Kultur
Der Fernsehkrimi-Check: Starke „Tatort“- und „Polizeiruf“-Fälle aus Köln und aus Rostock
Siegertypen im Sonntagskrimi präsentiert die TV-Landschaft in den kommenden 14 Tagen, im „Tatort“ wie im „Polizeiruf“. Erfolg, so scheint es, macht eingebildet und überheblich.
Im Kölner „Tatort: Kein Mitleid, keine Gnade“ (morgen, 20.15 Uhr, Das Erste) ist Robin ein solcher Typ, der am Vortag ein „echt geiles Tor“ geschossen und mit seiner Fußballmannschaft die Bezirksmeisterschaft gewonnen hat. Ines Marie Westernströer, demnächst Kommissarin im neuen Saarbrücker „Tatort“-Team, spielt seine Lehrerin, die ihn möglichst durchs Abitur bugsieren will, auch wenn seine schulischen Leistungen nicht an seine sportlichen heranreichen. „Der hat den falschen Weg genommen“, tut Robin in dem zuverlässig klassischen Krimi lapidar die Ermordung seines Mitschülers und einstigen Freundes Jan ab: „Wäre er keine Schwuchtel, dann wäre er jetzt nicht tot.“
Ausgerechnet an Freddys Geburtstag
Der 25-jährige Hamburger Justus Johanssen, der Robin spielt, wurde mit dem vorletzten Münchener „Tatort: Die ewige Welle“ bekannt, genau wie Thomas Prenn in der Titelrolle des vorletzten Schwarzwald-„Tatorts: Damian“. Als Paul ist Prenn in dem Kölner Fall nun ein Mobbing-Opfer – wie es vor ihm der getötete Jan war. Kommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär) wird ähnlich zugesetzt, und das ausgerechnet an seinem Geburtstag: Die Schülerin Nadine (Emma Drogunova), die im Laufe dieses Falls ebenfalls Geburtstag feiert, bezichtigt ihn, sie belästigt zu haben. Kollege Max Ballauf (Klaus J. Behrend) kommt zu der Ansicht: „Diese Welt ist nicht für uns gemacht, wir sind für sie gemacht.“ Der „Tatort“ um Mobbing und Homophobie, mit etwas „Fack ju Göhte“ angereichert, ist besonders gegen Ende spannend.
Katrin König ist verwundert
Der „Polizeiruf 110: Söhne Rostocks“ (19. Januar, 20.15 Uhr, Das Erste) übertrifft den „Tatort“ noch an Qualität – und Michael Norden übertrifft die Figur des Robin noch an aufbrausender Arroganz. Der Unternehmer ist im Rostock dieses atmosphärischen Krimis bekannt wie ein bunter Hund. Er ist, erklärt sein Darsteller Tilman Strauß, „ein von Ehrgeiz getriebener Mensch und ein Glücksritter, der im Übermaß von seinen eigenen Fähigkeiten überzeugt ist“.
Für Ermittler Alexander Bukow (Charly Hübner) sieht der vielgestaltige Fall erst nach Einbruch aus, dann taumelt ein Sterbender aus der Garage, und Norden, mit dem Opfer gut bekannt, verschwindet., was auch Kollegin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) verwundert. Die Kommissare nähern sich weiter einander an in diesem vielschichtigen „Polizeiruf“, der nicht nur eine, sondern gleich mehrere spannende Geschichten erzählt. „Ich hab doch nur Sie“, meint Bukow zu König.