Konzert
Das 2. Pfalztheaterkonzert fasziniert in Frankenthal und Kaiserslautern durch eine besondere Entdeckung
Sinfonische Konzerte ergeben in der Spielstätte Fruchthalle mit der etwas halligen, im oberen dynamischen Bereich eher verzerrenden Akustik ebenso wenig ideale Bedingungen wie auf der hauseigenen Theaterbühne. Die verschluckt mitunter manches an Detailarbeit. Im SWR-Studio jedoch fanden die ohnehin großartigen, ja grandiosen Aufführungen der Pfalzphilharmonie Kaiserslautern ideale akustische Verhältnisse vor.
Das Orchester klang unter der Leitung seines Chefdirigenten, Generalmusikdirektor Daniele Squeo, selten so ausgewogen, subtil ausbalanciert und so akkurat koordiniert. Da stimmte einfach alles, etwa zu Beginn bei zwei Werken für Klavier und Orchester des gleichen Entstehungsjahres (1934 in den USA) das präzise Zusammenspiel zwischen der Konzertpianistin (und „Artist in Residence“ dieser Spielzeit) Alexandra Dariescu und der bestens disponierten und von Squeo bestens vorbereiteten Pfalzphilharmonie. Die Pianistin hat bislang bei ihren Auftritten bereits eine charismatische Note und eine ansteckende, lebhafte Musizierfreude eingebracht. Wichtig ist ihr zudem, bevorzugt unbekanntere Komponistinnen wie dieses Mal die Afroamerikanerin Florence Price (1887-1953) „ins Spiel“ zu bringen und zu würdigen.
Die Komponistin Florence Price
Prices Klavierkonzert klingt wie eine Synthese aus europäischen, spätromantischen und afroamerikanischen Stilelementen mit Anklängen an Spirituals und Folkmusik. Burleske Ornamente lassen die virtuose Seite im ersten Satz nur erahnen, alles wirkt bei dieser Komposition und Interpretation spielerisch und elegant. Im zweiten Satz verzaubert zudem ein betörender Dialog zwischen Klavier und Oboe. Der dritte reißt mit afrikanischen Tanzrhythmen mit.
Bei Rachmaninows Rhapsodie über eine Caprice von Paganini faszinierte Alexandra Dariescu durch die spielerische Bravour und Transparenz bei allen Kolorierungen, Umspielungen und rhythmischen Veränderungen. Squeo hielt alles wunderbar zusammen, vermittelte geschickt zwischen Soli (auch des Orchesters) und Tutti.
Die große Stunde des Generalmusikdirektors
Dennoch schlug die große Stunde des italienischen Maestro erst mit der 3. Brahms-Sinfonie. Wo andere Dirigenten sich schon mit stimmigen Tempi, klar strukturierten Sätzen und genauem Zusammenspiel oft zufrieden geben, sich mit Annäherungswerten an die thematische Substanz und deren Verarbeitung begnügen, beginnt erst seine Arbeit: Unermüdlich fordert und fördert er, holt letzte klangliche Reserven heraus, formt den Klang zu Homogenität und Expressivität, um wieder bei Soli im „Holz“ alles runter zu fahren, und sensibel Kantilenen zu formen. Kurz: Squeo arbeitet unermüdlich klangästhetisch, baut immense Spannung auf, setzt auf Detailarbeit, Kontraste, Steigerungen und Klangwirkungen. Ein Meilenstein der Orchestergeschichte!