Rockmusik RHEINPFALZ Plus Artikel Der Blues-Fanatiker: Eric Burdon wird 80

Keine Tantiemen für „The House of the Rising Sun: Eric Burdon.
Keine Tantiemen für "The House of the Rising Sun: Eric Burdon.

Obwohl er am Montag seinen 80. Geburtstag feiert, kann sich Rock- und Bluesstar Eric Burdon ein Leben im Ruhestand nicht vorstellen. „Was soll ich denn dann tun? Gartenarbeit? Oder mir ein dickes Auto kaufen? Das ist alles nichts für mich.“ Und so richtig sesshaft geworden ist der gebürtige Engländer auch noch nicht: Er lebt zwar in Kalifornien, „ein wirtliches Zuhause ist das aber nicht, denn dafür bin ich noch viel zu viel unterwegs.“ Einzig Corona bremst gerade seine Unrast.

Seit November 2019 hat er kein Konzert mehr gegeben. Damals ist er mit der x-ten Inkarnation der Animals im Center for the Performing Arts im kalifornischen Cerritos aufgetreten. Dabei hat er all die Lieder gesungen, die mit seinem Namen verbunden sind und von denen er doch kaum eines selbst geschrieben hat: „Mama Told Me Not To Come“, es stammt von Randy Newman, „Darkness Darkness“ von den Youngbloods oder „For What It’s Worth“ von Buffalo Springfield. Und natürlich Animal-Klassiker wie der Rausschmeißer „We’ve Gotta Get Out of This Place“ und „The House of the Rising Sun“, ein Song über ein Freudenhaus in New Orleans, der wie kein anderer für die Band Animals steht – und vor allem für Eric Burdon, den Blues-Fanatiker mit der knurrenden Stimme.

Falsche Tonart, aber richtig gut

Doch die Animals und Eric Burdon waren nur die Interpreten dieses Liedes, das der amerikanischen Folklore zugeschrieben wird, seinen Ursprung aber, so der Folkloreforscher Alan Lomax, in einer englischen Ballade des 16. Jahrhunderts haben soll. Von Woody Guthrie, Nina Simone über Joan Baez, und Bob Dylan bis zu Jimi Hendrix haben sich unzählige Musiker des Songs angenommen. Unsterblichkeit erlangte er aber nur durch die 1964er Einspielung der Animals mit dem eindringlichen Gesang Burdons, der einst als beste weiße Bluesstimme bezeichnet wurde, obwohl er oft nicht in der richtigen Tonart sang – aber er war wild und leidenschaftlich. So hörten sich die Animals damals gut an, auch wenn sie musikalisch recht begrenzt waren.

Die Plattenfirma wollte „House of the Rising Sun“ zunächst gar nicht als Single herausbringen, denn das Stück sprengte mit viereinhalb Minuten Länge alle Hitparaden-Konventionen. Aber die Band hielt daran fest, nahm den Song an einem Sonntagmorgen in nur 20 Minuten auf – so schnell, dass Produzent Micky Most in der verbliebenen Studiozeit rasch noch ein ganzes Album aufnahm: „Ein komplettes Album für 24 Pfund Studiomiete – ein gutes Geschäft“, wie Most später einmal anmerkte.

„The House of the Rising Sun“ wurde ein weltweiter Hit. Und so verlebten die Musiker ein paar üppige Jahre und verdienten eine Menge Geld – besonders in Amerika, wo sie als Vorhut der British Invasion den Weg für viele andere Bands aus Großbritannien ebneten. Aber irgendwie schafften es die Animals nicht, noch eine gute und erfolgreiche Platte zu machen. Am Ende blieben sie einfach eine von vielen Gruppen. Keyboarder Alan Price verließ die Band, um eine eigene Gruppe zu gründen, und Drummer John Steele ging zurück nach England. So lösten sich die Animals schließlich auf. Auch Eric Burden veränderten die Jahre in den USA. Sammelte er früher Kriegsandenken, so predigte er nun von der Liebe, nahm Acid und behängte sich mit den Ketten und Glöckchen der Hippies.

Inzwischen sind die Animals längst Geschichte. Sie treten zwar in den unterschiedlichsten Inkarnationen immer wieder auf, in die Annalen eingegangen ist aber nur Sänger Eric Burdon, der auch heute noch keine Bühne verlässt, ohne „House of the Rising Sun“ gesungen zu haben. „Ein bisschen verbittert“ ist Burdon allerdings darüber, dass er von seinem größten Hit keine Tantiemen erhält, denn aufgrund eines Missverständnisses wurde einst Keyboarder Alan Price als alleiniger Arrangeur und damit finanzieller Nutznießer des Erfolgs angegeben.

Was bleibt? Nostalgie

Eric Burdons Konzerte sind mittlerweile Abende für Nostalgiker, die sich an die Hits der 60er Jahre erinnern wollen und diese dann auch von dem heute noch stimmgewaltigen Sänger aus dem englischen Newcastle upon Tyne leicht aufgefrischt serviert bekommen – Nummern wie „Good Times“, „When I Was Young“, „San Franciscan Nights“ oder den Johnny-Cash-Song „Ring Of Fire“. Es sind fast ausschließlich Hits aus der Zeit mit den Animals, zuweilen noch ein Stück wie „Spill The Wine“ von Burdons Bluesfunk-Combo War aus den 70ern, einer Zeit, als der Stern des Sängers endgültig zu sinken begann. Damals zog es ihn nach Deutschland, wo er von der Blueswelle noch einige Zeit oben gehalten wurde, bis ihn Alkohol und Drogen auch hierzulande abstürzen ließen.

Heute hat Eric Burdon seinen Frieden gefunden, hat zwei Biografien veröffentlicht – und in unregelmäßigen Abständen auch immer wieder mal ein neues Album herausgebracht; das letzte „Til Your River Runs Dry“ aus dem Jahr 2013 stand sogar noch einmal für eine Woche in den deutschen Charts auf Platz 57.

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