Kultur RHEINPFALZ Plus Artikel Auf der schrägen Seite des Humors: Vor 50 Jahren trat die Truppe Monty Python erstmals im TV auf

Coole Truppe: Eric Idle, John Cleese, Terry Gilliam, Michael Palin Terry Jones, 2014.
Coole Truppe: Eric Idle, John Cleese, Terry Gilliam, Michael Palin Terry Jones, 2014. Foto: dpa

Alles begann am 5. Oktober 1969. Mit einer BBC-Fernsehshow namens „Monty Python's Flying Circus“. Schon die Eröffnungssequenz war etwas nie Gesehenes: eine bunte, schräge Animation untermalt mit Marschmusik, mit ineinandergreifenden Zahnrädern, geköpften Figuren, einer fetten Henne und einem überdimensionalen furzenden Fuß, der am Ende alles zertritt. Seither ist die Komiker Truppe Monty Python legendär.

Der tote Papagei aus einem von Monty Pythons Sketchen hat es bis in eine Rede von Margaret Thatcher geschafft. Sie beharrte darauf: Der hatte aufgehört zu existieren, sein Haltbarkeitsdatum war abgelaufen, er hatte uns verlassen und war dabei, vor seinen Schöpfer zu treten. In ihrer Rede von 1990 machte die Regierungschefin sich so über den gerade entworfenen „Freiheitsvogel“ im Parteilogo der britischen Liberaldemokraten lustig. Wie die sechs Mitglieder der britischen Comedy Truppe Monty Python Thatchers Witzeklau damals fanden, ist unbekannt. Thatchers Hommage zeigt aber, dass Monty Pythons Humor alle gesellschaftlichen Schichten in Großbritannien erreicht hat. Ihre Sketche waren von Anfang an schräg.

Wer könnte ihn je vergessen, den ach so toten Papagei, das Ministerium für alberne Gänge, die unerwartete Spanische Inquisition oder den so inbrünstig vorgetragenen Lumberjack Song. Das Erstaunliche an diesem Lied ist, dass es davon auch eine deutsche Version gibt. Dass es diese Version des Liedes gibt und die Monty Python Show in Deutschland zu sehen war, verdanken wir vor allem dem Talkmaster und TV-Produzenten Alfred Biolek. Er sah die Pythons nach ihrer BBC-Premiere bei einem London-Besuch im Fernsehen, spürte, dass sie etwas ganz Neues machen und auch sehr gute Schauspieler sind. Er überzeugte den experimentierfreudigen Unterhaltungschef des WDR, Hannes Hoff, die Serie produzieren zu dürfen. Dann kam der schwierigere Teil. Biolek musste die britischen Komiker überreden. Die zuerst nicht so recht wollten. Biolek überzeigte sie mit einigen Gin Tonics. Die Pythons flogen dann 1971 nach München, machten eine Art Probewoche, sahen sich Land und Leute an, wie Biolek in einem Interview 2009 mit dem Deutschlandfunk erzählte.

Dürer und die Kängurus

Und sie versprachen gar, die erste Sendung auf Deutsch zu machen. Keiner der Pythons sprach Deutsch, nur John Cleese hatte Deutsch in der Schule gelernt. Die Sechs haben dann die erste Sendung geschrieben, und der Redakteur und Übersetzer Thomas Woitkewitsch, der die Sendung gemeinsam mit Biolek produzierte, übersetzte das Skript auf Deutsch und coachte die Briten, wie sie die Sätze aussprechen sollten. Wort für Wort. In einem Sketch sollte ein Australier den deutschen Maler Albrecht Dürer dem Publikum vorstellen: „Ich weiß über Alfred Dürer genauso viel wie über das Rektum eines Kängurus.“ Hier überwand die Derbheit der Pythons Sprachbarrieren. Die erste und einzige auf Deutsch aufgenommene 45-Minuten-Episode, exklusiv produziert für den WDR, mit dem Titel „Monty Python's Fliegender Zirkus“ wurde am 3. Januar 1972 ausgestrahlt. Die zweite Episode wurde dann auf Englisch gedreht und synchronisiert am 18. Dezember 1972 ausgestrahlt.

Komplett war die BBC-Reihe in Deutschland erst ab 1991 in N3 zu sehen – im Originalton. Sat.1 traute sich 1998 erstmals an die Synchronisation des schwierig zu übersetzenden britischen Humors und zeigte alle 45 Folgen im Spätprogramm. Zur Überraschung von Fans und Kritikern war die Serie auch in der deutschen Fassung noch witzig. Monty Python war auch hierzulande ein Erfolg, und das hat wiederum die Sicht der sechs Briten auf die Deutschen verändert. Nach ihrem Fernseherfolg in der BBC, war Monty Pythons Siegeszug auch international nicht mehr aufzuhalten. Sie produzierten fünf Kinofilme, Bühnenshows und etliche Musikalben. Wer könnte ihren Erstling „Monty Python and the Holy Grail“ („Die Ritter der Kokosnuss“) von 1975 vergessen? Einen Film, der fast scheiterte, weil die Produktion kein Budget hatte für Stuntpferde. Doch die sechs britischen Komikergenies behalfen sich einfach mit klappernden Kokosnussschalenhälften. Oder die Kreuzigungsszene im Film von 1979: „Life of Brian“ („Das Leben des Brian“) mit dem schwärzesten aller lustigen Songs „Always Look On The Bright Side Of Life“.

Mit ihrer Mischung aus albernem Slapstick, kalauernden Wortspielen und scharfzüngiger Satire hat Monty Python die Comedy revolutioniert. Humorkritiker haben sich schwer getan, die Ideen des Sextetts einzuordnen. Deshalb wurde kurzerhand der Begriff „pythonesk“ erfunden. Ihre Worterfindung „Spam“ hat es sogar in den Duden geschafft, wird dort definiert als „unerwünschte massenhaft per E-Mail oder auf ähnlichem Wege versandte Nachrichten“ und hat seinen Ursprung in einem Monty-Python-Sketch.

Jeder bekommt sein Fett weg

Für das 50 jährige TV-Jubiläum fährt die BBC mit einem neuen Radioprogramm und nie gehörten Python-Fundstücken aus dem Audioarchiv auf. Und natürlich stellt sich im Jubiläumsjahr die Frage, ob und wie pythonesker Humor beim Publikum von 2019 ankommt. In Zeiten der politischen Hyper-Korrektheit müssen schließlich auch Komiker aufpassen, über wenn sie sich wie lustig machen. Und in Python-Sketchen tauchen immer wieder Klischees auf, ausgerechnet über Ausländer, Deutsche, Skandinavier, und für die Briten natürlich besonders die Franzosen. Aber vielleicht ist der Schlüssel bei Monty Python, dass jeder sein Fett wegbekommt. Die Briten eingeschlossen.

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