitteln hier doch bereits die „WaPo Bodensee“ sowie Oberländer und Zeiler in „Die Toten vom Bodensee“.
Katholisches aus München
Der neue Münchener „Tatort: Wunder gibt es immer wieder“ (morgen, 20.15 Uhr, Das Erste) nähert sich Weihnachten mit einem kirchlichen Thema schon einmal an. „München ist nah dran am Vatikan“, weiß Kommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), den es mit den Kollegen Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) dennoch in ein abgelegenes Nonnenkloster, „Richtung Österreich, fast schon in Tirol“, verschlägt. Corinna Harfouch, die demnächst Meret Becker im Berliner „Tatort“ ablösen wird, ist die undurchschaubare Priorin in einem atmosphärischen, bisweilen unheimlichen, katholischen Krimi.
Ein „Tatort“ mit Udo
Noch viel mehr auf das Weihnachtsfest zugeschnitten sind die launig leichten, heiter-besinnlichen Fälle „Nord Nord Mord: Sievers und die stille Nacht“ (20. Dezember, 20.15 Uhr, ZDF) mit Kommissar Carl Sievers (Peter Heinrich Brix) auf Sylt und „Nord bei Nordwest: Ho Ho Ho!“ (1. Weihnachtsfeiertag, 20.15 Uhr, Das Erste) mit einem weihnachtsskeptischen Hauke Jacobs (Hinnerk Schönemann) im von der Außenwelt abgeschnittenen Schwanitz.
Der darauffolgende „Tatort: Alles kommt zurück“ (26. Dezember, 20.15 Uhr, Das Erste) war gewiss als das herausragende Ereignis der Festtage gedacht, löst aber leider nicht ein, was die großen Namen der Beteiligten verheißen. Die Göttinger Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler), diesmal solo, landet in Hamburg im Bett eines Toten. Wie zuvor Robert Anders auf Gotland ist die Ermittlerin selbst des Mordes verdächtig. „Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ich das war! Ich bin von der Polizei, genau wie Sie“, stellt sie sich den hanseatischen Kollegen Ruben Delfgau (Jens Harzer) und Jana Zimmermann (Anne Ratte-Polle) entgegen. Ein paar Zimmer neben Lindholm im Hotel Atlantic residiert Udo Lindenberg und unten in der Lobby tummeln sich mehr Udo-Doubles als Weihnachtsmänner in „Nord Nord Mord“. Der erste „Tatort“ von Kultregisseur Detlev Buck unterhält einerseits recht gut, bleibt aber viel zu spannungslos.
Subtiles aus Stuttgart
Ausgerechnet der Neujahrs-„Tatort: Videobeweis“ (20.15 Uhr, Das Erste) wiederum eröffnet mit einer Weihnachtsfeier. Dass solche Feste schon mal aus dem Ruder laufen können, ist bekannt. So auch hier, in den gläsernen Büros eines schwäbischen Versicherers. Am nächsten Morgen liegt eine Leiche im Foyer. Der Verdacht der Stuttgarter Kommissare Thorsten Lannert, gespielt vom Mannheimer Richy Müller, und Sebastian Bootz, den der Heidelberger Felix Klare spielt, fällt auf den Chef („Nord Nord Mord“-Polizist Oliver Wnuk) und eine Mitarbeiterin (verführerisch: Ursina Lardi) des Unternehmens.
Lannert fühlt sich zu der Verdächtigen hingezogen. Sie ist damit die Femme fatale in einem düsteren Film noir, jenem Genre, dem dieser gute „Tatort“, der bereits in Ludwighsafen beim Festival des deutschen Films lief, sehenswert nahesteht. Alte Vorbilder wie „Basic Instinct“ oder, bis in den Soundtrack hinein, Hitchcocks „Vertigo“ lassen grüßen, dabei verhandelt dieser Krimi sehr zeitgemäß Fragen der Wahrnehmung und der Geschlechtergerechtigkeit.
Und schon wieder Dortmund
Nur fünf Wochen nach dem letzten Dortmunder „Tatort“ erscheint dann das Quartett Faber (Jörg Hartmann), Bönisch (Anna Schudt), Pawlak (Rick Okon) und Herzog (Stefanie Reinsperger) erneut auf dem Bildschirm. Jan Pawlak rückt ins Zentrum des lange Zeit rätselhaften Falls „Gier und Angst“ (2. Januar, 20.15 Uhr, Das Erste). Für den jungen Kommissar gibt es ein Jahr nach ihrem Verschwinden ein überraschendes Wiedersehen mit seiner Frau Ella.