Kultur Comic-Reihe „Wundervolle Sommer“: Mit dem roten R 4 auf Reisen

Eine liebenswert-chaotische Familie: die Faldéraults.
Eine liebenswert-chaotische Familie: die Faldéraults.

Die Publikation des pfälzischen Salleck-Verlags folgt einer belgischen Familie in den Urlaub nach Frankreich

In Frankreichs Buchhandlungen führte im vergangenen Sommer an der Serie „Les beaux étés“ kein Weg vorbei. Wie selbstverständlich gibt es in unserem Nachbarland überall bestens ausgestattete Comic-Abteilungen. Und da wurden die drei dort schon erschienenen Alben gerade in den Sommermonaten prominent präsentiert – macht sich darin doch nostalgische Ferienstimmung breit. Im Mittelpunkt steht die Familie Faldérault. Wie jedes Jahr packt Papa Pierre auch 1973 seine Frau Mado und die vier Kinder in den roten R 4. „Wohin fahren wir, Kinder? Nach Oslo?“, fragt der Vater im Wagen. Ein lautes „Nein!“. Ebenfalls unter den Vorschlägen Berlin, Stockholm, Moskau und Reykjavik: „Sonne, wir wollen Sonne“, brüllen die Kinder im Chor. So geht es „ab in den Süden“, wie der erste Band (die deutsche Fassung stammt von Asterix-Übersetzer Klaus Jöken) auch heißt. Doch auf der Fahrt Richtung Ardèche herrscht nicht nur eitel Sonnenschein. Die Faldéraults stecken in einer Ehekrise. Der Vater ist ein mäßig erfolgreicher Comiczeichner, die Mutter ist unzufrieden mit ihrer Arbeitsstelle und der ganzen Situation. Ein Schicksalsschlag in der Familie trübt zudem die sommerliche Idylle. Texter Zidrou erzählt die anrührende Geschichte mit viel Humor, die leicht chaotische Familie schließt man von der ersten Seite an ins Herz. Dazu tragen die stimmungsvollen Zeichnungen von Jordi Lafebre bei, die leicht karikierten Figuren erinnern an Disney-Trickfilme wie „Aladdin“ oder „Atlantis“. Für den Wattenheimer Verleger Eckart Schott war es ein Anliegen, „Wundervolle Sommer“ auf Deutsch herauszubringen. Er nennt es einen seiner Lieblingscomics. Von Zidrou erschien im Salleck-Verlag bereits der Einzelband „Lydie“ um eine junge Mutter, die ihr Baby im Kindbett verliert. Ebenfalls eine bewegende und letztlich aufmunternde Geschichte. Der in Frankreich viel beschäftigte Autor weiß gefühlvoll und warmherzig zu erzählen – wie eben in „Wundervolle Sommer“. In den beiden bisherigen Folgebänden, die auf Französisch seit Juni vorliegen, geht es übrigens in der Zeit zurück. Zunächst führt es die Familie im Jahr 1969 ans Mittelmeer, natürlich mit dem roten R 4. Der steht dann 1992 zum Verkauf. Anlass genug für das gealterte Ehepaar Faldérault, sich an den allerersten Urlaub mit dem treuen Gefährt 30 Jahre zuvor zu erinnern. Viel Stoff, um in Urlaubserinnerung zu schwelgen. Band 2 ist bereits übersetzt und gelettert, sollte laut Schott noch im ersten Halbjahr erscheinen. Lesezeichen Zidrou/Lafebre: „Wundervolle Sommer 1: Ab in den Süden“; Salleck Publications ; 56 Seiten; 15 Euro.

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