Pop RHEINPFALZ Plus Artikel Der älteste und aktivste Beach Boy: Mike Love wird 80 Jahre alt

Mike Love (unten Mitte, Promofoto des Labels Universal von 1967) gilt als eher ungeliebtes Beach-Boys-Mitglied und hält die Rech
Mike Love (unten Mitte, Promofoto des Labels Universal von 1967) gilt als eher ungeliebtes Beach-Boys-Mitglied und hält die Rechte am Bandnamen.

Sie waren die fünf netten Jungs von nebenan: Die Brüder Brian, Dennis und Carl Wilson, ihr Cousin Mike Love und ihr Nachbar Al Jardine. Als die Beach Boys eroberten sie mit ihrer unkomplizierten Gute-Laune-Musik die Hitparaden der Welt. Mike Love, neben Brian Wilson der engagierteste Songwriter der Band, wird am 15. März 80 jahre alt.

„Surfin’“, die erste Platte der Beach Boys, bei einer kleinen Firma in Los Angeles erschienen, schaffte es 1961 in die Hitparaden. Die Band gab sich als Familienangelegenheit, und mit dem Surfen hatte sie ein ergiebiges Thema gefunden. Freizeit, Mobilität und Abgeschiedenheit: Es war der vorstädtische Mythos, der an den Pazifik transportiert und stets heroisch behandelt wurde. Die Beach Boys propagierten ihre eigene Variante des American Dream, indem sie ein strahlendes Bild von Stränden, Partys und nimmer endenden Sommern malten, ein Paradies der Flucht ins Private und der geteilten Freude.

Schon mit ihrem ersten Album hatten sie einen Sound gefunden, der unverwechselbar war: eine Mischung aus urbanem Rock’n’Roll, kalifornischer Surfmusik und ausgefeiltem Satzgesang, der im Jazz wurzelt. Brian Wilson und Mike Love schrieben Texte, in denen sie einen Hauch von Chuck Berrys „Sweet Little Sixteen“ verarbeiteten und kein kleinkariertes Flair scheuten, um Teenager-Träume zu transportieren.

Der Optimist

Mike Love war mit seiner optimistischen Einstellung ein ausgleichender Gegenentwurf zu dem eher melancholisch veranlagten Brian Wilson. Und sie wurden getrieben, immer mehr und mehr zu schreiben, denn die Plattenfirma sah in ihrem Sound einen kurzlebigen Trend, den es auszunutzen galt. So kamen die Beach Boys teils nicht mehr dazu, ihre Songs zu betexten, was die anfangs relativ hohe Zahl der Instrumentalnummern erklärt. In zwei Jahren veröffentlichten sie acht Platten, die sie – ein Novum damals – im eigenen Studio produzierten. Doch auch bei den gesungenen Stücken hat der Text hauptsächlich klangliche Funktionen, von einem Inhalt im eigentlichen Sinn kann oft keine Rede sein.

Angeregt von den Beatles ließ Brian Wilson 1966 den Surf-Sound hinter sich, um mit „Pet Sounds“ sein eigenes komplexes Opus und einen Gegenentwurf zu „Sgt. Pepper’s...“ der Beatles zu kreieren. Während dieser Zeit entstand auch „Good Vibrations“, ein Bestseller, der durch seine Struktur und Instrumentierung beeindruckte. Doch trotz des Erfolgs kriselte es in der Beziehung Brian Wilson und Mike Love, der mit den komplexen Songstrukturen Wilsons ebenso haderte wie mit dem Engagement externer Texter. Wilson traute nämlich seinem Cousin, der zuvor die meisten Texte geschrieben hatte, diese Aufgabe bei „Pet Sounds“ nicht zu.

Kampf um Songrechte

Ende der 1960er bekam die Popularität der Beach Boys einen Knick. Da waren Wilsons Extravaganzen und die aufsteigende Hippiekultur, die mit dem Strahlemänner-Image der Beach Boys nichts anfangen konnte. Eine mögliche Anpassung an den Musikmarkt gelang der Band nicht. In den 1970er und 80er Jahren verbreiteten die Beach Boys mehr negative Schlagzeilen als „good vibrations“. Brian Wilson ging im LSD-Rausch unter, und die offene Feindschaft zwischen Love und Dennis Wilson sowie dessen Sympathie für den Massenmörder Charles Manson ließen die glänzende Fassade bröckeln. Makabere Randnote: Von den Beach Boys konnte nur eben jener Drummer Dennis Wilson surfen. Aber ausgerechnet er ertrank im Dezember 1983.

Als die Band immer tiefer in den Schlamassel zu versinken drohte, stellte Mike Love das Unternehmen auf eine neue Basis. „Wir haben unsere Mastertapes zurückgekauft. Alle Beach-Boys-Songs gehören jetzt wieder uns“, freute sich Love 1993, der damit den umgekehrten Weg gegangen ist, den zuletzt Bob Dylan oder Neil Young eingeschlagen haben, indem sie ihre Songrechte verkauften. Apropos Urheberrechte: Love erstritt in den 90er Jahren vor Gericht gegen Brian Wilson die Mitautorenschaft an 29 Beach-Boys-Songs, die bis dahin allein Wilson zugeschrieben wurden. Das brachte Love fünf Millionen Dollar ein und den Ruf, nicht nur der älteste sondern auch der Bad Boy der Band zu sein.

Turbulentes Privatleben

Dazu gab auch sein Privatleben Anlass: Er war fünfmal verheiratet und hat neun Kinder, deren Vaterschaft er anerkennt. Nicht so bei der 1964 geborenen Shawn Marie, die 1983 Dennis Wilson heiratete. Wenig Sympathien sammelte Mike Love auch, als er in den vergangenen Jahren immer wieder als Unterstützer von Donald Trump aufgetreten ist. Und da war dann auch noch der Rechtsstreit mit dem Band-Kollgen Al Jardine. Der war nach dem Tod Carl Wilsons 1998 aus der Band ausgestiegen und gründete die Gruppe Beach Boys Family & Friends. Der gehörten auch Brian Wilsons Töchter Carny und Wendy an, bekannt geworden als Wilson Phillips. Gegen Jardine erstritt sich Love das Recht am Namen „Beach Boys“. Und so ist Mike Love, der am Ufer des Lake Tahoe in der Nachbarschaft des Whitesnake-Sängers David Coverdale wohnt, immer noch als Beach Boy auf Tour. Zuletzt im Sommer 2019 auch in Deutschland.

Mike Love agiert als Leadsänger der Beach Boys.
Mike Love agiert als Leadsänger der Beach Boys.
2012 waren sie als Beach Boys noch einmal vereint (von links): Alan Jardine, Bruce Johnston, Brian Wilson, Mike Love und David L
2012 waren sie als Beach Boys noch einmal vereint (von links): Alan Jardine, Bruce Johnston, Brian Wilson, Mike Love und David Lee Marks.
x