Kultur Der Dauerbrenner

Besang die „Lady In Red“: Chris de Burgh.
Besang die »Lady In Red«: Chris de Burgh.

Er ist der Mann für Balladen, romantische Lieder und zuweilen auch recht süßlichen Pop. Chris de Burgh, der heute 70 wird, gehört zu jenen Songwritern, die die Kunst des Geschichtenerzählens beherrschen und dies auch zu vermarkten wissen.

Viel von der Welt zu sehen bekommt Christopher John Davison schon als Kind. Der in Argentinien geborene Sohn eines Diplomaten wächst in Malta, Nigeria und Zaire auf, bis seine Familie 1960 in Irland sesshaft wird. Das Gitarrespielen bringt er sich selbst bei, absolviert erste Auftritte im Hotel seiner Eltern. Während der College-Zeit in Dublin singt er in Restaurants – und wird dabei für das Musikgeschäft entdeckt. 1974 bekommt er die Chance, eine Platte aufzunehmen; er nimmt den Mädchennamen seiner Mutter an und biegt direkt auf die Erfolgsspur ein. Mit dem Lied „Flying“ aus dem Debütalbum „Far Beyond These Castle Walls“ landet De Burgh kurioserweise in Brasilien seinen ersten Nummer-1-Hit. Die Single bleibt 17 Wochen vorn. Für sein zweites Album „Spanish Train“ gibt es 1977 in Kanada Platin. Mit den drei folgenden Alben baut Chris de Burgh diese Erfolge aus. Nicht zuletzt dank seines großen Tournee-Pensums darf er sich Ende der 70er einer großen Anhängerschaft gewiss sein. Und so geht es weiter mit Hits wie „Don’t Pay The Ferryman“, „High On Emotion“, „Lady In Red“ oder „Borderline“. Zwar lässt der Erfolg seiner Alben seit Mitte der 1990er nach, doch seine Konzerte werden weiter gut besucht. Auf der Bühne, Aug in Aug mit dem Publikum – auch wenn sein Blick verträumt auf einen unbestimmten Punkt in der Ferne gerichtet ist –, fühlt er sich zu Hause. Hier bietet er stets das gleiche Bild: Uneitel, leger gekleidet, erscheint er wie der bodenständige, immer lächelnde Nachbar. Dabei macht er an der Gitarre, zuweilen auch am Klavier, immer noch eine gute Figur. Konzerte über drei Stunden sind keine Seltenheit. De Burghs Nachttopffrisur über der Lederjacke und der schwarzen Jeans ist noch die gleiche wie zu seinen Glanzzeiten. Doch aus dem durchaus poetischen Geschichtenerzähler, der in seinen alten Songs noch von Rittern, Königen, Geistern, Kartenspielen mit dem Teufel oder Weltraumspaziergängen fantasierte, gar über den Nordirlandkonflikt sang, ist seit „Lady In Red“ mehr und mehr ein Bänkelbarde geworden, der Liebesleid und Alltäglichkeit in Zeilen fasst. Damit hat er in Deutschland den beständigsten Erfolg. „Ich war 1978 das erste Mal in Deutschland und dachte, ,hier ein Star zu sein, wäre toll’“, erinnert sich Chris de Burgh. 1982 dann steht sein Album „Getaway“ auf Platz 1 der Hitparade, wo seitdem jedes Album unter den Top-15 platziert ist. „Ich habe viel mehr erreicht, als ich jemals erwartet hätte“, sagt der Musiker, für den es ein Erfolg ist, wenn er „Menschen zum Lachen, Weinen und Nachdenken bringen kann, und wenn den Menschen dann im Angesicht ihrer Großeltern klar wird, dass auch sie eines Tages alt sein werden. Und dass auch ein alter Mensch irgendwann mal barfuß über eine Wiese gerannt ist“. Dass er sich erfolgreich ist, hat für ihn aber auch einen anderen Grund: „Ich bin ein Stehaufmännchen und ein Geschäftsmann und als solcher bin ich meinen Weg gegangen – auch wenn mich viele verspottet haben“.

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