EM-Impressionen RHEINPFALZ Plus Artikel Beschwerliche Anreise im Rollstuhl

Richard Wagner (rechts) und sein Freund Siegfried Wolsiffer.
Richard Wagner (rechts) und sein Freund Siegfried Wolsiffer.

Richard Wagner liebt den Fußball. Er hat früher selbst Fußball gespielt, er lebte in München, aber so richtig gepackt hat den 57-Jährigen das Fieber erst 2012 und 2013, als der FC Bayern das Finale „dahoam“ spielte. „Und ich bin ein Jahr später auch nach Wembley zum Champions-League-Finale gefahren. Das war mega. Das ist etwas, was bleibt, das nimmt mir niemand mehr“, erzählte Richard Wagner gestern. Wagner ist Mitglied im Rollstuhlfahrerverein des FC Bayern, in dem der ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht Speyer, durch sein Wissen über den Sozialverband VdK Schwächere unterstützt.

Vorstandsmitglied im Fanclub Nationalmannschaft

Und er ist Vorstandsmitglied im Fanclub der Nationalmannschaft für den Bereich Recht und Inklusion. Wagner ist Rentner, er war Kaufmännischer Leiter bei der Deutschen Bahn und Manager bei der SAP, dann zehn Jahre selbstständig mit zwei eigenen Firmen. „Jetzt habe ich nichts mehr auf den Schulterblättern. Ich habe Zeit“, sagte er.

1993 erkrankte er an MS, an Multiple-Sklerose, heute sagt er: „Ich lebe gut damit. Aber das alles geht nur, weil meine Frau mich zu hundert Prozent unterstützt und ich die Erkrankung angenommen habe.“ Ehefrau Heike ist nach einem Motorradunfall seit 28 Jahren mit einem Schädel-Hirn-Traumata und zahlreichen Wirbel- und Rippenbrüchen am rechten Arm gelähmt, sie leidet außerdem an einer 50-prozentigen Lungenfunktionseinschränkung. Sie sie haben sich in der Reha kennengelernt.

Für seine Fußball-Begeisterung musste er am Wochenende einiges in Kauf nehmen. Richard Wagner und sein Freund Siegfried Wolsiffer, ebenfalls Bayern-Fan, waren schon beim Auftaktspiel gegen Frankreich in der Münchner Arena, am Samstag machten sie sich auf, das EM-Spiel gegen Portugal zu verfolgen. Sie kamen auf den letzten Drücker in der Allianz-Arena an. Und das hatte Gründe. „Das war der Knaller“, betonte er. In München-Pasing hieß es: Bitte alle aussteigen, der Zug endet hier. Auf den Hinweis, man habe bis München gebucht hieß es: „Das ist jetzt nicht unser Problem.“ Und das nach zwei Stunden Verspätung.

Mit der S-Bahn ging es also zum Hauptbahnhof. Vom Hauptbahnhof mussten die zwei Pfälzer Fußball-Fans zum Corona-Testzentrum. Am Stachus funktionierte der Aufzug nicht. Sie mussten zum Marienplatz laufen – und danach auch zum Stachus zurücklaufen. Am Stachus kamen sie nicht mehr in den Aufzug nach unten – und gingen notgedrungen zum Hauptbahnhof. „Das zum Thema Barrierefreiheit in München. Wir sind weit davon entfernt, barrierefrei zu sein“, meinte der „Franke“, in Mutterstadt daheim.

Angebot: 500 Euro für das Ticket

Nebenbei: Kurz vor dem Stadion hielt ein Fan Richard Wagner 500 Euro für dessen Ticket hin.

Der Rückweg war noch schlimmer. Vom Marienplatz Richtung Hauptbahnhof fielen am Sonntag alle S-Bahnen aus. Mit der U-Bahn ging es weiter. Am Servicepoint erfuhr er, dass der Zug nicht fährt, diesmal erst ab Stuttgart. Zwei Stunden später, beim nächsten ICE, ist die Zugangstür defekt. Richard Wagner bekniete die Zugchefin – und durfte in den hinteren Wagenteil, irgendwo zwischen Wickelkommode und Rückenlehne des Vordermanns wieder zurückfahren.

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Foto: Imago Images/Beautiful Sports

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