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Der Fernsehkrimi-Check: „Horror in Dortmund, Fasching in München“
Zwei herausragende „Tatorte“ stehen in den kommenden beiden Fernsehkrimi-Wochen auf dem Programm: Dortmund bietet Horror und andere Überraschungen, und in München ist Fasching.
2012 gestartet, erreicht der Dortmunder „Tatort“ mit seiner 22. Episode „Liebe mich“ (20. Februar, 20.15 Uhr, Das Erste) das runde Alter von zehn Jahren. Zwei der vier eigensinnigen Ermittler sind in dieser Zeit bereits ausgeschieden, doch die leitenden Kommissare Peter Faber (Jörg Hartmann) und Martina Bönisch (Anna Schudt) halten bislang die Stellung.
Mordopfer im Friedwald
In ihrem neuesten Fall kommen die beiden sich sogar näher denn je, sehen sich jedoch zugleich mit einem Serienmörder konfrontiert, der ein raffiniertes Versteck kennt. Seine Opfer, nämlich, verbirgt er dort, wo sie kaum auffallen: in einem Friedwald. „Er sucht sich immer denselben Typ Frau aus, dann hält er sie zwei Tage lang fest, zieht ihnen irgendein Kleid an, was vor 30 Jahren in Mode war. Warum macht er das?“ rätselt Bönisch.
Neben diesem besonderen Fall aus dem Bestattungswesen stecken die Ermittler, wie eigentlich immer in Dortmund, in privaten Nöten. Bönisch wird fortdauernd von ihrer Ex-Liebschaft, Kriminaltechniker Sebastian Haller, in die Enge getrieben. Kollege Jan Pawlak (Rick Okon) muss seiner Tochter die Wahrheit über ihre Mutter beibringen und Kommissarin Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger), die Jüngste im Bunde, erhält ungebetenen Besuch von ihrer Mutter, die erste Einblicke in ihre Biografie gewährt.
Überladen, was zu befürchten wäre, ist dieser spannende, unheimliche Krimi dennoch nicht. Jürgen Werner, der hier bereits sein zwölftes Drehbuch für das vierköpfige Team beisteuert, und Torsten C. Fischer, der zum zweiten Mal inszeniert, gehen gleichwohl sehr weit, nahezu an den Rand des Erträglichen, bis das Gruselige zum Grotesken wird und alles ein überraschendes, untröstliches Ende findet.
Batic „strawanzt“
„Kehraus“ hieß vor fast 40 Jahren eine Kinokomödie des Kabarettisten Gerhard Polt, die in den rauen bis melancholischen Münchener Fasching führte. Denselben Titel trägt nun auch der neueste BR-„Tatort“, der am Tulpensonntag (27. Februar, 20.15 Uhr, Das Erste) mit viel Lokalkolorit tatsächlich die Atmosphäre alter Münchener Filme und Serien noch einmal einfängt.
Selbst der in Ehren ergraute Ivo Batic (Miroslav Nemec) „strawanzt“ in diesem närrischen Setting „umanander“, wie sein Kollege Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) feststellt, und schleppt als Pilot zwei Bienen ab. Weniger diese beiden, vielmehr die Österreicherin Nina Proll als Rotkäppchen und Monika Gruber in der kleineren Rolle ihrer Vermieterin machen diesen „Tatort“ besonders sehenswert. Ein spannendes, berührendes und sehr unterhaltsamer „Kehraus“, der naturgemäß an Aschermittwoch endet.